Kontaktloses Bezahlen: Samsung Pay startet in Deutschland

Kaum war Samsung Pay in die Betaphase gegangen, zeigten sich Nutzer irritiert wegen Schufa-Einträgen. Zum Massenstart hat Samsung nochmal nachgebessert.

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(Bild: Samsung)

Von
  • Volker Briegleb

Samsung hat am Donnerstag seinen eigenen Bezahldienst in Deutschland eingeführt. Nach einer vierwöchigen Betaphase ist Samsung Pay ab sofort in Samsungs Galaxy Store und Googles Play Store verfügbar. Der Bezahldienst funktioniert auf zahlreichen jüngeren Galaxy-Smartphones, die der südkoreanische Hersteller ab 2018 auf den Markt gebracht hat, und lässt sich mit "nahezu jedem Bankkonto" verknüpfen.

Der Bezahlvorgang im Laden funktioniert so, wie man es von den Verfahren von Google oder Apple kennt. Unter der Haube unterscheidet sich Samsung Pay aber von den bekannten Wallet-Anwendungen, in denen man eine eigene Kreditkarte hinterlegen kann. Für Samsung Pay gibt Samsung eine eigene virtuelle Visa-Karte heraus, mit einem beliebigen deutschen Girokonto verknüpft werden kann. Eigene Karten können nicht genutzt werden. Bei der Aktivierung werden 5 Cent vom Konto eingezogen, die ein paar Tage später erstattet werden.

In Deutschland arbeitet Samsung dafür mit Visa und dem Berliner Fintech-Startup Solarisbank zusammen. Das Unternehmen hat eine deutsche Vollbanklizenz und beschäftigt mehr als 300 Mitarbeiter. Solarisbank bietet auf seiner Plattform "Banking as a Service" für Unternehmenskunden an, die zum Beispiel Konten oder Kreditkarten unter der eigenen Marke vermarkten wollen. Über APIs können die Kunden die modularen Produkte der Solarisbank direkt in ihr eigenes Angebot integrieren. Dabei bleiben die Daten des Endkunden bei Samsung, Solarisbank ist reiner Dienstleister.

Dank dieser Zusammenarbeit lässt sich Samsung Pay hierzulande ohne eigene Kreditkarte nutzen. Solarisbank stellt eine virtuelle Visa-Debitkarte aus, die mit fast jedem Girokonto mit einer deutschen IBAN verknüpft werden kann. Voraussetzung ist, dass der Nutzer volljährig sowie alleiniger Kontoinhaber ist und dass es sich nicht um ein Geschäfts- oder Sparkonto handelt. Das Konto muss für Online-Banking freigeschaltet sein und Zwei-Faktor-Authentifizierung unterstützen.

Bei der Verbindung mit einem Konto prüft Solarisbank die Identität und die Bonität des Kontoinhabers; ein Video-Ident-Verfahren zum Nachweis der Identität ist aber nicht nötig. Bei der Schufa wird geprüft, ob das Konto dort bekannt ist. Diese reine Abfrage hat laut Anbieter keinen Einfluss auf den Score oder die Bonität des Kunden und wird nach 12 Monaten wieder gelöscht. Je nach Ergebnis der Bonitätsprüfung räumt Solarisbank einen Verfügungsrahmen von bis zu 1000 Euro für die Karte ein, bei nicht ausreichender Bonität gibt es eine Prepaid-Debitkarte.

Beide Karten-Varianten gibt es je nach Bonität auch mit oder ohne zusätzlichen Verfügungsrahmen für Ratenzahlungen. Solarisbank und Samsung Pay nennen das "Splitpay". Dafür wird dem Nutzer je nach Bonität ein zusätzlicher Verfügungsrahmen bis 8000 Euro für Ratenzahlungen eingeräumt und bei der Schufa eingetragen. Beträge ab 100 Euro kann man dann in drei bis 24 Monatsraten begleichen. Welche Kartenvariante der Nutzer erhält, wird automatisch anhand der Bonitätsprüfung entschieden. Der Nutzer selbst hat keine Auswahlmöglichkeit.

Während der Betaphase der vergangenen vier Wochen wurde auch ein Schufa-Eintrag für die Ausstellung der Debit-Karte vorgenommen, das sei nun aber geändert worden, sagte ein Solarisbank-Sprecher gegenüber heise online. Bei der Schufa werde ab sofort nur noch der Splitpay-Verfügungsrahmen hinterlegt. Dies habe aber keine unmittelbaren Auswirkungen auf den Basisscore.

Die Einrichtung und der Schufa-Eintrag des Splitpay-Verfügungsrahmens erfolgt etwa 20 Tage nach Aktivierung der App, heißt es im FAQ von Samsung. Man kann Samsung Pay also erstmal ausprobieren und erhält keinen Schufa-Eintrag, wenn man rechtzeitig von seinem Widerrufsrecht Gebrauch macht, erklärt der Solarisbank-Sprecher.

Samsung Pay funktioniert mit den meisten Galaxy-Smartphones der S-, A-, Z- und Note-Serien seit 2018. Eine detaillierte Übersicht der kompatiblen Geräte listet der Hersteller auf seiner Website auf. Voraussetzung ist allerdings eine deutsche Firmware. Auf Smartphones mit einer Firmware aus anderen Ländern sowie gerooteten Handys wird das deutsche Samsung Pay nicht unterstützt. Samsung stellt in Aussicht, dass das kontaktlose Bezahlen im nächsten Jahr auch mit einer Smartwatch möglich sein soll.

(vbr)