Kalifornien entzieht erstmals Lizenz für selbstfahrendes Auto

Pony.ai darf seine Autos nicht länger ohne Sicherheitsfahrer auf öffentlichen Straßen Kaliforniens fahren lassen. Grund ist ein Alleinunfall.

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Weißer Lexus mit LIDAR-Aufbau auf dem Dach

Ein Auto mit Selbstfahr-Technik von Pony.ai

(Bild: Pony.ai)

Von
  • Daniel AJ Sokolov

Pony.ai hat seine kalifornische Lizenz für chauffeurlose Testfahrten mit selbstfahrenden Autos eingebüßt. Grund ist ein Alleinunfall. Das hat die zuständige Behörde heise online bestätigt. Es ist der erste solche Lizenzentzug in Kalifornien. Auf der aktuellen Liste der Lizenzinhaber mit Stichtag 19. November scheint Pony.ai nicht mehr auf. Sieben weitere Unternehmen stehen noch auf der Liste.

Anders in China: Dort hat Pony.ai Ende November die Erlaubnis erhalten, in einem 60 Quadratkilometer großen Gebiet der Hauptstadt Peking nicht bloß chauffeurlose Testfahrten durchzuführen, sondern auch autonome Taxifahrten gegen Entgelt anzubieten. Das Gebiet ist als Zone für den Pilotbetrieb "intelligent vernetzter Fahrzeuge" ausgewiesen und umfasst Wohnviertel, Geschäftsstraßen, sowie Wissenschafts- und Technik-Parks. Pony.ai darf dort ungefähr 200 Stationen anfahren und autonom Menschen befördern.

In Kalifornien hat ein selbstfahrendes Pony.ai-Auto am 28. Oktober einen Unfall gebaut, in den keine anderen Verkehrsteilnehmer verwickelt waren: Bei besten Bedingungen mit Tageslicht und trockener Fahrbahn rammte der autonome elektrische Hyundai Kona eine Verkehrsinsel samt Verkehrszeichen in der Mitte des Fremont Boulevard in Fremont. In der Stadt befindet sich unter anderem das Tesla-Stammwerk.

Laut Unfallbericht bog das Fahrzeug nach rechts auf den Fremont Boulevard ein und versuchte dann, in die linke Spur zu wechseln. Dabei verursachte es den Unfall. Die Ursache für den Fehler verrät Pony.ai in dem Bericht nicht. Personen sind nicht zu Schaden gekommen. Dennoch veranlasste der Vorfall die Verkehrsbehörde, zum ersten Mal eine Zulassung für fahrerlose Testfahrten zu entziehen. Seit 2018 genehmigt Kalifornien fahrerlose Autos.

Mit Sicherheitschauffeur darf Pony.ai weiterhin auf öffentlichen Straßen Kaliforniens Testfahrten durchführen. Über 50 Unternehmen, darunter auch BMW, Bosch, Mercedes-Benz und Volkswagen, haben so eine Zulassung erwirkt. Ohne Aufpasser am Volant dürfen derzeit Apollo, Autox, Cruise, Nuro, Waymo, WeRide und Zoox auf die öffentlichen Straßen des bevölkerungsreichsten US-Staates.

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Pony.ai wurde von zwei Chinesen gegründet, um IT für selbstfahrende Kraftfahrzeuge zu entwickeln. Ihren Sitz hat die Firma in Fremont. Seit 2017 führt Pony.ai Testfahrten in Kalifornien durch. Dazu gehörte auch ein Taxiservice mit Sicherheitsfahrer in der Stadt Irving, das mit der Coronavirus-Pandemie pausiert wurde.

Zu den zahlreichen Investoren zählen Toyota, Brunei oder der Pensionsfonds der Lehrer der kanadischen Provinz Ontario. Als Entwicklungspartner hat Pony.ai unter anderem Hyundai und staatliche chinesische Kfz-Hersteller gewonnen. Über die Verschmelzung mit einer börsennotierten Mantelfirma (SPAC) wollte das Management im September eine US-Börsennotierung erreichen und weitere 1,2 Milliarden Dollar von den Eigentümern der Mantelfirma lukrieren.

Allerdings gehen Behörden der Volksrepublik China zuletzt gegen Firmen vor, die dort als chinesisch erachtet werden und an ausländische Börsen gehen. Weil Pony.ai keine Genehmigung der chinesischen Behörden erwirken konnte, sagte es den Börsengang ab. Womöglich aufgrund der ausgebliebenen Geldspritze hat das Unternehmen noch im September sein Programm für die Entwicklung autonomer Lastkraftwagen deutlich reduziert, führende Entwickler haben Pony.ai verlassen.

(ds)