Kernfusion: Großbritannien sucht Standort für Fusionsreaktor

Großbritannien will im Wettlauf um das erste Fusionskraftwerk als Erster ans Ziel kommen. Nun können sich erst einmal Kommunen um den Standort bewerben.

Lesezeit: 1 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 398 Beiträge

STEP im Computermodell.

(Bild: step.ukaea.uk)

Von
  • Andreas Wilkens

Großbritannien will das erste Land werden, das Fusionsenergie kommerziell einsetzt, bis 2040 soll dort ein Kernfusionsreaktor entstehen. Nun können sich britische Gemeinden darum bewerben, Standort für das Spherical Tokamak for Energy Production (STEP) genannte Projekt zu werden.

Die Gemeinden können ihre Bewerbungen bis Ende März 2021 abgeben, heißt es in der Ausschreibung. Bevorzugt werden Kommunen mit der richtigen Mischung aus sozialen, kommerziellen und technischen Bedingungen; dazu gehören ein Netzanschluss und Wasserversorgung sowie ein geeigneter Untergrund.

STEP könne zu einem weltweiten Drehkreuz für Fusionsenergie und die Industrie drumherum werden, glaubt die britische Regierung. Durch den Bau und Betrieb der geplanten Tokamak-Anlage und der lokalen Lieferkette würden tausende hochqualifizierter Arbeitsplätze rund um ein neues Wissenschafts- und Technologiezentrum geschaffen.

In Großbritannien wird schon seit einiger Zeit erwogen, einen eigenen Fusionsreaktor zu konstruieren und zu bauen. Er stünde in Konkurrenz zum Projekt ITER, einem von der EU, den USA, Japan, China, Russland, Indien und Südkorea finanzierten Tokamak-Kernfusionsreaktor, dessen Montage im vergangenen Sommer begann. Der britische Premierminister Boris Johnson hat vor Kurzem in einem 10-Punkte-Plan das Vorhaben eines neuartigen Kraftwerks konkretisiert und schon einmal 222 Millionen Pfund (243 Millionen Euro) für erste Arbeiten bereitgestellt, die bis 2024 abgeschlossen sein sollen.

ITER: Der Kernfusionsreaktor in Frankreich (83 Bilder)

Bauarbeiten auf dem ITER-Gelände (Bild: © ITER Organization, http://www.iter.org/)

In einem Tokamak-Reaktor werden starke Magnetfelder eingesetzt, um das heiße Plasma von Fusionsbrennstoffen in einem Behälter zu begrenzen und zu steuern. STEP soll nicht in Form eines Donut gebaut werden wie andere derartige Projekte, sondern kugelförmig. Dadurch soll der Reaktor kleiner ausfallen als etwa ITER.

Siehe dazu auch

(Bild: Bob Mumgaard/Plasma Science and Fusion Center)

(anw)