Kanada sucht von Amazon übervorteilte Verkäufer

Ob Amazon seine Marktmacht missbraucht hat, möchte die kanadische Wettbewerbsbehörde eruieren. Sie ruft Unternehmer auf, sich zu melden.

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(Bild: Daniel AJ Sokolov)

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  • Daniel AJ Sokolov

Die kanadische Bundeswettbewerbsbehörde untersucht, ob Amazon durch sein Verhalten auf amazon.ca den Wettbewerb in Kanada zum Schaden von Verbrauchern oder Unternehmen beeinflusst hat. Konkret geht es um den Verdacht des Missbrauchs marktbeherrschender Stellung. Die Behörde ruft nun Verkäufer und andere Unternehmen dazu auf, sachdienliche Angaben zu machen.

Insbesondere interessiert sich die Wettbewerbsbehörde (Competition Bureau oder Bureau de la concurrence) für

  • frühere oder aktuelle Amazon-Regeln für Amazon-Marketplace-Verkäufer, die ihre Waren auf einem anderen Weg günstiger als auf Amazons Webseiten anbieten möchten, etwa auf eigenen Webseiten oder anderen Marktplätzen;
  • die Chancen von Verkäufern auf dem Amazon-Marketplace, die dort nicht für Werbung zahlen oder die auf Amazons Auslieferservice (Fulfilment by Amazon) verzichten;
  • Bemühungen oder Strategien Amazons, die Verbraucher dahingehend beeinflussen könnten, dass sie Produkte direkt von Amazon kaufen anstatt von einem anderen Verkäufer, der bei Amazon feilbietet.

Die Kontaktaufnahme darf nicht anonym sein und muss per E-Mail erfolgen. Die Behörde verspricht aber, die Identität der Einsender nicht preiszugeben. Sie betont zudem, noch keine Rechtsverletzung festgestellt zu haben. Im Unterschied zu ihrem US-amerikanischen Pendant FTC kann die kanadische Behörde bereits beim ersten Verstoß eine Strafe verhängen, nämlich bis zu zehn Millionen kanadische Dollar (6,4 Millionen Euro). Für Wiederholungstäter steigt die Strafandrohung um die Hälfte.

Bereits seit einem Jahr ermittelt die US-Regierung gegen Amazon, Facebook und Google. "Ob und wie marktführende Online-Plattformen Marktmacht erlangt haben und sich Geschäftspraktiken bedienen, die den Wettbewerb reduziert, Innovation behindert oder sonst Verbraucher geschädigt haben", untersucht die Kartellrechtsabteilung des US-Justizministeriums. Dort sind neben Unternehmen auch Bürger eingeladen, Wettbewerbsprobleme zu melden.

(ds)