Kodak steigt mit US-Staatshilfe ins Pharmageschäft ein: Aktie steigt um 1500 %

Vom einstigen Kameragiganten Kodak ist nicht mehr viel geblieben: Nun will der Konzern mit 765 Millionen US-Dollar vom Staat ins Pharmageschäft einsteigen.

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(Bild: Kodak)

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Der US-Konzern Kodak ist immer noch als ehemaliger Gigant der Kamerageschichte bekannt, aber zuletzt hat sich das Unternehmen eher als Spezialist für immense Aktiensprünge ausgezeichnet. Nachdem Kodak Anfang 2018 der eigenen Aktie mit der Ankündigung einer eigenen Kryptowährung ein Plus von mehr 120 Prozent beschert hatte, gelang in dieser Woche nun ein Kursplus von inzwischen mehr als 1500 Prozent. Auslöser war eine Erklärung von US-Präsident Donald Trump, aus Kodak mit einem Darlehen von 765 Millionen US-Dollar ein Pharmaunternehmen zu machen.

Wie Kodak und die US-Regierung am Mittwoch erklärten, soll eine neue Unternehmenssparte namens Kodak Pharmaceuticals wichtige pharmazeutische Komponenten herstellen, die sonst mehrheitlich importiert werden müssen. Dazu sollen existierende Standorte in den US-Bundesstaaten New York und Minnesota mit dem staatlichen Geld rasch umgebaut werden. Danach soll das Unternehmen Stoffe produzieren, die für "nicht-biologische, nicht-antibakterielle generische Pharmazeutika" gebraucht werden. Die US-Regierung stellt dafür fast 800 Millionen US-Dollar zur Verfügung und nutzt den sogenannten Defense Production Act, laut dem Unternehmen zur Produktion wichtiger Güter verpflichtet werden können.

Kodak wurde durch den Schritt aus dem Nischendasein katapultiert, in dem das Unternehmen seit einer Insolvenz im Jahr 2012 – mit einer Ausnahme – weitgehend verharrte. Kodak war aus der Insolvenz als Spezialist für digitalen Druck hervorgegangen. Gegründet worden war das Unternehmen Ende des 19. Jahrhunderts und hatte mit dem Verkauf simpler Kameras für den Alltagsgebrauch begonnen. Kodak hatte sich dann auch der Produktion der nötigen Zusatzmaterialien gewidmet und so chemisches Know-how angesammelt. Über die Jahrzehnte war ein Gigant der Branche entstanden, der aber trotz eines frühen Einstiegs ins Geschäft mit Digitalfotos schließlich davon überrollt wurde.

Die Finanznachrichtenagentur Bloomberg erinnert nun daran, dass der Konzern schon einmal versucht hat, eigene Erfahrungen mit den Chemikalien aus dem Fotobereich für den Pharmamarkt zu nutzen. Ein 1988 für mehr als fünf Milliarden US-Dollar übernommenes US-Pharmaunternehmen wurde sechs Jahre später aber bei einem Verlust von 500 Millionen US-Dollar verkauft. Auch jetzt gibt es viel Skepsis, ob der neue Plan aufgeht – unter anderem weil Kodak bei der Herstellung von Hydroxychloroquin helfen soll, das Trump immer wieder anpreist. Experten halten das Malaria-Medikament für die Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie für ungeeignet oder sogar potenziell gefährlich.

(mho)