Kopftuchzwang: Iran sperrt Instagram und Whatsapp, droht mit Internetsperre

Lautstarker Bürgerprotest ängstigt Irans Regime. Es sperrt den Zugriff auf Whatsapp sowie auf Instagram, das letzte dort noch verfügbare große Soziale Netzwerk.

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(Bild: Olivier Le Moal/Shutterstock.com)

Von
  • Daniel AJ Sokolov

Irans Hardliner spüren dieser Tage, wie schwach ihr Rückhalt in der Bevölkerung ist. Die Machthaber und ihre Handlanger reagieren mit Gewalt gegen Demonstranten und Zensur gegen alle. Seit Mittwoch sind Whatsapp und Instagram im Iran gesperrt.

Das berichtet die Organisation Netblocks, die Internetsperren aufdeckt. Instagram war das letzte große Soziale Netzwerk, das in dem Land noch funktioniert hat. Twitter und Facebook sind im Iran schon seit Jahren verboten.

Der Funken, der die aktuelle Protestwelle ausgelöst hat, ist der Tod einer jungen Frau in Gewahrsam der Sittenpolizei. Die 22jährige Mahsa Amini wurde am 13. September festgenommen, weil ihr Kopftuch verrutscht war. Nach Behördenangaben hat die junge Frau dann am 16. September einen tödlichen Herzanfall erlitten. Laut unabhängigen Berichten haben die Beamten den Kopf der Frau wiederholt gegen unbewegliche Einrichtungen blutig geschlagen.

Seither protestieren Iraner und Iranerinnen in zahlreichen Städten gegen die Unterdrückung im eigenen Land. Ein sensationelles Video zeigt, wie einige Frauen ihre Kopftücher öffentlich verbrennen. Eine zentrale Organisation oder Führung der Proteste scheint es nicht zu geben. Die Behörden reagieren hart, mehrere Demonstranten sind getötet worden.

Noch am Freitag, dem 16. September, registrierte Netblock teilweise Einschränkung des Internet im im Iran. Ein Drittel aller überprüften Verbindungen fehlte. Nutzer berichteten zudem über deutlich langsamere Dartenübertragung dort, wo sie noch funktionierte. Am Montag wurde das Internet laut Bericht in Sanandadsch, der Hauptstadt der kurdischen Provinz Kordestān, für mehrere Stunden komplett abgeschaltet. Die Regierung droht mit weiteren Internetsperren. 2019 hat das Regime Irans das Internet bei Unruhen wegen einer saftigen Spritpreiserhöhung eine ganze Woche blockiert.

Seit der Islamischen Revolution im Jahr 1979 gelten im Iran strenge Kleidungsvorschriften. Insbesondere in den Metropolen und reicheren Vierteln sehen viele Frauen die Regeln inzwischen eher locker – zum Ärger erzkonservativer Politiker. Die Regierung unter Präsident Ebrahim Raisi und Hardliner im Parlament versuchen seit Monaten, die islamischen Gesetze strenger umzusetzen. Die Sittenpolizei setzt die Kleidungsvorschriften auch mit Gewalt durch.

Bereits vor den aktuellen Protesten hat das Regime damit begonnen, automatische Gesichtserkennung auszurollen, um Frauen und Mädchen in den Hidschab zu zwingen. Kameras, insbesondere in öffentlichen Verkehrsmitteln, sollen dazu genutzt werden, jene auszuspähen, die sich erdreisten, ihren Hidschab nicht korrekt zu tragen.

(ds)