Komet Neowise auf Abschiedstournee - die letzte Chance für einen Blick

Komet Neowise kommt am Donnerstag der Erde am nächsten und zieht dann bald von dannen. Sternenfreunde, die noch einen Blick erhaschen wollen, müssen sich sputen

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(Bild: Markus Will)

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Der erst im März entdeckte Komet C/2020 F3, besser bekannt unter dem Namen Neowise (getauft nach dem Weltraumteleskop, das ihn entdeckte), zieht seit einigen Wochen über den Juli-Nachthimmel. Er kommt heute mit rund 100.000.000 Kilometern Entfernung (was in etwa zu 2/3 die Entfernung der Erde zur Sonne entspricht) der Erde am nächsten, nachdem er Anfang des Monats bereits den sonnennächsten Punkt passierte.

Neowise ist ein seltener Gast: Bahnberechnungen ergaben, dass der Schweifstern nur alle 5000 bis 7000 Jahre an der Erde vorbeizieht. Er zog somit das letzte Mal etwa zur Jungsteinzeit über das Firmament.

Kometen bestehen zum größten Teil aus Eis, Staub, lockerem Gestein, Kohlenstoffmonoxid, Ammoniak und Methan. Die Koma, die den Kometenkern umhüllt, und die beeindruckenden Gas- und Staubschweife bilden sich ab einer Annäherung von unter 2 AE (300.000.000 Kilometer) zur Sonne und werden durch die Sonnenwinde verursacht, die die Kometenoberfläche erhitzen und zum Ausgasen anregen. Daher weisen die Kometenschweife stets von der Sonne weg.

Komet Neowise über einer Wohnsiedlung nahe Hannover, aufgenommen am 13.07.

(Bild: Markus Will)

Neowise hat hierbei bereits eine Verwandlung durchgemacht: waren Anfangs Kern und Staubschweif noch deutlich zu sehen, besitzen sie mittlerweile nicht mehr die Leuchtkraft. Dafür schimmert der Kern jetzt grün.

Anfangs konnten Frühaufsteher Neowise kurz vorm Sonnenaufgang sehen; mittlerweile ist er direkt nach Sonnenuntergang erkennbar – wenn auch nicht mehr so deutlich präsent wie zum Anfang. Er wird noch ein paar Tage zu sehen sein, bevor er wieder vom Himmel verschwindet. Diejenigen, die noch einen Blick riskieren oder Erinnerungsfotos schießen wollen, müssen sich daher sputen – Neowise ist bereits auf Abschiedstour. Es wird vermutet, dass er spätestens Anfang August nicht mehr sichtbar sein wird.

Komet Neowise im Laufe der Tage (6 Bilder)

Den großen Wagen als Teil des Sternbilds "Ursa Major" erkennen Sie leicht am Nachthimmel. Um Neowise zu finden, folgen Sie der gestrichelten grünen Linie. Der Komet wandert in den kommenden Tagen in Richtung des Pfeils.

Den Standort suchen Sie am besten abseits der großen Städte. Aufgrund der immer stärker werdenden Lichtverschmutzung mit störenden Einflüssen durch Straßen- und Häuserbeleuchtung sind grüne Wiesen außerhalb aller Zivilisation oder ein Berg ideal. Die Voraussetzung ist ein freier Blick nach Norden: Komet Neowise ist ganz gut unterhalb des großen Wagens zu finden. Notfalls hilft das Handy mit einer Astronomie-App, die Augmented Reality beherrscht.

Da Neowise nicht mehr so eindeutig zu erkennen ist, hilft auch ein Feldstecher bei der Suche, oder Testbilder, wenn eine Kamera dabei ist. Am heutigen Donnerstagabend könnten laut der Wettervorhersage Regenwolken zumindest in Teilen Norddeutschlands einen Strich durch die Rechnung machen. Aber die nächsten Tage gibt es vielleicht noch eine Gelegenheit, bevor der Schweifstern für mindestens 5000 Jahre wieder verschwindet.

(mawi)