Kein Bremsstaub, weniger Reifenabrieb: DLR zeigt "umweltfreundlichstes Auto"

Auch wenn ein Auto keine Abgase ausstößt, kann es die Umwelt belasten. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt bietet dafür eine Lösung an.

Lesezeit: 3 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 72 Beiträge

Das "Nullemisionsauto" auf der Teststrecke.

(Bild: DLR)

Ein Elektroauto stößt zwar keine Abgase aus, wirklich umweltfreundlich ist es aber bisher immer noch nicht. Es bleiben noch Feinstaub und Mikroplastik, die durch Abrieb an Reifen und Bremsen entstehen. Diesem Problem widmet sich das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Zusammen mit dem Automobilunternehmen HWA hat es ein Straßenfahrzeug entwickelt und nach eigenen Angaben erfolgreich getestet, das eine fast vollständig emissionsfreie Mobilität ermögliche.

Das DLR bezeichnet den Prototyp Zero Emission Drive Unit Generation 1, kurz ZEDU-1, als das "im Betrieb umweltfreundlichste Straßenfahrzeug der Welt". Möglich wird das einmal durch ein neues Bremssystem. Das Auto hat keine klassische Scheiben-, sondern eine Lamellenbremse, die sich nicht direkt am Rad befindet, sondern in die geschlossene Elektromotor-Getriebe-Einheit integriert ist. Die Lamellen befinden sich in einem Ölbad. Der Abrieb landet im Öl, das laufend durch einen Filter gepumpt und gereinigt wird.

Außerdem hat das DLR eine Elektronik entwickelt, durch die die Bremsenergie nahezu vollständig zurückgewonnenen – also rekuperiert – werden könne, wie es in einer DLR-Mitteilung heißt. Dadurch konnten die Bremsenkomponenten verkleinert und die Antriebseinheit kompakt gebaut werden. Nebenher hat das DLR für den ZEDU-1-Prototyp eine Induktionsbremse entwickelt. Sie nutzt die Kraft von Magnetfeldern, um eine Bremswirkung zu erzeugen, und funktioniere fast verschleißfrei.

Für das Problem des Reifenabriebs hat sich das DLR einen geschlossenen Radkasten ausgedacht, der das Rad "umhaust". Er ist aerodynamisch so ausgelegt, dass während der Fahrt ein Unterdruck entsteht und sich der Reifenabrieb an einer Stelle in der Frontpartie sammelt. Dort saugt eine Lüftereinheit die Partikel und schickt sie durch ein Filtersystem. Die gereinigte Luft tritt aus dem Fahrzeug aus, ähnlich wie es ein Staubsauger macht.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

Mit Ihrer Zustimmmung wird hier eine externe Umfrage (Opinary GmbH) geladen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen (Opinary GmbH) übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Das DLR hat das Fahrzeug im vergangenen Sommer auf dem Gelände des Prüfzentrums Boxberg und auf einem Prüfstand getestet. "Wir haben dazu unterschiedliche Fahrprofile und Fahrzyklen nachgefahren. Dazu gehörte auch der sogenannte WLTC", erklärt Projektleiter Franz Philipps. Die Abkürzung steht für "Worldwide harmonized Light vehicles Test Cycles", ein von internationalen Fachleuten entwickeltes Messverfahren, um Emissionen zu bestimmen. "Zudem haben wir auch spezielle Bremsmanöver durchgeführt und dabei ebenfalls Emissionsmessungen gemacht", erklärt Philipps.

Zero Emission Drive Unit Generation 1 – ZEDU-1 (6 Bilder)

Am 28. September 2022 wurde der ZEDU-1 enthüllt.
(Bild: DLR)

Bei den Tests habe sich gezeigt, dass Bremsabrieb komplett vermieden werden könne. Beim Reifenabrieb hätten die Messungen gezeigt, dass er bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h komplett vermieden und bei höheren Geschwindigkeiten um 70 bis 80 Prozent reduziert werden könne. Das DLR wolle die Technik nun mit der Industrie weiterentwickeln, um sie in Serie zu bringen.

Die nächste Gelegenheit, den ZEDU-1-Prototyp öffentlich zu sehen, ist das Finale der ADAC GT Masters in Hockenheim vom 21. bis 23. Oktober 2022.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

Mit Ihrer Zustimmmung wird hier ein externes YouTube-Video (Google Ireland Limited) geladen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen (Google Ireland Limited) übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

(anw)