Klimaschutz: EU plant Umweltsiegel für die Luftfahrt

Künftig soll die Ökobilanz von Flügen per Energieampel sichtbar sein. Neben dem CO₂ zählen dann auch Stickoxide, Lärm und die Lebensdauer der Flugzeuge.

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(Bild: Peshkova/Shutterstock.com)

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  • Silke Hahn

Ähnlich wie bei Haushaltsgeräten und Lampen plant die EU offenbar, die Energiebilanz der Luftfahrt mit einem Ampelsystem zu versehen. Die europäische Flugsicherheitsbehörde EASA koordiniert die Entwicklung eines Umweltkennzeichens, das Passagieren künftig die Umwelteinflüsse des Fliegens sichtbar machen soll.

Die Kennzeichnung soll die Energiebilanz von Airlines und ihren Flugangeboten mit nachvollziehbaren Kriterien vergleichbar machen. Dabei geht es nicht nur um den CO2-Ausstoß: Faktoren wie Lärm, Stickoxide, Abfall und die Betriebsdauer sowie Instandhaltung der Flugzeuge soll der neue Energieausweis bei der Bewertung berücksichtigen. Mit klaren Vorgaben und einer deutlichen Klassifizierung soll das neue Öko-Label gegen sogenanntes "Greenwashing" helfen und die Fluggesellschaften zu umweltfreundlichem Fortschritt drängen.

Offenbar soll die Kennzeichnung in drei Kategorien geteilt sein: Die Flugzeugklassen Regionalflieger, größere Maschinen mit Mittelgang und Großraumflieger werden laut Welt am Sonntag separat bewertet. Die Sonntagszeitung hatte als Erste davon berichtet, ihrer Redaktion liegen nach eigenen Angaben entsprechende Unterlagen der EU-Kommission vor. Offenbar soll die Kennzeichnung sich auch auf die künftigen Flugtaxis erstrecken.

Positiv wirke sich dem Bericht zufolge der Einsatz von Biotreibstoff aus, außerdem eine hohe Recyclingquote, Reparaturen und eine geringe Abfallmenge. Durch technologische Entwicklungen beim Treibstoff sei künftig sogar klimaneutrales Fliegen vorstellbar, ist die Position von Branchenverbänden zum Thema. Dabei peilen Branchenvertreter laut Bericht offenbar erst die zweite Hälfte des 21. Jahrhunderts an und verweisen auf in Entwicklung befindliche Wasserstofftechnologien, die Kerosin auf lange Sicht ersetzen könnten. Zurzeit werde dem Kerosin zunehmend nachhaltig gewonnener Treibstoff zugesetzt, langfristig sei emissionsfreies Fliegen in Reichweite.

Die neue Ökoklassifizierung ist Teil des Ende 2019 von der EU-Kommission beschlossenen "European Green Deal" mit dem Ziel, Europa bis 2050 klimaneutral zu machen. Klimaschützern war der Plan zu vage, stark von der Kohle abhängige Branchen (wie die deutsche Industrie) und Mitgliedsländer wie Polen, Ungarn und Tschechien sträubten sich aus Kostengründen dagegen. Insbesondere aber auch Deutschland steht bei den Emissionen nicht gut da. Große Unternehmen müssen bereits Nachhaltigkeitsberichte veröffentlichen.

Erdgas und Kernenergie zum Beispiel gelten nach Green-Deal-Kriterien nicht als "grün", da sie der Umwelt in anderen Bereichen schaden und bei radioaktivem Abfall keine sichere Endlagerung vorhanden ist. Im Finanzsektor feilt die EU an Instrumenten, um Investitionen in erneuerbare Energien stärker zu fördern. Klare Schwellenwerte und Kennzeichnungspflichten sollen in allen Bereichen der Infrastruktur nach und nach greifen.

(sih)