Kometeneis weicher als Milchschaum: ESA-Lander Philae liefert noch Erkenntnisse

Der ESA-Lander Philae ist seit sechs Jahren nicht mehr aktiv. Trotzdem hilft er Forschern immer noch bei der Erforschung seines Kometen.

Lesezeit: 1 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 46 Beiträge

Philaes Weg über den Kometen

(Bild: ESA/Rosetta/MPS for OSIRIS Team MPS/UPD/LAM/IAA/SSO/INTA/UPM/DASP/IDA)

Von
  • Martin Holland

Mehr als vier Jahre nach dem Ende der ESA-Mission Rosetta haben die Forscher nun herausgefunden, wo genau der mitgebrachte Lander Philae 2014 bei seinen Hüpfern auf der Oberfläche das zweite Mal aufsetzte. Daraus, wie die Sonde dabei den Boden zerkratzte, können sie nun noch besser ableiten, wie es in dem Kometen aussieht. Das freigelegte, viereinhalb Milliarden Jahre alte Eis ist demnach noch fluffiger als der Milchschaum auf einem Cappuccino, erklären Wissenschaftler vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Außerdem erinnere die Eisstelle auf den Bildern etwas an den Umriss eines Totenschädels, heißt es passend zu Halloween.

Die Sonde Rosetta der Europäischen Weltraumagentur ESA war 2004 gestartet und dann zehn Jahre zu ihrem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko unterwegs. Den umkreiste und erforschte sie ab 2014 und setzte außerdem Philae aus. Der Lander erreichte die Oberfläche, aber erst nach mehreren Hüpfern, weil der Mechanismus zum Festhalten nicht funktionierte. Liegen blieb Philae im Schatten und seine Energiereserven reichten für 60 Stunden, in denen jede Menge Messungen vorgenommen und Daten zur Erde geschickt wurden. Dann wurde er deaktiviert. Erst fast zwei Jahre später fanden die Forscher seinen Standort. Und nun wissen sie auch, wie genau er dahin gekommen war. Rosetta selbst verabschiedete sich 2016 und war ebenfalls auf dem Kometen gelandet. Seitdem gibt es keine neuen Daten von dem Kometen mehr, aber die alten ermöglichen immer noch Erkenntnisse.

Wie die Forscher nun im Wissenschaftsmagazin Nature erläutern, gelang ihnen der späte Fund anhand von Daten des Magnetometers ROMAP der Technischen Universität Braunschweig. Die davon gesammelten Daten hatten sich verändert, als eine Antenne während der zweiten Landung verbogen wurde. Die Forscher konnten daran abschätzen, wie lange die Sonde ins Eis eingedrungen war und außerdem die genaue Orientierung des Landers bestimmen. Demnach war Philae nach dem ersten Sprung fast zwei Minuten lang an der Oberfläche und kratzte diese dabei auf, bevor er in der sehr geringen Schwerkraft langsam weiter hüpfte. Mit diesen Daten konnten sie den Ort dieses Aufsetzens auf den Bildern der hochauflösenden OSIRIS-Kamera lokalisieren.

Insgesamt hat der Lander demnach auf einer Fläche von etwa dreieinhalb Quadratmetern das pure Wassereis freigekratzt, das unter der dunklen Oberfläche verborgen ist. Die während des Hüpfers gesammelten Daten verraten demnach auch, dass die Mischung dieses Eisstaubs außerordentlich weich ist.

Die mechanische Spannung, mit der das Material zusammengehalten wird, beträgt demnach lediglich 12 Pascal: "Das ist nicht viel mehr als nichts", meint Jean-Baptiste Vincent vom DLR. Der Felsen, den Philae touchiert hat, besteht zu drei Vierteln aus Hohlräumen und sei eher mit Styroporfelsen in einer Filmkulisse vergleichbar. Diese Erkenntnis sei auch für künftige Missionen zu Kometen wertvoll.

Suchbilder mit Philae (9 Bilder)

Unter den freigegebenen Bildern sind auch jene, die die OSIRIS-Kamera während der Landung Philaes gemacht hat und die den Lander zeigen. Hier ist das erste (Auflösung weiter hinten) – am besten im Zoom.
(Bild: ESA/Rosetta/MPS for OSIRIS Team MPS/UPD/LAM/IAA/SSO/INTA/UPM/DASP/IDA)

Kometenbilder der ESA-Raumsonde Rosetta (19 Bilder)

Ein – ziemlich majestätischer – Blick auf die Landezone.
(Bild: ESA/Rosetta/NAVCAM – CC BY-SA IGO 3.0/creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/igo/)

(mho)