LNG-Terminal in Brunsbüttel: FSRU "Höegh Gannet" ist angekommen

Jetzt kann auch an einem dritten Standort in Deutschland ein LNG-Terminal seinen Betrieb aufnehmen. Welche Hürden in Brunsbüttel noch zu nehmen sind.

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(Bild: Höegh)

In Brunsbüttel hat am Freitagmorgen das dritte schwimmende LNG-Terminal in Deutschland festgemacht. Die Floating Storage and Regasification Unit (FSRU) "Höegh Gannet" ist das Herzstück der Anlage, da sie das mit -162 Grad Celsius tiefkalte flüssige Gas aufwärmt und in gasförmigem Zustand in das Fernleitungsnetz einspeisen soll. Zunächst beginnt jetzt eine mehrwöchige Inbetriebnahme- und Probephase. Ab Anfang Februar sollen erste Gasmengen eingespeist werden.

Das schwimmende Terminal in Schleswig-Holstein ist das mittlerweile dritte in Deutschland. Das erste in Betrieb genommene Terminal in Wilhelmshaven (Niedersachsen) hat inzwischen den Regelbetrieb aufgenommen. In Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern läuft der Probebetrieb mit der dortigen FSRU. Während Lubmin ein komplett privatwirtschaftlich getragenes Vorhaben ist, kommen in Wilhelmshaven und Brunsbüttel FSRUs zum Einsatz, die von der Bundesrepublik Deutschland gechartert wurden, um den Ausfall russischer Gaslieferungen zu kompensieren.

Die Grafik zeigt die Schritte bei der Anlieferung von Flüssigerdgas (LNG) an einem schwimmenden Terminal.

(Bild: RWE)

Die Eile des Vorhabens zeigt sich in Brunsbüttel schon daran, dass es mehrere Übergangszustände geben soll. Laut Betreiber RWE wird das Schiff in der ersten Zeit an einem bestehenden Gefahrgutanleger betrieben, wo parallel auch Flüssiggas und Rohöl von anderen Schiffen entladen werden. Ende des Jahres soll die Einspeisung von LNG dann über eine neue Anlegepier erfolgen, deren Bau im ersten Quartal dieses Jahres beginnt.

Anfangs wird das Terminal aufgrund eines Leitungsengpasses nur 3,5 statt jährlich rund 7,5 Milliarden Kubikmeter Erdgas einspeisen können. Das soll sich ändern, wenn Gasnetzbetreiber Gasunie eine neue Anschlussleitung namens ETL 180 in Betrieb nimmt. Erst dann können die Kapazitäten der FSRU in Höhe von 12,5 Millionen Kubikmeter LNG voll ausgeschöpft werden.

RWE, Uniper und EnBW sind für die Bestellung von LNG im Ausland zuständig. Der erste Tanker wird Ende Januar erwartet. Er soll Flüssigerdgas aus Abu Dhabi liefern.

Die für 10 Jahre gecharterte FSRU "Höegh Gannet" aus Norwegen ist 294 Meter lang, 46 Meter breit und hat einen Tiefgang von 11,6 Metern. Sie hielt sich zuletzt in Mugardos in Spanien auf, bevor sie am frühen Freitagmorgen in Deutschland eintraf. Das in Südkorea erbaute Schiff kann 170.000 Kubikmeter LNG zwischenspeichern. Die Regasifizierung des tiefkalten Gases soll mit Warmwasser erfolgen, das als Prozesswasser in einem nahen Industriepark in Brunsbüttel anfällt. Hierfür war der Bau einer neuen Warmwasserleitung notwendig. Mitte Oktober war mit dem ersten Spatenstich für das LNG-Terminal begonnen worden, nachdem ab Mai geplant wurde. Der kommerzielle Betrieb des Terminals obliegt der vom Bund neu gegründeten Deutsche Energy Terminal GmbH.

Wie Wilhelmshaven und Lubmin hegt auch Brunsbüttel Pläne für langfristige Importanlagen. Ab dem Jahr 2026 soll das German LNG Terminal den Betrieb aufnehmen, ein multifunktionales Landterminal. Außerdem gibt es Pläne für ein Ammoniak-Importterminal, das ebenfalls ab 2026 aktiv werden könnte.

Update

Die Bezeichnung der Pipeline wurde in ETL 180 geändert. RWE spricht auf seinen Informationsseiten vereinzelt von ET180, im Planungsverfahren wurde aber ETL für "Energietransportleitung" verwendet.

(mki)