Kampf um Atomkraftwerk Saporischschja hält an – Selenskyj warnt vor Folgen

Seit Russlands Invasion der Ukraine im Februar dieses Jahres spielt Russland mit der Angst vor einem Atom-Gau. Atomkraftwerke werden umkämpft und eingenommen.

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Kühltürme des Kernkraftwerks Saporischschja in der Nähe von Enerhodar, Ukraine

(Bild: Ihor Bondarenko/Shutterstock.com)

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  • dpa

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Russland erneut mit Nachdruck zum Rückzug seiner Soldaten aus dem Atomkraftwerk (AKW) Saporischschja aufgefordert. Er warnte einmal mehr auch vor den Folgen einer möglichen nuklearen Katastrophe. Das von Russland besetzte größte Kernkraftwerk Europas wird seit Tagen beschossen. Die Ukraine und Russland machen sich gegenseitig dafür verantwortlich.

Selenskyj erklärte in einer am Montagabend in Kiew verbreiteten Videobotschaft: "Jeder radioaktive Zwischenfall im Atomkraftwerk Saporischschja könnte auch zu einem Schlag gegen die Staaten der Europäischen Union und gegen die Türkei und gegen Georgien und gegen die Staaten weiter entfernter Regionen werden. Alles hängt nur von der Richtung und der Stärke des Windes ab".

Er forderte, dass Russland sich ohne Bedingungen aus dem Kraftwerk zurückziehen müsse. Zugleich bekräftigte er seine Forderungen vom Wochenende nach Sanktionen gegen den russischen Atomkonzern Rosatom und die gesamte Nuklearindustrie des "Terrorstaates".

Die internationale Gemeinschaft müsse handeln, betonte er. "Wenn die Welt jetzt nicht die Kraft aufbringt und die Entschlossenheit, um eine Atomanlage zu schützen, dann heißt das, dass die Welt verliert", sagte Selenskyj. Es gehe um den Schutz vor radioaktiver Verstrahlung. Nach Angaben der russischen Seite werden bisher keine erhöhten Strahlenwerte gemessen.

Die Ukraine wirft Russland vor, mit dem Beschuss "atomaren Terror" zu betreiben. Der russische Besatzungsvertreter Wladimir Rogow wiederum hatte mitgeteilt, ukrainische "Terroristen" feuerten die Schüsse ab. Er hatte auch eine Feuerpause vorgeschlagen. Eine Übergabe des Kernkraftwerks lehnt Russland aber ab. Kiew hat das Kraftwerksgelände eigenen Angaben nach auch selbst bereits mit Kampfdrohnen angegriffen.

Die Ukraine beschuldigt die russischen Truppen, das AKW als Festung zu nutzen, um von dort auf die am anderen Ufer des Dnipro-Stausees liegenden Kleinstädte Nikopol und Marhanez zu schießen. Russland hingegen behauptet, die Ukraine beschieße die Anlage mit Drohnen, schwerer Artillerie und Raketenwerfern. In den meisten Fällen fange die russische Luftwehr die Geschosse ab, hieß es. Dennoch sei bereits Infrastruktur auch im Bereich des dortigen Atommülllagers getroffen worden.

Die internationale Atomenergiebehörde (IAEA) warnt vor einer Eskalation und möchte unabhängige Experten die Lage vor Ort beurteilen lassen.

(kbe)