Killerroboter: US Air Force will Kampfjets durch Skyborg-Drohnen ersetzen

Das autonome KI-Waffensystem Skyborg soll eine Mischung zwischen einem unbemannten Flugobjekt und einer Cruise Missile werden und 2023 einsatzbereit sein.

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So könnte ein Skyborg nach Vorstellung des AFRL aussehen.

(Bild: AFRL)

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Die US Air Force arbeitet an einem Update für den Luftkrieg. Die Hauptrolle soll dabei das autonome Waffensystem Skyborg spielen, dessen erste betriebsfähige Versionen schon 2023 verfügbar sein könnten. So wie sich der Begriff aus den Worten für Himmel oder auch das aus "Terminator" bekannte Skynet und Cyborg zusammensetzt, beschreibt die Streitkrafteinheit die vorgesehene Technik als einen Zwitter aus einer bewaffneten, speziell gefertigten Drohne und einer massenhaft einsetzbaren Cruise Missile.

Mittelfristig soll die Skyborg-Familie laut US-Medienberichten Angriffsdrohnen wie die MQ-9 Reaper, Kampfjets wie den F16 oder auch Langstreckenbomber wie den sich ebenfalls noch in Entwicklung befindlichen Northrop Grumman B-21 ersetzen. Laut Aviation Week wird die Plattform auch einen Testfall für einen radikalen Wechsel in der Beschaffungsphilosophie der US Air Force bilden.

Ökosysteme, die aus kooperierenden Software-Programmierern und Flugzeugherstellern bestehen, sollen den traditionellen Ansatz mit einem einzigen Hauptauftragnehmer und einer von diesem bestimmten Lieferkette verdrängen. Die Flexibilität, die modulare Anlage und die Ausbaufähigkeit der Technik könnte Strategen zufolge helfen, die Kosten für schlagkräftigere Waffen deutlich zu senken.

Das Air Force Research Laboratory (AFRL), das die Federführung bei dem Projekt hat, beschreibt Skyborg wolkig als "eine auf Autonomie ausgerichtete Fähigkeit". Diese werde die Air Force in die Lage versetzen, "kostengünstige, teamfähige Flugzeuge zu betreiben und zu unterhalten, die in umkämpften Umgebungen Gegner mit schnellen, entschlossenen Aktionen ausbremsen können".

Das AFRL will nach eigenen Angaben einen offenen Prototyp einer Reihe autonomer und unbemannter Systemtechnologien entwickeln, die verschiedene Luftwaffenmissionen unterstützen können. Der Großteil der Initiative werde softwarebasiert sein und mit den Sensoren an Bord eines als "Host" dienenden Flugobjekts integriert.

Militärpiloten sollen über Skyborg wichtige Informationen über ihre Umgebung erhalten, wenn in Teams zusammengeschlossene Drohnen selbständig potenzielle Luft- und Bodenbedrohungen erkennen, die Nähe zu diesen ermitteln, die unmittelbare Gefahr analysieren und geeignete Optionen für den Angriff auf oder das Ausweichen vor feindlichen Flugzeugen identifizieren.

"Durch integrierte komplexe Algorithmen und hochmoderne Sensoren" könne das System "Entscheidungen auf Basis der von den bemannten Kollegen festgelegten Einsatzregeln treffen, heißt es bei dem militärischen Forschungslabor weiter. "Feldtests werden die Genauigkeit der Algorithmen sicherstellen und verifizieren", dass Skyborg "kontinuierlich innerhalb der bei der Einsatzplanung festgelegten Einschränkungen arbeitet".

Das Vorhaben gilt auch als neue Schlüsselanwendung für Künstliche Intelligenz (KI) im Militärbereich, wo die Angst vor Killer-Robotern groß ist. Trotz des provokanten Namens bemüht das AFRL aber das Mantra, dass auch bei Skyborg immer ein Mensch für tödliche Entscheidungen verantwortlich sei. Es gehe darum, Piloten aus Fleisch und Blut mit Schlüsseldaten zu versorgen, damit diese schnell und fundiert agieren könnten. So werde bei Kampfeinsätzen das Situationsbewusstsein und die Überlebensfähigkeit gestärkt.

Das Kernsystem für die autonome Mission soll die tief im militärisch-industriellen Komplex verankerte Softwareschmiede Leidos entwerfen, die als Science Applications International Corporation (SAIC) bekannt wurde. Die Grundkonstruktion wird laut dem Fachmagazin Popular Mechanics wahrscheinlich getarnt sein wie bei aktuellen Bombern. Lenk- oder Luftabwehrraketen dürften also in internen Waffenschächten verschwinden.

Unbemannte Flugobjekte wie Skyborg versprechen dem Bericht nach generell, Auseinandersetzungen in den Lüften agiler zu machen. Bemannte Flugzeuge seien immer größer, schwieriger zu entwickeln und teurer geworden. Drohnen bildeten das genaue Gegenteil. Sie hätten zudem den Vorteil, nicht auf Flugplätze zum Starten und Landen angewiesen zu sein, könnten an der Seite von Kampfjets fliegen und traditionell unbewaffnete Objekte wie das Aufklärungsflugzeug E-3 Sentry eskortieren.

Vermutlich werde die Air Force Skyborg als wiederverwendbare Waffengattung ansehen, meint Will Roper, der das Beschaffungs- und Logistikwesen der Air Force betreut. Er gehe davon aus, dass die Piloten je nach Mission entschieden, ob das unbemannte Flugsystem mit ihnen zurückkehre und an einem anderen Tag wieder in den Kampf geschickt werde oder ob es in einem einmaligen Einsatz für ein wichtiges Ziel sein "Leben" aushauche.

(olb)