Kunst oder Unfug: Roboterhund Spot mit Paintball-Waffe im Livestream

Das New Yorker Kollektiv MSCHF ist für provokante Aktionen bekannt. Am Mittwochabend schickt es einen ferngesteuerten Spot mit Farbwaffe in den Livestream.

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(Bild: MSCHF)

Von
  • Silke Hahn

Das New Yorker Kollektiv MSCHF (lautmalerisch wohl für "mischief", deutsch Unfug) hat als jüngsten Streich einen Roboter der Firma Boston Dynamics mit einer Paintball-Gun ausstaffiert. Am heutigen Mittwoch um 19 Uhr (MEZ) soll der vierbeinige Spot per Livestream in Aktion treten. Seine ferngesteuerte Fahrt samt Farbklecksen werde MSCHF mit vier Kameras filmen und unter dem Titel "Spot's Rampage" (zu Deutsch etwa: Spots Amoklauf) ins Internet übertragen, teilte ein Kollektivmitglied dem Magazin TechCrunch mit.

Laut Ankündigung kann offenbar das Publikum den Roboter im Livestream per Smartphone fernsteuern, alle zwei Minuten erhalte ein anderer Teilnehmer per Zufallsgenerator die Kontrolle. Das Unternehmen hatte dem Bericht zufolge im Vorfeld eine API erstellt, um die Fernsteuerung des Roboters und der auf ihm montierten Spielzeugwaffe über den Browser zu ermöglichen. Dem Vernehmen nach ist die Herstellerfirma des vierbeinigen Roboters weniger begeistert von der Aktion, da Science-Fiction-Szenarien oder mögliche Attentate mit echten Waffen in den Sinn kommen.

MSCHF sei auf Boston Dynamics zugekommen, berichtete das Unternehmen dem Magazin. Man sei zunächst an Zusammenarbeit mit der kreativen Truppe interessiert gewesen und das Team habe versichert, dass beim Einsatz der Roboter keine Menschen zu Schaden kommen würden. Von der Idee eines spielerischen, interaktiven Robotereinsatzes sei man bei Boston Dynamics durchaus angetan gewesen.

Auf Twitter hat der Roboterhersteller sich mittlerweile von der geplanten Paintball-Aktion distanziert. Der Industrieroboter sei nur für einen Einsatz im Dienste der Allgemeinheit und im Einklang mit geltendem US-Recht gedacht, heißt es in der offiziellen Stellungnahme. Grundsätzlich unterstütze man "provokative Kunst, die einen sinnvollen Dialog über die Rolle von Technologie in unserem Alltag anstößt". Das von MSCHF geplante Spektakel hingegen stelle den Roboter Spot in ein schlechtes Licht. Da das Kollektiv offenbar vorhabe, gegen den Kaufvertrag zu verstoßen, könnte der Hersteller ihnen die Garantie auf das kostspielige Gerät entziehen, geht ebenfalls aus dem Tweet hervor.

Auch wenn der manipulierte Spot nur in einem geschlossenen Raum mit Farbe auf Leinwand schieße, sei bereits das Montieren einer harmlosen Waffe nicht harmlos, sondern symbolisiere Bedrohung. Das ist für den Hersteller offenbar nicht vereinbar mit dem Image, das dem elektronischen Vierbeiner anhaften soll. Andererseits ist fraglich, ob der Hersteller juristisch erfolgreich gegen das Kollektiv vorgehen kann, da der Einsatz mit aufmontierter (Spielzeug-)Waffe durch MSCHF sich in einer Grauzone bewegt.

Von der Gruppe MSCHF umfunktionierter Roboter "Spot" mit aufmontierter, ferngesteuerter Paintball-Waffe

(Bild: MSCHF)

Angaben von MSCHF auf der Event-Website zufolge sind die Jungunternehmer sich offenbar bewusst, dass sie mit ihrer Aktion gegen Auflagen des Herstellers verstoßen. Boston Dynamics habe ihnen weitere zwei Roboter gratis angeboten, wenn sie im Gegenzug auf die Paintball-Amokfahrt verzichten würden. Das Kollektiv fühlte sich nach eigenen Angaben davon umso mehr angestachelt, die Aktion durchzuziehen. Auf der Website droht es mit der öffentlichen Bloßstellung des Herstellers, sollte Boston Dynamics eine eventuell vorhandene "Backdoor" nutzen, um die Aktion zu verhindern. Über die einmalige Aktion hinausreichende Pläne habe man mit dem Roboter nicht, hat ein Mitglied des Kollektivs gegenüber TechCrunch geäußert.

In der Vergangenheit hatte das Kollektiv TechCrunch zufolge mit dem abgekupferten Amazon-Logo für Aufsehen gesorgt, als es weiße Nike-Sneaker zu "Jesus-Latschen" umwandelte oder Kisten verkaufte, die die Käufer nicht öffnen sollten. Die 1000 Jesus-Sneaker zum Stückpreis von umgerechnet rund 1200 Euro waren in kurzer Zeit ausverkauft.

(sih)