Kurz vorgestellt: FuryBSD 2020-Q3 – Schicker FreeBSD-Desktop mit OpenZFS

FuryBSD ist ein professionell für den Desktop vorkonfiguriertes FreeBSD, bei dem sich die Entwickler konsequent auf FreeBSD-Werkzeuge und -Software beschränken.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 6 Beiträge

(Bild: Screenshot)

Von
  • Michael Plura

BSDs (Berkeley Software Distribution) wie FreeBSD, OpenBSD, NetBSD und DragonflyBSD bieten als eigenständige Betriebssystem-Baukästen die Möglichkeit, sich das eigene Wunsch-(Desktop-)System anhand penibel gepflegter Dokumentationen selbst zusammenzubauen. Das bedeutet einerseits viel Freiheit, mitunter aber auch einen langen und holprigen Weg zu einem funktionierenden Desktop. Nicht nur für Einsteiger, sondern auch für langjährige FreeBSD-Anwender bietet FuryBSD, das seit einigen Tagen in der neuen Version 2020-Q3 vorliegt, eine attraktive "Abkürzung".

FuryBSD folgt dem Beispiel des mittlerweile eingestellten TrueOS, NomadBSD und vor allem GhostBSD: Die Systeme sind wie GNU/Linux-Distributionen nach den Vorstellungen der Entwickler als Desktop vorkonfiguriert und lassen sich so auch als Live-System ausprobieren.

Während GhostBSD und NomadBSD allerdings Änderungen an der Verwaltung von Software oder am Installer vornehmen, was zu Problemen führen kann, hält sich FuryBSD strikt an das native FreeBSD. Sicherheitspatches, Updates und sämtliche administrativen Werkzeuge und Vorgänge unterscheiden sich nicht von denen einer standardmäßigen FreeBSD-Installation.

Lesen Sie auch

FuryBSD 2020-Q3 basiert auf dem aktuellen FreeBSD 12.1-RELEASE-p9. Die neuesten Updates werden wie unter FreeBSD üblich per

freebsd-update fetch install
pkg update

installiert. Mit Xorg 1.20.8, das AMD- und Intel-Grafikkarten unterstützt, sowie einem nativen NVidia-Treiber sollte der Grafikmodus auf sämtlicher aktueller Hardware, aber auch älteren Systemen funktionieren. Dank VMSVGA-Support "out-of-the-box" läuft FuryBSD auch sofort in einer virtuellen Maschine unter VirtualBox.

Mit Xfce 4.14 steht ein klassischer Desktop zur Verfügung, der mit einigen Modifikationen recht hübsch und modern aussehend konfiguriert wurde. Als vorinstallierte Alternative gibt es KDE Plasma 5.19.2, wobei beide Systeme dankenswerter Weise nicht mit Anwendungen überladen sind. Vorinstalliert ist beispielsweise Firefox 79, den viele BSD-Anwender vermutlich schnell durch Chromium ersetzen werden.

Einmalig ist, dass der Entwickler das UnionFS-Dateisystem durch eine komprimierte OpenZFS-MemDisk ersetzt hat.

Im Unterschied zu GhostBSD und NomadBSD fühlt sich FuryBSD beim ersten Ausprobieren vollständig wie ein "normales" FreeBSD an: Wer beispielsweise auch FreeBSD-Server oder -Appliances verwaltet, muss nicht umdenken.

Da FuryBSD ein vergleichsweise junges Projekt ist, kann es – vor allem bei KDE Plasma – an manchen Stellen noch etwas "hakelig" laufen. Wie die Entwickler im Blog zum Projekt betonen, wird FuryBSD aber kontinuierlich und unter starker Berücksichtigung von Community-Feedback weiterentwickelt. Man tausche sich dabei auch mit dem Team hinter GhostBSD aus.

Auf Basis des 2021 erscheinenden FreeBSD 13 könnte FuryBSD eine ernsthafte Alternative zum Selbstbau eines FreeBSD-Desktops sein – zumindest, wenn es um das in der BSD-Welt beliebte Xfce oder KDE Plasma geht. Aber auch Anhänger von MATE oder anderen Desktop-Managern können FuryBSD umkonfigurieren und von der gut durchdachten Grundkonfiguration des Systems profitieren.

Die neue Version 2020-Q3 von FuryBSD kann ab sofort über die FuryBSD-Projektseite als Hybrid-Image für DVD-R und USB-Sticks heruntergeladen werden. Ein rudimentäres Handbuch zu FuryBSD ist dort ebenso vorhanden wie ein Blogeintrag mit weiteren Details zu 2020-Q3. Für alle weiteren Infos können FuryBSD-Anwender auf das (deutschsprachige) FreeBSD-Handbuch und die vielen Support-Kanäle der FreeBSD-Community zurückgreifen.

(ovw)