Kernfusion: Japan will bis 2050 Reaktorprototyp bauen

Die japanische Regierung plant laut Nikkei, im eigenen Land den Prototyp eines Kernfusionsreaktors aufzubauen.

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Plasmagefäß, Magnetspule und Außenhülle des geplanten Fusionsexperiments Wendelstein in Greifswald.

(Bild: BMBF)

Von
  • Andreas Wilkens

Die japanische Regierung will bis zur Mitte dieses Jahrjunderts den Prototyp eines Kernfusionsreaktors fertiggestellt haben. Zunächst soll bis Sommer dieses Jahres eine Forschungs- und Entwicklungsstrategie ausgearbeitet werden, berichtet die japanische Finanznachrichtenagentur Nikkei.

Zunächst wolle die Regierung ein Expertengremium einrichten, das eine Strategie entwickeln soll. An dem Projekt soll der private Sektor einschließlich Investoren, kleiner Unternehmen und Start-ups umfassend beteiligt werden. Auf die Weise wolle Japan die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Industrie auf diesem Sektor sichern.

Der japanische Premierminister Fumio Kishida hatte laut Nikkei den Punkt Kernfusion bereits in einer Pressekonferenz zum Thema saubere Energiegewinnung vorige Woche in einer Pressekonferenz angerissen.

Japan ist neben EU, China, den USA, Russland, Südkorea und Indien an dem Kernfusionsprojekt ITER bei Cadarache in Südfrankreich beteiligt, an dem seit 2010 gebaut wird. Aus Japan sollen 9 der 19 Ringfeldspulenmagnete für ITER und alle Gehäuse für diese Magnete kommen. Das erste Ringfeldwicklungspaket wurde 2017 von Mitsubishi Heavy Industries fertiggestellt, ein zweites wird von Keihin gebaut.

In Südfrankreich soll erkundet werden, ob sich die Kernfusion für die Energiegewinnung eignet. Die dort gewonnenen Erkenntnisse sollen in Japan für den Bau eines eigenen Fusionsreaktors genutzt werden.

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Japan will bis zum Jahr 2050 kohlendioxidneutral werden, dabei soll Atomkraft helfen und möglicherweise in Zukunft auch die Kernfusion. Nach dem Erdbeben und Tsunami am 11. März 2011, als sich in Fukushima Daiichi drei Kernschmelzen ereigneten, waren sämtliche 50 japanische Reaktoren vom Netz genommen worden. Im Sommer 2015 kehrte die japanische Regierung wieder zur Energiegewinnung durch Atomkernspaltung zurück, bisher gingen neun Atomkraftwerke, die vor gut zehn Jahren abgeschaltet wurden, wieder ans Netz.

China, das ebenfalls an ITER beteiligt ist, hatte kürzlich gemeldet, in seinem Kernfusionsprojekt Experimental Advanced Superconducting Tokamak (EAST) in Hefei über 17 Minuten lang eine Plasmatemperatur von 70 Millionen °C erreicht zu haben. Für Kernfusionsreaktoren wird kalkuliert, dass dauerhaft eine Temperatur von 150 Millionen °C aufrechterhalten werden müsste.

(anw)