LNG-Terminal in Wilhelmshaven: Das Spezialschiff trifft bald ein

Die FSRU ist das Herzstück des ersten staatlich initiierten LNG-Terminals in Deutschland. Die Höegh Esperanza soll Flüssigerdgas-Importe ermöglichen.

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Bild von den Bauarbeiten am LNG-Terminal in Wilhelmshaven

Bild von den Bauarbeiten am LNG-Terminal in Wilhelmshaven

(Bild: NPorts)

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In Wilhelmshaven wird in Kürze das Herzstück des ersten staatlich organisierten LNG-Terminals erwartet: Das Regasifizierungs- und Speicherschiff Höegh Esperanza befand sich zuletzt vor Frankreich und war in Richtung Norden unterwegs. Es soll ab Mitte Dezember Flüssigerdgasimporte (LNG) über das neu gebaute Terminal im Nordwesten Deutschlands ermöglichen.

Ein Pressesprecher des Energieunternehmens Uniper, das Betreiber des Terminals ist, sagte heise online, dass Meldungen über eine Ankunft 10. Dezember falsch seien. Mehrere Medien hatten darüber berichtet – offenbar unter Bezugnahme auf Angaben in Schiffsmeldedienste wie Vesselfinder und Marinetraffic, wo eine erwartete Ankunft am Samstag zwischen 9 und 10 Uhr angegeben wurde.

Fest steht der offizielle Inbetriebnahme-Termin des LNG-Terminals in Wilhelmshaven. Dieses soll am Samstag, 17. Dezember, im Beisein von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) und Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) eröffnet werden. Das erste Gas soll am 22. Dezember fließen.

Die Floating Storage and Regasification Unit (FSRU) wird einen Platz am Terminal einnehmen, der seeseitig seit Monaten in Bauarbeiten befestigt wurde. Die Arbeiten kamen im November zum Abschluss. LNG-Tanker werden künftig an der FSRU anlegen und ihre Fracht dort entladen. Die FSRU wird das tiefkalte flüssige Erdgas von -162 Grad Celsius erwärmen, sodass es wieder gasförmig ist und per Pipeline weitertransportiert werden kann. Die nötige Rohrverbindung zum deutschen Gasfernnetz befindet sich auch kurz vor der Fertigstellung.

Das Spezialschiff, das unter der Flagge Norwegens fährt, wurde zwischen 2015 und 2017 erbaut. Sein Einsatz ist eine Übergangslösung, bis in einigen Jahren voraussichtlich ein gebautes Terminal an Land seinen Betrieb aufnimmt. Das Bundeswirtschaftsministerium hat es für zehn Jahre gechartert. Insgesamt hat Deutschland fünf FSRUs angemietet, wovon zwei in Wilhelmshaven eingesetzt werden sollen – neben dem Terminal von Uniper gibt es in der Jadestadt ein weiteres von TES, das nach wenigen Jahren auch schon zum Umschlagsplatz für Wasserstoff weiterentwickelt werden soll.

Das in Ulsan in Südkorea von Hyundai Heavy Industries gebaute Schiff ist 294 Meter lang und 46 Meter breit. Es hat einen Tiefgang von bis zu 12,6 Metern. Es kann 170.000 Kubikmeter Flüssigerdgas speichern. Das Bundeswirtschaftsministerium hat in seinem Vertrag mit dem Besitzer Höegh eine Regasifizierungs-Dauerleistung von 5 Milliarden Kubikmeter LNG pro Jahr vereinbart. Maximal sind bis zu 7,5 Milliarden Kubikmeter LNG pro Jahr möglich.

Das Schiff verfügt über ein sogenanntes Mark-III-Membransystem. Dieses Auffang- und Isoliersystem ist direkt mit dem Schiffsrumpf verbunden und besteht aus zwei Schichten: Einer primären gewellten Edelstahlmembran und einer sekundären Membran aus Verbundmaterial. Das System hat eine Boil-off-Rate zwischen 0,125 und 0,15 Prozent – damit ist der Gasverlust in den Speichern gemeint, der entsteht, weil ein geringer Anteil des tiefkalten Erdgases dann technisch bedingt doch wieder gasförmig wird und entfernt werden muss.

Die Höegh Esperanza war nach Fertigstellung drei Jahre im chinesischen Tianjin im Einsatz. Eigentlich war es ab diesem Jahr für die Dauer von 10 Jahren für ein schwimmendes LNG-Terminal in Australien vorgesehen. Die dortige Bezirksregierung entschied sich letztlich aber aus Bedenken wegen des Umweltschutzes dagegen – in den Protesten gegen die FSRU in Wilhelmshaven spielte das eine große Rolle. Zuletzt befand sich das Schiff im französischen Brest. Auf seiner Fahrt nach Wilhelmshaven machte es bislang in Sagunto in Spanien Halt.

Update

Es wurden Standort und neue Informationen zur Inbetriebnahme ergänzt.

(mki)