Krise der Kryptowährungen sorgt für günstigere GeForce-/Radeon-Grafikkarten

Die Inflation ist da und alles wird teurer – außer Spielergrafikkarten. Deren Preise sind circa 50 Prozent gefallen und immer noch zu hoch. Ein Überblick.

Lesezeit: 6 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 277 Beiträge
!!!Kann man die Grafikkarten aus diesem Bild freistellen und auf einen schicken Spiele-Screenshot montieren?Den würde ich dann nachliefern!!!
Von
  • Carsten Spille
Inhaltsverzeichnis

Seit mindestens anderthalb Jahren spielen die Preise für Spielergrafikkarten verrückt. In dieser Zeit erschienene Baureihen wie Nvidias GeForce RTX 3000 und AMDs Radeon RX 6000 trugen schon ab Werk stolze Preisschilder bis weit über 1000 Euro hinaus. Doch nicht einmal dafür konnte man die Karten immer kaufen. Der Boom von Kryptowährungen wie Ethereum führte zu einer gigantischen Nachfrage nach den rechen- und speicherstarken Beschleunigern, die dann zum Krypto-Mining genutzt wurden. Scalper kauften ganze Bestände auf, um sie mit horrendem Aufschlag auf Gebrauchtplattformen wie eBay anzubieten.

Mehr von c't Magazin Mehr von c't Magazin

Inzwischen ist der Ethereum-Kurs auf rund ein Viertel des Höchststandes eingebrochen, auch der digitalen Leitwährung Bitcoin geht es nicht besser. Die Belohnungssysteme für Miner sind dadurch auf Grund gelaufen, weil sich das Schürfen selbst in Billigstromländern kaum noch lohnt. Die Regale der Händler sind jetzt voller neuer Grafikkarten und zugleich fluten ausrangierte Exemplare der Miner den Gebrauchtmarkt.

Und obwohl es nur zwei große Grafikchiphersteller gibt, funktioniert hier das Spiel von Angebot und Nachfrage. Seit Januar ist zum Beispiel der Preis der Gigabyte GeForce RTX 3070 Gaming OC 8G von rund 1200 auf 640 Euro und damit um knapp 50 Prozent gefallen. Prozentual ähnlich sieht es bei anderen Karten wie der 3080 Ti oder der 3060 aus. AMDs Radeon-Karten haben sich ebenfalls deutlich verbilligt. So kostet die günstigste Radeon RX 6900 XT inzwischen 45 Prozent weniger als zu Jahresbeginn und auch in den Segmenten darunter setzt sich dieser Trend fort. Die Einsteigerkarte Radeon RX 6500 XT, der wir in c’t 6/2022 noch attestierten, mit 265 bis 370 Euro viel zu teuer zu sein, gibt es nun ab 170 Euro.

Der Gebrauchtmarkt ist momentan zwar gut gefüllt, aber vornehmlich mit ausrangierten Karten aus Krypto-Mining-Farmen. Dabei kann es sich um ganz normale Grafikkarten mit nur wenigen Betriebsmonaten handeln, die zwar unter Dauerlast, dafür aber häufig mit komponentenschonend gesenkter Spannung (undervolted) betrieben wurden.

Andererseits können das auch vollkommen abgeranzte Karten sein, deren Lebensdauer sich dem Ende zuneigt, und die ohne Displayausgänge speziell fürs Mining entwickelt wurden, oder die nur ein Mining-BIOS haben, welches die Leistung in Spielen schmälert oder dort nicht stabil läuft. Diese vielen Unwägbarkeiten sind bei den ständig wechselnden Anbietern oft mit Versand aus Fernost kaum sicher auszuschließen. Deshalb raten wir von einem Gebrauchtkauf ab, wenn Sie nicht sicher wissen, dass Sie Ihr Geld zurückbekommen können, etwa bei einem seriösen Anbieter mit Sitz in der EU.

