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Künstlerbedarf

Gimp

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Stalin baut Hochhäuser im Urwald – alles machbar mit Ebenentechnik und dem Farbauswahlwerkzeug von Gimp 2.6.

Das Open-Source-Programm Gimp bringt keine Retusche-Assistenten und Lernstudios mit, sondern präsentiert sich als Bildbearbeitung mit professionellem Anstrich. Die Bedienoberfläche verwirrt auf den ersten Blick. Immerhin gibt es seit Version 2.6 nur noch ein Menü über dem immer geöffneten Bildfenster – das doppelte Dateimenü fällt damit weg. Im Bildfenster kann man Fotos außerdem komfortabel per Drag & Drop abladen. Seit Version 2.6.1 bekommt Gimp nur noch einen einzigen Taskleisteneintrag. Von Haus aus öffnet Gimp keine Raw-Fotos, das Zusatzprogramm UFRaw klinkt sich aber in den Öffnen-Dialog ein und erlaubt einige Bildkorrekturen in 16 Bit. Ansonsten rechnet Gimp weiterhin mit 8 Bit pro Kanal, auch wenn mit der neuen Engine GEGL die Weichen für 32-Bit-HDR- Bearbeitung gestellt sind. Weiterhin kennt Gimp keine Einstellungsebenen und führt damit keine nichtdestruktiven Aktionen aus.

Gimp entwickelt sich: Die Zeiten, als man wild herumprobieren oder die Parameter der Filter und Effekte auswendig kennen musste, sind definitiv vorbei. Farben, Belichtung und Kontrast stellt man in Vollbildvorschau ein, Effekte anhand eines – leider arg klein geratenen – Bildausschnitts im Dialog. Um den Effekt dennoch halbwegs schnell in diversen Bildbereichen kontrollieren zu können, lässt sich ein Navigationspanel am Rand der Vorschau ausklappen. Einige Filter wie Scharf- und Weichzeichner, die bereits als GEGL-Werkzeug implementiert sind, bieten eine Vollbildvorschau. Trotz des strikten Kurses, den das Entwicklerteam mittlerweile fährt, wirkt Gimp noch nicht ganz homogen: Manches Detail wie die praktischen Optionenlisten beim Anlegen von Ebenen und Ebenenmasken ist ausgefeilt und überlegt, andererseits muss man sich etwa im Kanalmixerdialog mit einer bis zur Unbrauchbarkeit minimierten Vorschau herumquälen.

Gimps Zukunft liegt in GEGL: Einige Filter wie „Unscharf Maskieren“ oder „Gaußscher Weichzeichner“ zeigen sich dank GEGL in Vollbild-Vorschau.

Ein Manko ist die Geschwindigkeit: Selbst die Wirkung von Gradationskurven und Farbreglern, die andere Programme in Echtzeit hinbekommen, baute sich bei Gimp im Test mit einer 10-MPixel-Datei nur schleppend auf. Dafür haben die Entwickler die Stabilität spürbar verbessert. Während des Tests verzeichneten wir weder Abstürze noch Einfrieren. Mit Gimp lassen sich durchaus Motive freistellen, auch wenn das Lasso weniger gut arbeitet als bei PhotoLine und Photoshop Elements. Mit dem tauglichen Werkzeug „Vordergrund-Auswahl“ markiert man grob das Objekt und bessert mit dem Pinsel so lange nach, bis das Resultat gefällt. Ein Knopfdruck wandelt das Ergebnis in eine Ameisenstraße, die sich anschließend in eine Ebenenmaske übertragen lässt.

Die Effektpalette kennt neben der üblichen Gemäldeumsetzung auch die Variante Kubismus und sorgt damit für Abwechslung bei der Kreativität auf Knopfdruck. Rauschen oder Plasmawolken lassen sich sinnvoll in der täglichen Arbeit einsetzen, beispielsweise um Korn zu simulieren. Linsenreflexe und Blitze sorgen für den letzten Schliff. Interessante Fraktaleffekte zeigen, aus welchem Umfeld Gimp kommt. Sie finden sich bei anderen Bildbearbeitungen nicht. Einige Effektskripte aber auch viele Bildbearbeitungsfunktionen wie Gradationskurven verlangen dem Nutzer eine Menge Geduld ab. Zur schnellen und intuitiven Bearbeitung eignet sich Gimp nicht.