Kein Thunderbolt 4, keine neue Webcam, keine eGPU: Was den ARM-Macs fehlt

Apples erste M1-Maschinen beeindrucken mit CPU-Leistung und Akkulaufzeit. Doch in manchen Hardwarebereichen spart Apple bei den Mac-Rechnern mit ARM-Prozessoren

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Apple M1

Der M1 ist Apples erstes speziell für Macs gedachtes ARM-SoC.

(Bild: Apple)

Von
  • Ben Schwan

Bei Apples gestriger Keynote wurde viel von den Neuerungen der ersten drei ARM-Maschinen gesprochen. Der M1-Chip, den Apple erstmals in MacBook Air, MacBook Pro mit 13 Zoll und Mac mini einsetzt, soll so unter anderem die beste Akkulaufzeit aller Macs bieten und jeden vergleichbaren PC in Sachen Leistung schlagen. Allerdings führt Apples Designwahl, die sich komplett an den alten Intel-Varianten der drei neuen Maschinen orientiert, auch zu Kompromissen. Die bemerkt man, wenn man sich die Spezifikationen näher ansieht.

ARM-Macs: Apples Umstieg auf eigene Prozessoren

Man könnte auch sagen, Apple spart an den Specs. So nutzt Apple sowohl im neuen MacBook Air als im neuen MacBook Pro die alte (und extrem angestaubte) 720p-Webcam, während im iPhone 11 beispielsweise längst als Frontkamera ein 12 Megapixel-Sensor mit 4K-Fähigkeit verwendet wird. Immerhin, verspricht Apple, verbessert sich die Qualität der Bildverarbeitung, denn man verwende einen brandneuen Image Signal Processor im Mac.

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Laut Apple liefert der eine "Reduzierung von Bildrauschen, größeren Dynamikumfang, verbesserten automatischen Weißabgleich und Gesichtserkennung mit maschinellem Lernen". So sähen die Nutzer "bestens aus bei Videoanrufen". Ob das stimmt, müssen erst Tests zeigen; klar ist jedoch, dass der mickrige Sensor massive Einschränkungen hat – und Platz für eine bessere Webcam allemal da gewesen wäre.

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Weiterhin in den M1-Macs nicht enthalten ist die neue Thunderbolt-4-Verbindungstechnik – obwohl die von vielen Beobachtern erwartet worden war. Stattdessen setzt Apple weiterhin auf Thunderbolt 3 wie in den aktuellen Intel-Macs. Bezeichnet werden diese als "Thunderbolt / USB 4". Sie packen bis zu 40 Gb/s im Thunderbolt-3-Modus oder bis zu 10 Gb/s im USB-3.1-Gen-2-Modus. DisplayPort und natürlich auch Aufladen der Maschine werden über die Ports unterstützt. Von diesen gibt es in allen M1-Maschinen jeweils nur zwei. Das gilt auch für das MacBook Pro mit 13-Zoll-Bildschirm. Das kann durchaus knapp werden. Beim Mac mini sind zusätzlich zwei traditionelle USB-A-Ports vorhanden. Es ist möglich, dass der Konzern noch an der Umsetzung von Thunderbolt 4 arbeitet, die zunächst wie üblich stark an Intel-Hardware hängt. Immerhin nett: Alle Macs haben noch einen 3,5-mm-Klinkenanschluss für Audio.

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Künftig nicht mehr möglich ist die Verwendung von eGPUs für Spiele oder grafikintensive Anwendungen. Deren Unterstützung wurde kommentarlos gestrichen, wie ebenfalls aus den Specs hervorgeht. Nur bei den Intel-Maschinen wird die von Apple vertriebene Blackmagic eGPU als kompatibles Zubehör geführt. Eine entsprechende Bestätigung kam kurz darauf von Apple selbst. Wer volle Grafikpower braucht, sollte außerdem auf die Variante des Rechners achten, die er kauft. Die günstigste Variante des MacBook Air mit 256 GByte SSD hat nämlich nur sieben statt acht Grafikkerne – einen schaltet Apple hier offensichtlich im SoC ab.

Komplett vergessen kann man bei den neuen ARM-Macs die Upgrade-Fähigkeit. Weder RAM noch SSD sind tauschbar; sie dürften verlötet beziehungsweise Teil des SoC sein und sind wohl auch mit der Hauptplatine über die Secure Enclave "verheiratet". Entsprechend sollte man erwägen, gleich die 16 GByte-Varianten mit ausreichend großer SSD zu erwerben. GPU und CPU teilen sich zudem den Speicher, die GPUs kommen ohne eigenen RAM aus.

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Beim MacBook Pro sind die Upgrade-Möglichkeiten im Vergleich zur Intel-Variante zudem eingeschränkt. Intel-Maschinen erlauben bis zu 32 GByte RAM beziehungsweise 4 TByte SSD. Beim M1-Modell sind es nur 16 GByte RAM beziehungsweise 2 TByte SSD. Apple ordnet die Maschinen in seiner Produktmatrix dort ein, wo zuvor die Einsteiger-MacBook-Pro-Modelle mit Intel-Chip zu finden waren, die Intel-Varianten verkauft der Konzern weiter.

(bsc)