Wenn Sie jetzt darüber nachdenken, sich eine neue Grafikkarte für den Gaming-PC zu kaufen, hier eine kurze Zusammenfassung. Die aktuellen Modelle entstammen den Reihen Radeon RX 6000 und GeForce RTX 3000. In herkömmlicher Rastergrafik stehen die Radeon-Karten ihren GeForce-Pendants nicht nach, sind teils sogar merklich flotter. Sind Spiele mit Raytracing-Optik auf der Wunschliste, ziehen Nvidia-Karten (meist deutlich) davon.

Die Spitzenkarten RX 6900 XT/6950 XT sowie RTX 3080 Ti/3090/3090 Ti sind mit 950 bis über 1900 Euro vor allem eines: Immer noch viel zu teuer und vor allem für diejenigen geeignet, die nur das Beste vom Besten wollen. Sehr gute Leistungswerte auch beim Einsatz mit 4K-Monitoren erzielen die GeForce RTX 3080 (ab 850 Euro) und die Radeon RX 6800 XT (ab 760 Euro), wobei die Radeon mehr Speicher für hohe Auflösungen parat hält. Darunter schlägt sich sich die RX 6800 (650 Euro) mit der RTX 3070 Ti (700 Euro), die RX 6750 XT (580 Euro) wird von der RTX 3070 (600 Euro) und der RX 6700 XT (500 Euro) in die Zange genommen. Mit diesen Karten sind flüssige Spiele bis in 2560 × 1440 Pixeln möglich.

Preisbewusste Käufer suchen eher in der Klasse zwischen 300 und 400 Euro, in der auch die Karten mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis zu finden sind. Die RTX 3060 bringt mit 12 GByte für die 400-Euro-Klasse reichlich Speicher und gute Raytracing-Leistung mit, muss sich bei der Performance in herkömmlichen Spielen mit Rastergrafik aber der Radeon RX 6600 XT für 400 Euro geschlagen geben. Für rund 300 Euro bietet die RX 6600 einen guten Einstieg in die aktuelle Welt der Spielergrafikkarten und ist schneller als die etwa gleichteure RTX 3050. Ihre Leistung reicht aber bei anspruchsvollen Spielen nur für Full-HD-Auflösung.

(Bild: Quelle: Geizhals.de)

Trotz des günstigen Preises raten wir nur absoluten Sparfüchsen zu RX 6500 XT und RX 6400 – nicht nur ist ihr PCIe-Interface sehr schmal und wird aufgrund des kleinen lokalen Speichers von 4 GByte häufiger beansprucht. Auch hat sich AMD dedizierte Video-Encoder gespart und die Decoder auf die älteren Codecs H.264 und H.265 (HEVC) beschränkt.

Viele Preise, insbesondere die der GeForce-Karten, befinden sich allerdings auch mehr als 18 Monate nach deren Marktstart noch immer über der unverbindlichen Preisempfehlung. Und zu allem Überfluss steht in diesem Jahr auch noch die neue Generation sowohl bei AMD als auch bei Nvidia an. Die für das vierte Quartal erwarteten Karten dürften insbesondere im High-End-Segment noch einmal deutlich an Performance drauflegen – Gerüchte sprechen von Faktor 2 bis 3 –, aber zugleich auch neue Rekordmarken bei den Preisen und der Leistungsaufnahme setzen (bis zu 800 Watt sind im Gespräch). Inwieweit sich das dämpfend auf das Preisgefüge auswirkt, lässt sich derzeit kaum absehen. 

c't Ausgabe 4/2023

(Bild: 

c't 4/2023

)

Photovoltaik bommt und Sie erreichen keinen Installateur? In der Ausgabe c't 4/2024 legen wir selbst Hand an und schrauben im Selbstversuch eine PV-Anlage auf das Dach. c't erklärt, welche Schritte man selbst ausführen kann und darf und ab wann der Fachbetrieb ran muss. Sie lernen die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen kennen und erfahren, wie die PV-Komponenten funktionieren. Außerdem haben wir einen Praxisleitfaden zur Verschlüsselung von Daten geschrieben, versuchen USB-Speicher mit integrierter Verschlüsselung aufzuknacken und haben effiziente Ryzen-7000-CPUs getestet. Das alles und noch viel mehr lesen Sie in c't 4/2023!

(csp)