Kartellklage: Google soll AMP für Wettbewerbsvorteile eingeführt haben

Die Vorwürfe wiegen schwer. Google soll AMP dafür genutzt haben, um sein eigenes Werbenetzwerk gegenüber den Konkurrenzplattformen zu bevorzugen.

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(Bild: JHVEPhoto/Shutterstock.com)

Von
  • Vladimir Simović

Google soll sein Format AMP (Accelerated Mobile Pages) zur Webseiten-Beschleunigung nur eingeführt haben, um die Verleger dazu zu bewegen, letztlich mehr Geld im Google-internen Werbenetzwerk auszugeben. Das ist einer der Vorwürfe von zwölf US-Bundesstaaten, die kürzlich Klage gegen den US-Konzern eingereicht haben.

Die ungeschwärzt veröffentlichte Klage bezieht sich auch auf interne Dokumente von Google. Es steht die Anschuldigung im Raum, dass der Konzern sein Format AMP (Accelerated Mobile Pages) nur eingeführt hat, um die Verleger zur Verwendung eines Formates zu bewegen, damit diese dann mehr Geld im Google-internen Werbenetzwerk ausgeben.

Darüber hinaus wird Google sogar vorgeworfen, die Ladegeschwindigkeit von Webseiten, die AMP nicht nutzen, deutlich zu drosseln – in der Klageschrift ist die Rede von einer Sekunde Verzögerung – um AMP attraktiver aussehen zu lassen. Das ursprüngliche Versprechen von Google war, dass AMP die Leistung des mobilen Webs "dramatisch verbessern" würde.

Die Drosselung von Nicht-AMP-Werbeanzeigen, so die Vorwürfe, würden das Header Bidding verlangsamen. Diesen Umstand würde Google dann nutzen, um diese Technik weiterhin schlechtzureden. Unter Header Bidding versteht man die Technik, die es Publishern ermöglicht, die Anzeigen auf mehreren Marktplätzen beziehungsweise Plattformen gleichzeitig anzubieten. Damit ist Header Bidding der Gegenentwurf zum klassischen Wasserfall-Modell von Google.

Bei dem Wasserfall-Modell, manche nennen es auch Daisy-Chaining, werden Werbeeinblendungen priorisiert und von oben nach unten weitergegeben, bis sie verkauft sind. Je weiter man im Wasserfall nach unten sinkt, umso geringer sind auch die Preise.

Die neuesten Vorwürfe scheinen die Menschen aus der Tech- und der SEO-Szene zu bestätigen, die von Anfang an vor den möglichen negativen Auswirkungen von AMP gewarnt haben. Nicht nur in den entsprechenden Tech-Blogs und der SEO-Szene auf Twitter werden die Anschuldigungen thematisiert, sondern auch in Medien wie dem Wall Street Journal.

Allerdings handelt es sich bei der AMP-Thematik nur um einen Teilaspekt. Im Zuge der Klage sind weitere Details an die Öffentlichkeit gelangt, etwa dass Google europäische E-Privacy-Regeln erfolgreich verzögert haben soll. Google selbst hat zu diesen Vorwürfen noch keine Stellungnahme abgegeben.

(mack)