Klimawandel: Die Erde verlor seit 1994 mindestens 28 Billionen Tonnen Eis

Britische Wissenschaftler warnen davor, dass sich der Anstieg des Meeresspiegels durch Eisschmelze noch in diesem Jahrhundert ernsthaft auswirken werde.

Lesezeit: 1 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 114 Beiträge

Veränderung der Ausdehnung des Meereises und der Dicke der Eismasse seit den 1990er Jahren.

(Bild: University of Leeds)

Von
  • Andreas Wilkens

Das Eis der Erde schmilzt zunehmend. Forscher der britischen University of Leeds haben errechnet, dass der jährliche Eisverlust seit 1994 von 0,8 Billionen Tonnen auf 1,2 Billionen Tonnen im Jahr 2017 angestiegen ist. Insgesamt habe die Erde in dem Zeitraum 28 Billionen Tonnen (Teratonnen, Tt) verloren. Der Verlust an Eis auf den Landflächen der Erde habe dabei zu einem Anstieg des Meeresspiegels um ungefähr 35 mm beigetragen.

Anhand von Daten aus Satellitenbeobachtungen und Modellrechnungen kamen die britischen Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass seit 1994 rund 7,6 Tt des arktischen Meereises, 6,5 Tt Eisschelfe, 6,1 Tt Berggletscher, 3,8 Tt der grönländischen, 2,5 Tt der antarktischen Eisdecke und 0,9 Tt des antarktischen Meereises geschmolzen sind. Es gebe kaum Zweifel daran, dass die überwiegende Mehrheit des Eisverlustes der Erde eine direkte Folge der Klimaerwärmung ist, heißt es in dem Übersichtsartikel "Earth's ice imbalance". 68 Prozent des Eisverlustes ergab sich aus der Erwärmung der Atmosphäre, durch die die Masse der Eisdecke auf dem Festland und des Schelfeises abnahm, 32 Prozent durch Erwärmung der Ozeane.

Die größten Eismengen gingen durch schwimmendes Eis in den Polarregionen verloren. Dadurch ergibt sich ein erhöhtes Risiko eines Rückkopplungseffekts, denn weißes Eis reflektiert Sonnenstrahlung zurück in den Weltraum (Albedo-Effekt); wenn es verschwindet, wird dunkles Wasser sichtbar, das mehr Wärme absorbiert.

Thomas Slater, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Polarbeobachtung und Modellierung an der University of Leeds, warnte im britischen Guardian davor, dass die Folgen auf der ganzen Welt spürbar sein würden. Der Anstieg des Meeresspiegels werde in diesem Jahrhundert sehr ernste Auswirkungen auf die Küstengebiete haben.

(anw)