LNG: Langfristige Lieferverträge bis 2026 ausverkauft

Der Wettbewerb um Flüssigerdgas (LNG) hat weltweit durch das wachsende Interesse Europas stark zugenommen. Laut Japan kann der Markt nicht Schritt halten.

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Ein LNG-Tanker in Nahaufnahme

(Bild: Wojciech Wrzesien / Shutterstock.com)

Von
  • Malte Kirchner

Das sprunghaft gewachsene Interesse Europas an Flüssigerdgas (LNG) fegt offenbar weltweit den Liefermarkt leer. Jetzt hat das japanische Handelsministerium eine Marktanalyse veröffentlicht, der zufolge alle langfristigen Verträge zu einem stabilen Preis – mit Ölpreisbindung – bis 2026 ausverkauft sind.

Japan war bislang einer der Hauptabnehmer für LNG mit einem globalen Anteil von 20 Prozent, wie die internationale Gruppe der LNG-Importeure in ihrem Jahresbericht darlegt. Die Experten des Handelsministeriums rechnen mit einem zusätzlichen LNG-Bedarf von jährlich rund 36,8 Millionen Tonnen in der Europäischen Union. Die EU würde dann mehr als 100 Millionen Tonnen pro Jahr abnehmen. Im Jahr 2021 hatte Europa einen weltweiten Anteil von 20 Prozent an den LNG-Importen, während die meisten Lieferungen in Asien verzeichnet wurden. Insgesamt wurden im Jahr 2021 weltweit 372 Millionen Tonnen Flüssigerdgas importiert. Die weltweiten Kapazitäten für die Verflüssigung wurden mit 462 Millionen Tonnen beziffert.

Die fehlende Möglichkeit, langfristige Verträge zu schließen, bedeutet allerdings nicht, dass in den nächsten Jahren kein Flüssigerdgas mehr erhältlich ist. Wie in der aktuellen Gaskrise seit Beginn des Angriffskriegs Russland in der Ukraine müssten Länder ohne langfristige Lieferverträge auf dem kurzfristigen Spotmarkt einkaufen, der rund ein Drittel der weltweiten LNG-Lieferungen ausmache. Dieser ist allerdings starken Preisschwankungen unterworfen.

Folglich versuchen sich Großabnehmer von LNG abzusichern. China und Katar haben jetzt einen Liefervertrag über eine Laufzeit von 27 Jahren abgeschlossen. Das staatliche Energieunternehmen Qatar Energy habe sich verpflichtet, jährlich vier Millionen Tonnen LNG an die chinesische Sinopec zu liefern. Es handele sich um den längsten Vertrag in der Geschichte der LNG-Industrie. Die US-Finanznachrichtenagentur Bloomberg beziffert das Auftragsvolumen mit mehr als 60 Milliarden US-Dollar. QatarEnergy hat nach eigenen Angaben zudem Bau- und Charterverträge für 60 LNG-Tanker abgeschlossen.

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Deutschland hatte sich bereits im Frühjahr um langfristige Gaslieferungen aus Katar bemüht und war eine Energiepartnerschaft eingegangen. Nach Darstellung des japanischen Handelsministeriums seien die Verhandlungen aber an Unstimmigkeiten über die Lieferfrist gescheitert.

Laut Energieexperten scheue Deutschland den Abschluss langfristiger Verträge von mehr als 10 Jahren, weil im Zuge der Energiewende eine Reduzierung des Erdgasverbrauchs angestrebt wird und somit die benötige Menge wahrscheinlich nicht konstant bleibt. Klimaorganisationen kritisierten jüngst, dass durch den massiven Aufbau von LNG-Terminals wie in Wilhelmshaven und Lubmin Überkapazitäten geschaffen werden.

(mki)