Klimawandel: Erstmaliges Erreichen der 1,5-Grad-Marke steht womöglich bevor

Die Menschheit will verhindern, dass sich die Erde um 1,5 Grad Celsius erwärmt. Mit 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit wird der Wert aber bald erstmals erreicht.

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(Bild: Eli Mordechai/Shutterstock.com)

Von
  • Martin Holland

Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Erdatmosphäre schon in einem der kommenden fünf Jahre im Mittel auf 1,5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Durchschnitt erwärmt, liegt bei 50:50. Das hat der meteorologische Dienst des Vereinigten Königreichs für die Weltwetterorganisation WMO ermittelt.

Der Wert sei keine zufällig festgelegte Zahl, warnen die Forscherinnen und Forscher. Es handle sich um einen Indikator dafür, ab wann die Folgen der Klimaerwärmung immer schädlicher werden – für Menschen und den ganzen Planeten. Sollte die mittlere Temperatur eines einzelnen Jahres tatsächlich die Marke von 1,5 Grad Celsius Erwärmung überschreiten, heiße das noch nicht, dass die im Pariser Abkommen festgelegte Grenze erreicht wurde, aber jener Punkt würde dann noch näher rücken.

Im Pariser Klimaabkommen hatten sich die Staaten der Welt selbst dazu verpflichtet, die menschengemachte globale Klimaerhitzung auf einen Wert unter 2 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Zielmarke sind aber eigentlich 1,5 Grad Celsius, denn schon das wäre mit teilweise katastrophalen Folgen verbunden. Aber obwohl sich die Erdatmosphäre diesen Werten mit großen Schritten nähert, ist nicht jedes Jahr automatisch etwas wärmer als das vorherige. Zuletzt hatte etwa das großräumige Wetterphänomen La Niña im Pazifik einen abkühlenden Effekt. Der darauffolgende El Niño dürfte das dagegen umkehren und wieder für Temperaturrekorde sorgen.

Genau davor warnt nun die WMO und nennt alarmierende Zahlen. So ist es nicht nur genauso wahrscheinlich, dass bis 2026 mindestens in einem Jahr bereits die 1,5 Grad Celsius Erwärmung erreicht werden, wie, dass dies nicht passiert. Die Gefahr, dass sogar das fünfjährige Mittel diesen Wert übersteigt, beträgt demnach nicht zu vernachlässigende zehn Prozent.

Die Wahrscheinlichkeit, dass eines der fünf Jahre von 2022 bis 2026 das absolut wärmste der Aufzeichnungen wird und 2016 vom Spitzenplatz verdrängt, beträgt demnach sogar 93 Prozent. Vor allem in der Arktis sollen sich die Temperaturen demnach weiter deutlich aufheizen. Dort hatte es erst vor wenigen Wochen extreme Temperaturrekorde gegeben.

"Solange wir weiter Treibhausgase ausstoßen, werden die Temperaturen weiter steigen", warnt WMO-Chef Petteri Taalas. Und damit einhergehend würden die Ozeane wärmer und saurer, Meereis und Gletscher würden weiter schmelzen, der Meeresspiegel weiter steigen und das Wetter immer extremer. "Verluste und Schäden, die mit dem Klimawandel zusammenhängen oder durch ihn verschlimmert werden, sind bereits eingetreten und einige davon wahrscheinlich in absehbarer Zukunft unumkehrbar", ergänzt Maxx Dilley von der WMO gegenüber Reuters. Die Warnungen erfolgen momentan während einer extremen Hitzewelle auf dem indischen Subkontinent, von der mehr als eine Milliarde Menschen betroffen sind. Ihr könnten Tausende Menschen zum Opfer fallen, warnt der Klimaforscher Robert Rohde.

(mho)