Kompletter Programmcode der Corona-Warn-App veröffentlicht

Mitte Juni soll es so weit sein mit der Corona-Warn-App. Die Entwickler haben Transparenz versprochen und nun den vollständigen Quellcode veröffentlicht.

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(Bild: Shutterstock/Peshkova)

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Die Entwickler der Corona-Warn-App des Bundes haben den kompletten Programmcode der mit Spannung erwarteten Anwendung offengelegt. "Über Pfingsten haben wir alle restlichen, noch nicht veröffentlichten Quellcodes für die App auf der Entwickler-Plattform GitHub publiziert", erklärten Sprecher der Deutschen Telekom und der SAP SE. Damit seien alle Codes der vollständigen App für die Experten-Community einsehbar.

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Damit lösen die beiden Konzerne ihr Versprechen ein, die Tracing-App möglichst transparent zu entwickeln. In dem Open-Source-Projekt auf GitHub hätten sich bislang über 65.000 freiwillige Software-Experten die bereits veröffentlichten Quellcodes angesehen und eigene Vorschläge für Verbesserungen gemacht. "Dieses Engagement ist herausragend und das klare Zeugnis einer lebendigen Software-Engineering-Kultur in Deutschland", heißt es in der Erklärung.

[Update 08.06.2020 9:25]

Diese Aussage nahmen die Telekom- und SAP-Verantwortlichen mittlerweile zurück beziehungsweise relativierten sie stark, wie netzpolitik.org zusammenfasste. So erklärte der Telekom-Verantwortliche, er habe Zugriffe auf die Github-Seite des App-Source-Codes einfach mit Software-Entwicklern gleichgesetzt. Ein SAP-Verantwortlicher präzisierte, es habe mehr als 400.000 Views auf die Github-Repositories gegeben, mehr als 65.000 einzelne Besucher sowie 260 Issues-Meldungen und 285 Verbesserungsvorschläge.

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Mit der App sollen die Nutzer eine persönliche "Risikostufe für eine Infektion" ermitteln können. Dazu sendet die App anonymisierte Kurzzeit-Identifikationsnummern via Bluetooth aus, die von anderen App-Anwendern in der Nähe empfangen werden können. Wird ein Nutzer positiv auf Covid-19 getestet und dieser Status in der App erfasst, werden die anderen betroffenen Anwender darüber informiert werden, dass sie sich in der Vergangenheit in der Nähe einer infizierten Person aufgehalten haben.

Die Tracing-App wertet keine Geo-Daten aus und übermittelt keine Ortsinformationen. Die anonymisierten Daten der Kontakte werden nicht zentral gespeichert, sondern dezentral auf dem jeweiligen Smartphone. Nur die anonymisierte Liste wird zentral gespeichert und von den Smartphones regelmäßig abgerufen, um mögliche problematische Begegnungen zu identifizieren. Die erste Version der App soll zunächst auf Deutsch und Englisch verfügbar sein. Weitere Sprachen wie Türkisch sollen folgen.

Die App dient nicht nur dem Aufspüren von infektionsträchtigen Begegnungssituationen, sondern bietet auch die Möglichkeit, Testergebnisse digital zu übertragen. In der App können Anwender einen QR-Code scannen, den sie vom Arzt oder dem Labor erhalten, um dann das Resultat eines Corona-Tests in der Anwendung übermittelt zu bekommen und anzuzeigen. "Dieser Prozess wird vom Testergebnisserver gesteuert", erklärte SAP-Technologiechef Jürgen Müller in einem Beitrag auf Linkedin. Der Server erhält das Ergebnis vom Labor und liefert es an die App. Die neuesten Veröffentlichungen seien "wichtige Meilensteine" auf dem Weg zur ersten offiziellen App-Version, die Mitte Juni für iOS und Android über die entsprechenden Stores zum Download zur Verfügung stehen werde. Allgemein wird erwartet, dass die App damit zu Beginn der Urlaubszeit bereitstehen wird.

Die Tests zur Bedienung der App und der Benutzervalidierung hätten SAP und Telekom eng mit #GesundZusammen zusammengearbeitet, erklärte Müller. Hierbei handele es sich um eine Allianz europäischer Technologieunternehmen, die aktiv dazu beitragen möchte, Covid-19 mit digitalen Lösungen einzudämmen.

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Als "wunderbare Nachricht" hat der Vorsitzende des Bundestagsausschusses Digitale Agenda, Manuel Höferlin, die Veröffentlichung des kompletten Programmcodes der Corona-Warn-App bezeichnet. "Die Entwicklung zeigt: Gesundheitsschutz und Datenschutz sind gleichzeitig möglich", erklärte der FDP-Politiker in Berlin. "Ich bin sicher, dass durch den Open-Source-Ansatz mehr Vertrauen geschaffen werden kann als durch jede gesetzliche Regelung, wie sie gerade von Grünen und Linken gefordert wird." Wichtig sei nun, dass die App so schnell wie möglich zum Download bereitstehe.

(tiw)