Leak: Daten zu Millionen Ausländern in China gesammelt

Mehr als zwei Millionen Datensätze zu Personen aus dem Ausland hat eine chinesische Firma zusammengetragen. Die Daten wurden nun an einen US-Forscher geleakt.

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(Bild: metamorworks/Shutterstock.com)

Von
  • Martin Holland

Eine chinesische Firma hat angeblich eine Datenbank angefertigt, in der Informationen zu 2,4 Millionen Personen aus anderen Staaten gesammelt werden. Das berichten verschiedene Medien anhand der Daten, die einem US-amerikanischen Forscher zugespielt wurden. Vor allem in Australien schlägt das Leak aus dem Unternehmen namens Zhenhua hohe Wellen, dort berichtet unter anderem der Nachrichtensender ABC. Demnach scheint ein Fokus bezüglich der Zielpersonen auf dem Militär zu liegen, die Informationen würde aber größtenteils aus öffentlichen Quellen wie Social-Media-Profilen stammen. Gefunden wurden demnach aber auch nicht-öffentliche Informationen.

Wie ABC erklärt, wurde die Datenbank dem US-Forscher Chris Balding zugespielt, der China aus Angst um seine Sicherheit vor zwei Jahren verlassen hat und vor dem massiven Überwachungsapparat warnt. Balding hat die Daten demnach ein IT-Unternehmen für Cybersecurity in Australien zur Analyse gegeben. Demnach konnten rund 250.000 Datensätze analysiert werden, 52.000 davon seien über US-Amerikaner. Außerdem hätten sich darin 35.000 Australier, 10.000 Inder und fast 10.000 Briten gefunden.

Enthalten sind laut Washington Post unter anderem Biografien und Stammbäume von US-Politikern, aber auch Tweets aus US-Militärbasen. Neben Soldaten finden sich unter anderem politische Figuren und Persönlichkeiten aus der Wirtschaft. Zur Zahl betroffener Deutscher gibt es keine Angabe. Die Datenbank heißt demnach Overseas Key Information Database (OKIDB). In den Fokus gerückt wird unter anderem, dass sie von einem privaten Unternehmen stammt, das aber enge Verbindungen zum Staat zu haben scheint.

Insgesamt scheine es sich um eine ausufernde Datensammlung zu handeln, die viel weniger gezielt sei, als westliche Pendants, zitiert ABC einen Geheimdienstagenten, der die Daten gesehen hat. So hätten die Ersteller unter anderem das australische Weltraumunternehmen Gilmour Space Technology ins Visier genommen und dafür alle Australier mit dem Nachnamen "Gilmour" nach Verbindungen zu dem Unternehmen analysiert. Abgesehen davon dürfte die Existenz einer solchen Datenbank aber vor allem die Geheimdienstexperten nicht überraschen. Sie macht aber einmal mehr deutlich, wie viel Menschen in sozialen Netzen über sich verraten und das auch solche nicht-geheimen Informationen durchaus von Interesse sein können, etwa um gezieltere Angriffe vorzubereiten.

(mho)