KC compact: Der letzte Heimcomputer der DDR

Ein Gehäuse – vier verschiedene Geräte

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Das Gehäuse kommt gleich bei vier Geräten von zwei Herstellern zum Einsatz: beim Bildungscomputer A 5105 in Robotron, bei dessen Endkunden-Modell Alba PC (nicht zu sehen), bei der Komfort-Tastatur für den KC 85/4 und beim KC compact.

(Bild: heise online/René Meyer)

Für das Gehäuse erwirbt Mühlhausen die Fertigungstechnik des Bildungscomputers A 5105 von Robotron. Daher sehen beide Computer, abgesehen vom Schriftzug, gleich aus. Die Gussform nutzt Mühlhausen außerdem, um die bescheidene Tastatur der bisherigen KC-Modelle durch ein Komfortmodell zu ersetzen. Da Robotron gleichzeitig versucht, nach der Öffnung der Grenzen den Bildungscomputer in einer abgespeckten Variante unter dem Namen Alba PC Endkunden anzubieten, gibt es vier verschiedene Geräte mit diesem Gehäuse.

Seine Premiere hat der KC compact erst zur Leipziger Frühjahrsmesse im März 1990. Viel Aufmerksamkeit erreicht er nicht. Selbst im Computermagazin MP – Mikroprozessortechnik wird er nur im Rahmen des Messeberichts vorgestellt. Erst in der Juli-Ausgabe der Zeitschrift Radio – Fernsehen – Elektronik erscheint ein dreiseitiger Testbericht.

Den Hersteller ficht das nicht an. Noch im Sommer 1990 gibt Mühlhausen Kunden bereitwillig Auskunft über das Zubehör. Im Angebot sind 12 Tonbandkassetten zu je 38 Mark mit je einer Handvoll Spielen, eine Textverarbeitung für 45 Mark sowie Pascal und Assembler für je 52 Mark.

"Programme von CPC 464 und 664 sind zu 90 % einsetzbar. Wir haben erst eine geringe Zahl von nicht lauffähigen Programmen herausgefunden", weiß Mühlhausen. Um das Angebot an Software zu verstärken, kooperiert der Hersteller mit dem DMV-Verlag aus Eschwege, der ein Amstrad-Magazin herausgibt. DMV nutzt die Vertriebsstrukturen von Mühlhausen, um seine Zeitschriften in der DDR zu verbreiten – und soll die Kunden des KC compact mit CPC-Software versorgen.

Doch zu diesem Zeitpunkt, wenige Wochen nach seiner Markteinführung, wird der Computer bereits verramscht. So erwirbt der Autor auf den Tag genau vor 30 Jahren, am 23. Mai 1990, an einem Straßenstand in Erfurt einen KC compact für 250 Mark der DDR. Auf der Packung steht noch der ursprüngliche EVP, der Einzelhandelsverkaufspreis, von 2300 Mark, bereits durchgestrichen und durch (ebenfalls nicht mehr aktuelle) 999 Mark ersetzt, die einem Monatseinkommen in der DDR entsprechen. Für ein nacktes Gerät ohne Kassettenrekorder und ohne Bildschirm. Die Seriennummer: 001244.

Es ist kein guter Zeitpunkt für einen neuen DDR-Computer. Die Währungsunion steht vor der Tür, zum 1. Juli 1990 wird das DDR-Geld 2:1 in Westmark umgetauscht; und selbst für 2300 Mark geteilt durch zwei könnte man sich einen gleichwertigen Amstrad CPC kaufen, mit eingebautem Kassettendeck. Und man hätte noch genug Geld übrig, um außerdem einen C64 mit Diskettenlaufwerk und Farbmonitor zu erstehen.

Auch die Fachmagazine berichten neuerdings lieber über Westcomputer statt über den DDR-Klon eines Westcomputers. So geht die MP – Mikroprozessortechnik eine redaktionelle Kooperation mit der c't ein.

Überraschenderweise erscheint am Ende sogar das versprochene Diskettenlaufwerk. Es kommt mit einem Controller-Gehäuse, das selbst mit 64 Kilobyte RAM und 8 Kilobyte ROM ausgerüstet ist, und dem eigentlichen 5,25"-Zoll-Laufwerk. Von Diskette lässt sich MicroDOS laden, eine DDR-Variante von CP/M.

Heute ist der KC compact nahezu ausgestorben, zumal er nicht nur Sammler von DDR-Rechnern, sondern auch von CPC-Modellen anzieht. Während man die einzige Spielkonsole der DDR, das Bildschirmspiel 01, häufig zu Preisen um die 100 Euro auf Ebay erwerben kann, obwohl nur 1.000 Geräte existieren, bekommt man den letzten Heimcomputer der DDR sehr selten angeboten. Noch viel rarer ist das Diskettenlaufwerk.

(bme)