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Klimakiller Foodporn?

Der deutsche Digitalminister Volker Wissing nimmt Essensfotografie als Beispiel für das ressourcenhungrige Internet.

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Volker Wissing im November 2020.

(Bild: Instagram)

Von
  • Andreas Wilkens

Volker Wissing, der auch fürs Digitale zuständige Verkehrsminister, hat einen wichtigen Aspekt in die Welt gesetzt: Menschen machen digitale Dinge, aber sich kaum darüber Gedanken, welche Folgen das für die Umwelt oder den Energieverbrauch hat.

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Das Internet ist voll von heißen IT-News und abgestandenem Pr0n. Dazwischen finden sich auch immer wieder Perlen, die zu schade sind für /dev/null.

Okay, der Gedanke ist nicht neu, sondern alt. Beispielsweise hieß es vor zwölf Jahren aus dem Umweltbundesamt, private Anwender würden etwa zum Teil des Problems des Energieverbrauchs durch das Internet, wenn sie sich online treiben lassen und ohne eigentliches Ziel mal hier, mal da klicken. Jede einzelne Googlesuche ist ein Teil eines Sargnagels für unser Klima.

Auf dem Treffen der G7-Digitalminister schnappte Wissing aber nun diese Woche einen Aspekt auf und gab ihn in einer Pressekonferenz wieder (ab 24:30), dessen sich so mancher Internetnutzer vielleicht jetzt gerade erst bewusst wird, während er sich eine Pizzaecke in den Mundwinkel schiebt: Ist es wirklich notwendig, Essen zu fotografieren und ins Internet zu stellen?

Lassen wir den Whataboutism beiseite, ob es notwendig ist, ohne Tempolimit energetisch ungünstig über deutsche Autobahnen zu brausen – woran Wissing gerne festhält –, dann könnte die Antwort "ja" heißen. Allein aus der schieren Masse an fotografiertem Essen in den sozialen Netzwerken ließe sich nämlich eine gewisse Notwendigkeit schließen.

Das könnte ebenso gelten für den massenhaft verbreiteten Cat Content, nur mit dem Unterschied, dass dieser im Vergleich zu #food oder #foodporn nicht buchstäblich Geschmackssache ist – sofern die Katzen nicht verspeist werden. So mancher hat sich denn auch schon gefragt, ob es ohne diese Art Inhalte – einschließlich Pornografie – das Internet überhaupt in seiner heutigen Form gäbe.

Wissing hat seinen Aspekt natürlich nicht ohne Zusammenhang präsentiert, und der ist ein ernster und ehrenhafter. Ihm sowie seinen G7-Kolleginnen und -Kollegen geht es unter anderem darum, Digitalisierung dafür zu nutzen, um durch mehr Wissen und Präzision Klimaschutz zu erreichen. "Und gleichzeitig müssen wir dafür sorgen, dass der Ressourcenverbrauch durch Digitalisierung von Anfang an nachhaltig gedacht wird." Ein Anfang könnte sein, das Essen einfach nur noch zu essen – aber natürlich nicht irgendwelches Essen.

(anw)