Kreativität gefragt: Apples schwierige Suche nach einem neuen Chefdesigner

Nach dem Weggang von Apples langjährigem Chefdesigner Jony Ive löst sich das frühere Team immer mehr auf. Jetzt sucht Apple eine neue, kreative Lösung.

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Das iPhone im Buch "Designed by Apple", das von Jony Ive während seiner aktiven Zeit bei Apple herausgebracht wurde.

(Bild: Apple)

Von
  • Malte Kirchner
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Die Suche nach einer Nachfolge für Apples amtierende Hardware-Design-Chefin gestaltet sich laut einem Medienbericht offenbar schwierig. Evans Hankey erklärte im Oktober nach nur drei Jahren ihren bevorstehenden Rückzug von der Position. Angeblich bereitet das hohe Maß an personeller Fluktuation dem Apple-Management nun zunehmend Kopfzerbrechen bei der Neuaufstellung der Abteilung. Nur noch wenige Personen kommen als langjährige Mitarbeiter für eine interne Nachfolgelösung infrage.

Die Situation in Apples Design-Studio ist laut dem Bericht der US-Finanznachrichtenagentur Bloomberg eng verbunden mit dem früheren Chief Design Officer Jony Ive. Schon mit seinem Rückzug in Teilzeit-Arbeit und erst recht seit seinem Weggang im Jahr 2019 hätten mindestens 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus seinem Team Apple verlassen. Die meisten hätten bei seiner neuen Firma LoveFrom in San Francisco angeheuert, die Designaufgaben für namhafte Kunden wie Airbnb und Ferrari erledigt.

Für Apple ist die Design-Abteilung von überragender Bedeutung. Beim wirtschaftlichen Erfolg von iPhone, iPad, Mac und Apple Watch spielten das Aussehen und die Bedienung der Produkte eine große Rolle. Ive, der eine enge Freundschaft zu Apple-Mitbegründer Steve Jobs pflegte, prägte mit einigen seiner Ideen über Apple hinaus das Aussehen von Technik. Jobs räumte Ive und seiner Abteilung umgekehrt sehr große Freiheiten ein, die laut Berichten wohl in anderen Firmen aus der Technologiebranche ihresgleichen suchen.

In den Jahren nach dem Tod von Jobs verließ Ive laut den Recherchen des US-Journalisten Tripp Mickle zunehmend die Freude an seiner Arbeit bei Apple. In dem Buch "After Steve" schildert er, dass sich Ive immer mehr aus dem operativen Geschäft zurückzog. Das Design der Apple Watch und des neuen Hauptquartiers Apple Park sorgten für ein kurzes Aufblühen Ives. Doch der neue zahlenorientierte Stil von CEO Tim Cook behagte dem gebürtigen Briten offenbar nicht. Bevor er Apple endgültig verließ, war er einige Zeit noch als Berater Apples tätig, wobei nicht klar war, wie groß sein Einfluss wirklich war. Ives Liebe zum schlichten, schnörkellosen Design war allerdings zuletzt auch unter Kunden immer mehr umstritten.

Mit Ives Weggang verlor das Design Department seine herausgehobene Position. Die für Ive neu geschaffene Stelle des Chief Design Officers wurde nicht nachbesetzt, die gesamte Abteilung dem Bereich Operations unterstellt, die mit Chief Operations Officer Jeff Williams einen Chef an der Spitze hat, der eine ähnliche Philosophie wie Cook haben soll. Damit spielten Kosten und Effizienz eine größere Rolle, während Aussehen und Funktionen teilweise in den Hintergrund gerückt seien.

Mit Evans Hankey habe man nach dem Weggang Ives eine langjährige Mitarbeiterin Ives mit der Führung betraut, in der Hoffnung, dass diese für Kontinuität sorgt. Zwar habe Apple zwischenzeitlich neue Designer eingestellt, die zuvor bei Alphabet und Molekule arbeiteten. Deren frühe Beförderung halte man aber nicht für vermittelbar. Auch eine Berufung von Alan Dye, der für das Software-Design verantwortlich zeichnet, würde in der Hardware-Design-Sparte wohl nicht auf Gegenliebe stoßen.

Laut dem Bloomberg-Bericht könnte Richard Howarth für den Posten infrage kommen. Er war zwischenzeitlich schon mal kurze Zeit Leiter des Teams und gehöre Apple bereits seit 26 Jahren an. Es ist aber unklar, ob er die Spitzenposition überhaupt möchte und eine weitere schnelle Fluktuation wäre fatal.

Weitere Optionen wären die Rückholung eines früheren Mitarbeiters oder eine externe Lösung, wobei dies laut dem Bericht in Kreisen des Design-Teams als "Tod des Teams" betrachtet wird.

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(mki)