Künftig vier Jahre lang Android-Updates

Google und Qualcomm wollen die Treiberschicht unter dem Android-­Framework über vier Jahre stabil lassen. So fallen den Geräteherstellern die Updates leichter.

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(Bild: Benny Marty/Shutterstock.com)

Von
  • Jörg Wirtgen

Google und der Chiphersteller Qualcomm wollen es Smartphones und Tablets durch ein verbessertes Treibermodell einfacher machen, vier Jahre lang Android- und Sicherheitsupdates zu bekommen. Sie ändern dazu das Vendor Interface, die mit dem Project Treble eingeführte Schnittstelle zwischen der gerätespezifischen Vendor Implementation und dem Android-Framework. Der Gerätehersteller bleibt aber involviert, Updates kommen weiterhin nicht direkt von Google.

Das 2017 eingeführte Project Treble erleichtert den Geräteherstellern, Android-Updates für ihre Geräte bereitzustellen, weil sie den gerätespezifischen Teil unverändert lassen können. Das Android-Framework ist darauf vorbereitet, dass gewisse neue Funktionen in alten Vendor Implementations nicht vorhanden sind. Sollte jedoch ein neues Gerät direkt mit der aktuellen Android-Version auf den Markt kommen, musste dessen Vendor Implementation alle hinzugekommenen Funktionen unterstützen. SoC- und Gerätehersteller müssen also für jeden Chip pro Android-Version eine eigene Vendor Implementation pflegen und beispielsweise bei Treiber-Bugs um Sicherheitspatches ergänzen.

Die neue Vereinbarung zwischen Google und Qualcomm beendet diese Forderung an den Treiberkern. Die Spezifikationen für die SoCs sollen jetzt über vier Jahre stabil bleiben, sodass dieselbe Vendor Implementation eines SoC auch für Geräte genutzt werden kann, die direkt mit zukünftigen Android-Versionen auf den Markt kommen. Das verringert den Arbeitsaufwand sowohl beim Gerätehersteller als auch beim SoC-Hersteller.

(Bild: Google)

Ob das die eine oder andere Neuerung ausbremst, bleibt abzuwarten – die meisten hardwarenahen Verbesserungen dürften sich auch über bestehende APIs implementieren lassen. Zudem dürften viele Schnittstellen mittlerweile ausgereift sein; als Beispiel nennt Google das Camera HAL API, das inzwischen mehrere Rückkameras unterstützt.

Wer hofft, Android-Updates nun direkt von Google zu bekommen, wird enttäuscht: Die Firmware-Updates müssen weiterhin vom Gerätehersteller kommen. Google vereinfacht nur die Arbeit des SoC- und Geräteherstellers, entlässt letzteren aber nicht aus seiner Pflicht. Hat er keine Lust oder geht er pleite, stehen die Kunden weiterhin ohne Updates da. Auch für Custom-ROMs dürften wenige Vorteile entstehen, da die neuen Regeln kaum über die Vorteile hinausgehen, die Project Treble für die Maintainer sowieso schon bietet. Diese Abhängigkeit vom Gerätehersteller versucht Google durch ein andere Projekt zu verringern. Hierbei lagert Google immer mehr Dienste aus dem Betriebssystem aus in Komponenten, die unabhängig vom Gerätehersteller über den Play Store Updates bekommen – das wiederum schließt die Custom-ROMs ganz ohne Google-Dienste komplett von diesen Updates aus.

Laut Google sind alle Geräte, die mit Android 11 ausgeliefert werden, auf die neue Treiberschicht vorbereitet. Qualcomm nennt den Snapdragon 888 als erstes unterstütztes SoC. Von den anderen SoC-Herstellern Huawei, Mediatek und Samsung gibt es noch keine Information.

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