Kryptowährungs-Mixer Tornado Cash: Entwickler bleibt weiter in Haft

Weitere 90 Tage Haft warten auf den im August in den Niederlanden verhafteten Entwickler des Mixers Tornado Cash. Ihm droht nun eine Klage wegen Geldwäsche.

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Ein riesiger Strudel aus Dollarscheinen

(Bild: Shutterstock)

Mindestens drei weitere Monate muss Alexej Pertsev in niederländischer Haft verbringen. Dem Mann wird vorgeworfen, am Kryptowährungsmixer Tornado Cash gearbeitet zu haben. Wegen Fluchtrisikos hat ein Gericht in 'S-Hertogenbosch gegen Freilassung auf Kaution entschieden. Die Staatsanwaltschaft kündigt an, Pertsev wegen Geldwäsche anzuklagen.

Das berichten die Fachdienste Coindesk und Cointelegraph. Am 8. August 2022 hat das im US-Finanzministerium angesiedelte Office of Foreign Assets Control (OFAC) Sanktionen gegen Tornado Cash ausgesprochen. Pertsev wurde wenige Tage danach festgenommen. Über den Dienst sollen seit Gründung im Jahr 2019 Kryptowährungszahlungen im Wert von mehr als sieben Milliarden US-Dollar abgewickelt worden sein.

Darin enthalten sind wohl auch über 455 Millionen US-Dollar, die von der Lazarus Group entwendet wurden. Das ist eine mutmaßlich von Nordkorea geförderte Hackergruppe, die seit 2019 von den USA sanktioniert wird. Das Analysehaus Elliptic schätzt, dass mindestens 1,5 Milliarden US-Dollar, die über den Dienst liefen, im illegalen Bereich zu verorten seien.

Das Vorgehen sowohl gegen Tornado Cash als auch gegen Alexey Pertsev hat vor allem in der Kryptoszene zu einem Aufschrei, öffentlichen Demonstrationen und Klagen gegen US-Behörden geführt. Unter anderem wird argumentiert, dass ein Entwickler nicht für das haften könne, was Dritte mit dem von ihm programmierten Dienst tun. Ebenfalls verweisen die Kritiker darauf, dass anonyme Zahlungen im pseudonymen Kryptowährungs-Netzwerk Ethereum auch durchaus legale Anwendung finden.

Mixingdienste sammeln im Prinzip Transaktionen der Mischwilligen in einem großen Pool und schicken von dort aus das Geld der Nutzer auf frische Adressen. Bei genug Beteiligten und geschickter Stückelung der Auszahlungen sind dann für Außenstehende die Geldflüsse nur schwer nachvollziehbar.

Tornado Cash operierte als sogenannte DAO (Decentralized Autonomous Organisation, die ihre Prozesse über Blockchaintechnik abwickelte. Statt Büros und zentraler Server gruppierte sich eine Community um den hauptsächlich über die Ethereum-Blockchain operierenden Dienst. Die Smart Contracts dahinter stammten wesentlich von Pertsev. Tokens dienten dabei als Stimmrechte für Community-Entscheidungen über die Zukunft des Dienstes.

Wie Coindesk schreibt, wollte die Staatsanwaltschaft nicht gelten lassen, dass es sich bei Tornado Cash um ein dezentrales Protokoll handele, bei dem die Entwickler nicht mehr die eigentliche Kontrolle ausüben. Tornado Cash sei im Wesentlichen von der Firma PepperSec geführt worden, für die Pertsev tätig war. Er und zwei Mitentwickler hätten derart viele Stimmtokens, dass sie alle anderen Community-Mitglieder überstimmen können.

Private Chats würden ferner belegen, dass Pertsev und seine Kollegen in Wirklichkeit die operativen Entscheidungen über das Protokoll getroffen haben. Außerdem zeigten die Chats, dass ihnen die Verstrickung des Dienstes in illegale Transaktionen bewusst gewesen sei.

Die Verteidigung zeigt sich laut Coindesk enttäuscht von der Entscheidung des Gerichts. Ob die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft vor der Kammer Bestand haben werden, wird sich zeigen. Für Pertsev gilt die Unschuldsvermutung.

(axk)