Kryptogeld: Kurse sinken, Bitcoinhashrate fällt und China nimmt Miner vom Netz

Kein guter Wochenstart für die Kryptogeldwelt: Die Preise fallen und China geht zunehmend schärfer gegen die Miner im Land vor.

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(Bild: Morrowind/Shutterstock.com)

Von
  • Axel Kannenberg

Kryptowährungen wie Bitcoin stehen zu Wochenbeginn unter anhaltendem Druck. Nach Kursverlusten am Wochenende ging es am Montag weiter bergab. Ein Grund dafür könnte der zunehmend harte Kurs Chinas gegenüber den Kryptogeldschürfern im Land sein. Zudem verwiesen Beobachter auf die allgemein angeschlagene Stimmung an den Finanzmärkten.

Der Bitcoin als marktstärkste Digitalwährung fiel am Montag um rund acht Prozent bis auf zwischenzeitlich etwas über 32.000 US-Dollar. Das zweitgrößte Kryptogeld Ether verlor noch deutlicher an Wert und sank unter die Marke von 2000 Dollar. Auch andere Digitalwerte wie Ripple oder Dogecoin gaben kräftig nach.

China geht offenbar immer rigoroser gegen die Mining-Branche und ihre Rechenzentren vor. Schon in der vergangenen Woche hatte es nahezu täglich Meldungen aus einzelnen Regionen gegeben, die gegen Mining Front machten. Wie hoch der Anteil Chinas an der weltweiten Mining-Leistung ist, beziehungsweise früher war, lässt sich wegen der dezentralen Natur des Bitcoinnetzwerks nicht genau beziffern. Frühere Schätzungen, die sicher nicht mehr den aktuellen Stand wiedergeben, gingen von rund zwei Dritteln aus.

Die chinesische Zeitung Global Times, die als Sprachrohr der kommunistischen Partei gilt, berichtet, dass die Behörden erwarten, kurzfristig rund 90 Prozent der Minerkapazität des Landes vom Netz zu nehmen. Die Mining-Aktivitäten konzentrierten sich vor allem in den Provinzen Xinjiang, Innere Mongolei, Yunnan und Sichuan, die laut Bericht allesamt Regelungen erlassen haben, die Schürferei einzudämmen. Auch Stimmen in den sozialen Medien zeugten vom Druck auf die Miner.

Zugleich scheint auch ein großer Exodus der Mining-Betreiber einzusetzen – weg aus China, hin zum Beispiel in das Nachbarland Kasachstan oder in die USA. Hier hat sich Berichten nach unter anderem der US-Bundesstaat Texas mit kryptofreundlicher Politik unter Gouverneur Greg Abbott hervorgetan. Aber auch der kleine lateinamerikanische Staat El Salvador, der erst kürzlich Bitcoin zum offiziellen Zahlungsmittel erhoben hat, will Schürfer mit billigem Strom aus Geothermie anlocken.

An der Miningleistung lässt sich recht gut ablesen, wie die Branche derzeit unter Druck steht. Die gesammelte Hashingpower fiel laut Zahlen von Blockchain.com seit Mitte Mai um rund 30 Prozent und erreichte ein Acht-Monats-Tief. Große chinesische Miningpools wie Ant-Pool und Huobi verzeichneten deutliche Einbrüche der gepoolten Leistung.

Dahinter muss aber nicht nur die harte Regulierung in China stecken. Ebenfalls sorgen gesunkene Kurse auch dafür, dass die Miner-Belohnung für einen neuen Block weniger wert ist. Wenn dann die Kalkulation nicht mehr stimmt, ziehen Schürfer auch anderswo auf der Welt der Stecker. Finanzieller Druck auf die Miner ist auch kein gutes Vorzeichen für den Kurs von Proof-of-Work-Währungen wie dem Bitcoin. Denn wer unter finanziellem Druck steht, wirft die erschürften Coins vielleicht schneller auf den Markt, als dieser sie aufnehmen kann.

Von ihren Rekordständen haben sich die großen Kryptowährungen in den vergangenen Wochen jedenfalls deutlich entfernt: Der Bitcoin war Mitte April bis auf fast 65.000 Dollar gestiegen, Ether hatte wenig später erstmals mehr als 4000 Dollar gekostet. Verglichen mit vergangenem Herbst stehen die Kurse jedoch immer noch deutlich höher.

(axk)