Keine Glasfaser von Liberty Global, Hellofiber in Konkurs

Der ISP Liberty Global scheitert bei seiner Rückkehr nach Deutschland. Der Konzern schickt seine deutsche FTTH-Tochter in die Insolvenz.

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Kabelrollen stehen neben einem offenen Schacht - das Foto ist aber rot durchgestrichen

Die Verlegungsarbeiten werden abberaumt.

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

Hellofiber ist in Konkurs. Damit bekommt eine Reihe kleiner deutscher Gemeinden bis auf weiteres doch keine Glasfaser-Anschlüsse, aus der Rückkehr Liberty Globals nach Deutschland wird nichts. Hellofiber ist eine Tochterfirma von Liberty Networks Germany, das wiederum ein 2021 gegründetes Joint Venture von Liberty Global und dem InfraVia Capital Partners ist. Bis 2019 war Liberty Global Eigentümer des Kabelnetzes Unitymedia, das damals an Vodafone verkauft wurde.

Das 50:50-Joint-Venture wollte es behutsam angehen und neue Glasfaser-Anschlüsse (Fibre to the Home, FTTH) zunächst in einer "kleinen Zahl an Kommunen" in Deutschland verlegen, in denen es bislang weder Glasfaser- noch Kabelanschlüsse gibt. InfraVia hat dafür nach eigenen Angaben hunderte Millionen Euro bereitgestellt. Robert Dunn, ein Investmentmanager bei Liberty Global, hoffte zu Beginn im Herbst 2021 auf "attraktive Renditen aus neuen Glasfasernetzen in einem Land, in dem Millionen Haushalte noch keinen Zugang zu schnellem und verlässlichen Breitbandanschlüssen haben."

Doch zwei Tage vor Weihnachten haben die Hellofiber-Mitarbeiter ihre Kündigungen erhalten, wie Broadband TV News berichtet. Ein Insolvenzverwalter ist bereits bestellt, finanzielle Details und die Zahl betroffener Mitarbeiter sind aber noch nicht bekannt. Hellofiber-Chef Christian Böing machte die Inflation, gestiegene Zinssätze und Schwierigkeiten bei der Erschließung externer Geldquellen für den Konkurs verantwortlich. Der Rückzug sei bei der "letzten Möglichkeit" beschlossen worden – im laufenden Monat hätten die ersten Haushalte in Grafenberg in Baden-Württemberg angeschlossen werden sollen.

Noch Mitte November hat Hellofiber auf Facebook den alsbaldigen FTTH-Ausbau in Althütte und Berglen ebenfalls in Baden-Württemberg angekündigt. Weitere Gemeinden in Vorbereitung waren in Baden-Württemberg Beuren, Erkenbrechtsweiler, Großbettlingen, Kohlberg, Neuffen und Rudersberg, in Bayern Feldafing und Tutzing, sowie in Sachsen Burkhardstdorf und Thalheim. Aus all diesen Plänen wird nun nichts. Das ist eine herbe Enttäuschung für die Gemeinden und deren Bürger, Betriebe und Behörden.

Auch eine Beginn 2021 gemachte Ankündigung für ein Projekt im brandenburgischen Petershagen/Eggersdorf kam nicht zustande. Immerhin versucht sich dort jetzt der Anbieter Dns:net. Libertys zwischenzeitliches Versprechen, in der Anfangsphase unabhängig von der Menge der örtlichen Bestellungen zu investieren, musste das Unternehmen ebenfalls zurücknehmen. Das Unternehmen verlangte dann, dass mindestens 35 Prozent der Haushalte in einem Ausbaugebiet einen Vertrag abschließen, bevor es Bauarbeiten beschließt.

Bieten wollte Hellofiber Flatrate-Anschlüsse mit 300 Mbit/s, 500 Mbit/s und 1 Gigabit/s Downloadbandbreite und jeweils der halben Uploadbandbreite zu Preisen von 40, 50 beziehungsweise 75 Euro monatlich, in den ersten zwölf Monaten aber jeweils nur 25 Euro pro Monat. Symmetrische Bandbreite sollte 10 Euro monatlichen Aufpreis kosten. Die Webseiten für Hellofiber sowie Liberty Networks Germany sind am Abend des Donnerstag offline gegangen.

(ds)