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Langwellig: Infrarotfotografie im Selbstbau

Ein faszinierender Teilbereich der bildgebenden Kunst ist die Infrarotfotografie schon deshalb, weil sich deren gespenstische bis märchenhafte Bildwirkung auch nicht ansatzweise per nachträglicher Bildbearbeitung normaler Aufnahmen erreichen lässt. Wer einen Eingriff in seine Uralt-DSLR nicht scheut, kommt vergleichsweise einfach zu einer Infrarotkamera.

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Inhaltsverzeichnis

Mit einigem Bildbearbeitungs-Aufwand entstehen aus IR-Fotos stimmungsvolle Falschfarben-Bilder.

(Bild: Achim Lammerts)

Bei der Infrarotfotografie unterscheidet man zwei Anwendungsbereiche: Die thermische Variante befasst sich mit der Aufnahme der Wärmestrahlung im sehr langwelligen Bereich, sie kommt in der Werkstoffprüfung oder bei "Wärmebildern", etwa zum Aufspüren von Wärmelecks an Gebäuden, zum Einsatz. Der Aufwand hierfür ist relativ hoch: Siliziumsensoren sind dafür ungeeignet, stattdessen sind (teure) Sensoren aus Gallium-Arsenid oder Indiumverbindungen nötig, die zudem deutlich unter den aufzunehmenden Temperaturbereich heruntergekühlt werden müssen und in ihrer Auflösung recht beschränkt sind (einige tausend Pixel).

Wir beschäftigen uns hier mit dem Infrarot-Bereich knapp unter dem des sichtbaren Lichts, also zwischen 900 und 700 nm Wellenlänge, der auch mit normalen Silizium-Sensoren oder den früher gebräuchlichen Infrarotfilmen erfasst werden kann. Erste Versuche mit Infrarotfilm gab es bereits Anfang des 20. Jahrhunderts; eine größere Verbreitung fand die Infrarotfotografie bei Luftbildaufnahmen im ersten Weltkrieg, weil Infrarotlicht auch durch Dunst und Luftverunreinigungen dringt und somit detailreichere Aufnahmen ermöglicht.

Moderne Silizium-CCDs und CMOS-Sensoren sind durchaus auch infrarottauglich, nur wird diese Eigenschaft durch spezielle Filter vor dem Sensor unterdrückt. In jüngerer Vergangenheit gelang dies manchmal weniger gut: Besitzer einer Leica M8 oder einer Nikon D70 ärgerten sich oft über die unkorrekte Wiedergabe schwarzer Kleidung, die auf Außenaufnahmen ins Bräunliche oder Violette glitt. Auch Metallic-Lackierungen lagen in der Farbwahrnehmung der Kameras bisweilen arg daneben. Ursache war die zu hohe Empfindlichkeit dieser Kameras im sehr nahen Infrarotbereich – der Sensor sah dort noch rot, wo der Mensch schon nichts mehr wahrnimmt. In der Farblehre bezeichnet man eine derartige "Fehlsicht" als Metamerie, die natürlich im sichtbaren Bereich deutlicher zu Tage tritt – etwa, wenn zwei unter Leuchtstofflampenlicht gleichfarbige Kleidungsstücke an der Sonne so gar nicht zueinander passen wollen.

Das gleiche Motiv, unten normal, oben mit IR-Kamera fotografiert.

Infrarotaufnahmen erzielen durch die abweichende Helligkeits-"Anteiligkeit" des IR-Lichts den eingangs beschriebenen "märchenhaften" bis grotesken Eindruck. Nebenstehendes Bild verdeutlicht den IR-Effekt: Unten eine normale Schwarzweiß-Aufnahme, oben das gleiche Motiv aus einer Infrarotkamera. Die künstlerischen Anwendung ist aber nur eine von vielen: Beispielsweise reflektiert das Chlorophyll des Blattwerks IR-Licht besonders gut, so dass in der Forstwirtschaft kranke Pflanzen leicht erkennbar sind. Breite Anwendung findet die IR-Fotografie auch im Bereich der Astronomie – manche Sterne und Nebel strahlen so langwellig, dass sie erst auf IR-Bildern sichtbar werden, und außerdem dringt IR-Licht wie eingangs erwähnt besser durch den Atmophären-Dunst.

Eine zweifelhafte Berühmtheit erlangte übrigens der so genannte Nightshot-Modus an den ersten Sony-D8-Camcordern, der die Infrarotempfindlichkeit der Sensoren gut zu nutzen wusste. Unter in ihrer Sexualpräferenz gestörten Personen genoss er einen legendären Ruf, zumal er aktiv von einer Infrarotleuchte in der Kamera unterstützt wurde.

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