Klimawandel "beispiellos": Globale Temperaturkurve für 24.000 Jahre erstellt

Eine durch Kombination zweier Methoden erstellte Temperaturkurve bis zurück zur letzten Eiszeit bestätigt, dass der Klimawandel "beispiellos" ist.

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(Bild: Mykola Mazuryk/Shutterstock.com)

Von
  • Martin Holland

Das globale Klima war in den vergangenen 24.000 Jahren zu keiner Zeit so warm wie heute, der aktuelle Anstieg ist tatsächlich in dem gesamten Zeitraum beispiellos. Das ist das Ergebnis einer neuen Analyse, die das berühmte Hockeyschläger-Diagramm deutlich in die Vergangenheit ausdehnt. Während die Geowissenschaftler:innen dabei aber vor allem bestehende Annahmen bestätigen, kommen sie dank einer Einbeziehung geografischer Unterschiede zu dem Ergebnis, dass es eine teilweise angenommene leichte Abkühlung in den vergangenen Jahrtausenden nicht gegeben hat. Stattdessen habe es seit fast 10.000 einen stetigen Erwärmungstrend gegeben. Die jüngste Beschleunigung ist aber ungleich massiver.

Eine alte und die neue Temperaturkurve (in blau)

(Bild: Osman et.al)

Wie die Gruppe um Matthew Osman von der Universität Arizona nun erläutert, sind die jüngsten Temperaturkurven, die bis zur letzten Eiszeit zurückreichen, mehrere Jahre alt. In verschiedenen Ausführungen zeigen sie vor allem am Ende den berühmten "Hockeyschläger", also eine lange relativ gerade Linie mit einem starken Ausschlag nach oben als Abschluss. Je nach Methode gab es davor eine leichte Abkühlung oder eine leichte Erwärmung im Anschluss an die rasche Temperaturzunahme nach der Eiszeit. Ihre neue Kurve reicht nun 24.000 Jahre zurück und besteht aus Datenpunkten alle 200 Jahren. Auf die Abkühlung in der jüngsten Eiszeit folgten demnach starke Temperaturanstiege und schließlich eine Abflachung vor 10.000 Jahren. Am Ende geht es dann rasant nach oben.

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Für diese Bestätigung des beispiellosen menschengemachten Klimawandels haben die Forscher und Forscherinnen demnach zwei Methoden kombiniert. Aus Unterwassersedimenten haben sie vergangene Temperaturen an verschiedensten Orten auf der Erde rekonstruiert. Das sei genauso wenig perfekt wie der Rückgriff auf Klimamodelle, gestehen sie ein. Erst die Kombination beider Methoden habe die Stärken beider ausspielen können. Dadurch habe man regionale Unterschiede in der Vergangenheit ausmachen können. Darauf basierende Weltkarten zeigen, dass sich das Klima bereits in den vergangenen Jahrzehntausenden regional unterschiedlich schnell erwärmt. Außerdem habe man bestätigen können, dass Treibhausgase und der Rückgang der Eisschilde diese Erwärmung vorantreiben.

Erst durch den Intervallwechsel am Ende wird die aktuelle Klimaerwärmung und ihr Ausmaß sichtbar.

(Bild: Osman et.al)

Ihre Arbeit, die nun im US-Wissenschaftsmagazin Nature erschienen ist, beende eine Debatte darüber, ob es nach der letzten Eiszeit zwischenzeitlich wärmer gewesen ist als heute, gibt sich das Team überzeugt. Zu diesem Ergebnis war eine andere Forschungsgruppe bereits Anfang des Jahres gekommen, damals über eine andere Methode. Zusammen würden beide Arbeiten wenig Raum für Zweifel an der Annahme lassen, dass das Holozän bis vor wenige Hundert Jahre eine Periode der langsamen Erderwärmung war, erklärte Samantha Bova von der San Diego State University nun ArsTechnica. Von ihr und ihren Kolleg:innen stammt die andere Arbeit.

(mho)