Klimawandel: Schäden durch Naturkatastrophen nahmen 2021 stark zu

In Geld beziffert verursachten Naturkatastrophen 2021 wesentlich mehr Schäden als 2020. Ein Rückversicherer sieht einen Zusammenhang mit dem Klimawandel.

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Größere Naturkatastrophen auf der Welt 2021. Die Flutkatastrophe im Juli in Westdeutschland war die teuerste in Deutschland aller Zeiten.

(Bild: Munich Re)

Von
  • Andreas Wilkens

Naturkatastrophen verursachten 2021 weltweit wesentlich höhere Verluste als in den beiden Vorjahren. Ernst Rauch, der beim Rückversicherer Munich Re für Klima- und Geowissenschaften zuständig ist, meint, die Katastrophenstatistik sei auffällig, weil einige der extremen Wetterereignisse infolge des Klimawandels wahrscheinlich häufiger auftreten oder schwerer würden. Dazu gehören schwere Stürme in den USA, auch im Winterhalbjahr, oder starker Regen mit Überschwemmungen in Europa.

Insgesamt verursachten Stürme, Überschwemmungen, Waldbrände und Erdbeben 2021 laut vorläufigen Zahlen der Munich Re Gesamtverluste von 280 Milliarden US-Dollar, von denen etwa 120 Milliarden US-Dollar versichert waren.

Die Gesamtverluste aus Naturkatastrophen waren voriges Jahr die bisher vierthöchsten, das Rekordjahr war 2011 mit 355 Milliarden US-Dollar; 2020 beliefen sich die Verluste aus Naturkatastrophen auf 210 Milliarden US-Dollar. Fast 10.000 Menschen kamen 2021 bei Naturkatastrophen ums Leben. Die Todesrate ist mit jener der vergangenen Jahre vergleichbar.

Die teuerste Naturkatastrophe des Jahres 2021 war der Hurrikan Ida, der am 29. August 90 Kilometer südlich von New Orleans mit Windgeschwindigkeiten von etwa 240 km/h gelandet war. Er verursachte Gesamtverluste von 65 Milliarden US-Dollar, davon waren 36 Milliarden US-Dollar versichert.

In Europa, insbesondere in Westdeutschland, lösten im Juli 2021 sintflutartige Regenfälle außergewöhnlich schwere Überschwemmungen aus. In den betroffenen Regionen waren die Niederschläge, die durch das Niederdrucksystem "Bernd" verursacht wurden, die höchsten seit über hundert Jahren. Mehr als 220 Menschen wurden getötet. Die Gesamtverluste beliefen sich auf 54 Milliarden US-Dollar, von denen 40 Milliarden US-Dollar in Deutschland lagen. Es ist die bisher teuerste Naturkatastrophe in Deutschland und Europa.

Laut Munich-Res Chefklimawissenschaftler Rauch ist bei Hurrikans davon auszugehen, dass der Anteil schwerer Stürme und Stürme mit extremen Niederschlägen aufgrund des Klimawandels zunehmen werde. Auch wenn Ereignisse nicht automatisch dem Klimawandel zugeschrieben werden könnten, liefere die Analyse der Veränderungen über Jahrzehnte plausible Hinweise auf einen Zusammenhang mit der Erwärmung der Atmosphäre und der Ozeane.

Im August 2021 konstatierten Forschende, der starke Dauerregen und die folgenden Überschwemmungen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz vom 12. bis 15. Juli seien eine Folge des Klimawandels. Durch die höhere weltweite Durchschnittstemperatur habe sich die Wahrscheinlichkeit solcher Ereignisse erhöht.

(anw)