Klimaerwärmung: Globale Methan-Emissionen auf Rekordhoch

Die Zuwachsraten der Methankonzentration in der Atmosphäre decken sich laut einer Studie mit Klimaszenarien, in denen sich die Erde deutlich erwärmt.

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(Bild: Lanski/Shutterstock.com)

Von
  • Stefan Krempl

Die globalen Methan-Emissionen sind in den vergangenen Jahren auf ein Rekordhoch gestiegen. Allein 2017 gelangten neun Prozent mehr Methan in die Atmosphäre als durchschnittlich in den Jahren des Vergleichszeitraums zwischen 2000 und 2006. Die jährlichen Zuwachsraten der Methankonzentration in der Luft stimmen mit dramatischen Klimaszenarien überein, in denen sich die Erde bis zum Ende des Jahrhunderts um drei bis vier Grad erwärmt.

Das geht aus der zweiten Auflage des Globalen Methan-Budgets hervor, die vor Kurzem als Hauptbericht zusammen mit gesonderten zusätzlichen Analysen veröffentlicht wurde. Laut dem Update für den vier Jahre alten Erstbericht des Projekts haben Regionen in tropischen Breiten wie Brasilien, Südasien und Südostasien den größten Anteil an den ansteigenden Methan-Emissionen, gefolgt von Regionen in nördlich-mittleren Bereichen wie den USA und China. Europa ist die einzige Region weltweit, in der die Ausstöße zurückgehen.

Die globale Zunahme des hochwirksamen Treibhausgases CH4 geht laut der Studie vor allem auf die Nutzung fossiler Brennstoffe zurück. Mit Abstand folgen Emissionen aus der Landwirtschaft und dem Abfallsektor. Die in jüngerer Zeit wegen der Brände in Sibirien diskutierten Methan-Abgaben aus auftauendem Permafrostboden haben dagegen noch kein sichtbares Signal gegenüber anderen Feuchtgebieten hinterlassen.

Methan gilt als Gas mit einem deutlich stärkeren Erwärmungseffekt auf das Klima als CO2. Emissionen stammen zum einen aus natürlichen Prozessen wie vulkanische Aktivitäten, Sümpfen oder Permafrostböden. Rund 60 Prozent gehen aber auf das Konto von Menschen. Zu diesen Quellen gehören etwa das Nutzen fossiler Energieträger und von Biomasse, Viehzucht und Reisanbau.

Das "Global Methane Budget" agiert unter dem Dach des Projekts "Global Carbon Budget", das jährlich die CO2-Emissionen ermittelt sowie mit seinen Einschätzungen auch für die Treibhausgase Methan und Lachgas (N2O) die globalen Entwicklungen der drei relevantesten Klima-Gase untersucht. Die Konzentration von Methan in der Atmosphäre ist von vorindustriell 694 ppb (Parts per Billion, "Teile pro Milliarde") auf 1875 ppb im vorigen Jahr angestiegen.

Nach fast einem Jahrzehnt mit stabilen Werten in der Atmosphäre seit Mitte der 1990er Jahre klettern diese seit 2007 wieder nach oben und nehmen seit 2014 noch einmal besonders stark zu; aktuell mit acht bis zwölf ppb pro Jahr. Die Ursachen für die Pause und die negative Folgeentwicklung geben Wissenschaftlern noch Rätsel auf. Der Weltklimarat IPPC geht mit seinem 1,5-Grad-Sonderbericht derweil davon aus, dass die Methan-Emissionen bis 2050 gegenüber 2010 um 35 Prozent geringer ausfallen müssen, wenn die Ziele des Pariser Abkommen erreichbar bleiben sollen.

In der aktuellen Berechnung seien einige Methanquellen wie etwa die natürlichen Feuchtgebiete aufgrund neuerer Daten deutlich um etwa 35 Millionen Tonnen pro Jahr nach unten revidiert, erläutert der Potsdamer Atmosphärenphysiker Torsten Sachs. Andere Bereiche wie Süßwasser-Ökosysteme hätten dagegen nach oben korrigiert werden müssen.

Da Methan mit nur etwa neun Jahren eine sehr viel geringere Verweilzeit in der Atmosphäre habe als CO2, könnten weniger Emissionen "relativ schnell einen Effekt erzielen", weiß Sachs. Weniger optimistisch stimme ihn, dass die US-Regierung zuletzt viele Auflagen wieder abgeschafft habe, die etwa "das Abfackeln oder Entgasen von Methan in der Öl- und Gasindustrie begrenzt haben und generell Leckagen in der Infrastruktur minimieren sollten".

Die Entwicklung hin zu leicht rückläufigen Methan-Emissionen in Europa sei gut, aber erfasse nicht ganz die globalen Beiträge der dort lebenden Bevölkerung, gibt André Butz vom Institut für Umweltphysik der Universität Heidelberg zu bedenken. Ausstöße, die etwa durch den Einkauf von fossilen Brennstoffen in Russland oder dem Mittleren Osten und Rindfleisch aus Südamerika verursacht werden, würden den Europäern nicht angerechnet. Auch dort gebe es "noch viel Potenzial", direkte CH4-Emissionen etwa bei der Kohle-, Gas- und Ölförderung in Osteuropa zu mindern.

(vbr)