"Letzte Meile": Regulierer will Preise senken und länger festschreiben​

Die Bundesnetzagentur will mit zehn Jahre gültigen Entgelten die Migration von Kupfer- auf Glasfasernetze "langfristig stabilisieren".

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VDSL-Kabelverweiger Berlin

VDSL-Kabelverweiger der Telekom in Berlin

(Bild: heise online/vbr)

Von
  • Stefan Krempl

Die Bundesnetzagentur (BNetzA) will die Mietgebühren für die Teilnehmeranschlussleitung (TAL), also der "letzten Meile" des Telekom-Netzes zum Endkunden, langfristig senken. Sie hat dazu am Mittwoch einen Vorschlag vorgelegt, demzufolge die bisher für drei Jahre festgeschriebenen TAL-Entgelte nun zehn Jahre lang gültig sein sollen.

Zum 1. Juli 2022 sollen laut dem Vorschlag in einem ersten Schritt die zuletzt erneut angehobenen Entgelte für den Zugang zur TAL am Hauptverteiler (HVt-TAL) von 11,19 auf 10,65 Euro sinken. Die Preise für die in Zukunft voraussichtlich stärker nachgefragte Übernahme der TAL am Kabelverzweiger (KVz-TAL) – den grauen Verteilerkästen am Straßenrand – sollen von 7,05 auf 6,92 Euro zurückgehen.

Die Bundesnetzagentur beabsichtigt, die Entgelte erstmals nicht mit einer Laufzeit von drei, sondern von zehn Jahren zu genehmigen. Nach fünf Jahren sieht sie aber eine Preiserhöhung um vier Prozent vor. Auf dieser zweiten Stufe für den Zeitraum Juli 2027 bis Ende Juni 2032 würden so 11,08 für die HVt-TAL beziehungsweise 7,20 Euro für die KVz-TAL gelten.

Ursprünglich hatte die Telekom in dem Verfahren im Januar Entgelte in Höhe von 12,15 (HVt-TAL) und 8,25 Euro für die KVz-TAL für einen kürzeren Zeitraum beantragt, den entsprechenden Antrag aber Ende März auf die nun ins Spiel gebrachten Entgelte geändert.

Ziel der Regulierungsbehörde ist es nach eigenen Angaben, die Digitalisierung im vielbeschworenen Gigabitzeitalter zu unterstützen und den Zugang und die Nutzung von Glasfasernetzen zu fördern. Der letzten Meile komme bei dieser Migration von Kupfer auf Glasfaser große Bedeutung zu: Die TAL habe für Netzbetreiber, Anbieter und Investoren die Funktion eines "Ankerprodukts".

Mit dem Vorhaben sollen alle Seiten Planungssicherheit über die Kalkulationsgrundlage für Kupferanschlüsse erhalten, mit denen die Glasfaser konkurriert. Auch für den Wettbewerb ist die langfristige Genehmigung laut der BNetzA förderlich. Die Nutzer sollten von der Stabilität ebenfalls profitieren: Durch die neuen Netze werde das Angebot insgesamt verbessert und Offerten könnten geplant werden, "ohne dass insoweit Kostenerhöhungen drohen". Im Herbst hatte die Behörde bereits die Weichen für eine "Regulierung light" für Glasfaser gestellt.

Den Entscheidungsentwurf hat der Regulierer zunächst zur Konsultation gestellt. Interessenten können bis 13. Mai schriftlich dazu Stellung nehmen. Zudem legt die BNetzA ihren Vorschlag der EU-Kommission, den anderen EU-Regulierunsbehörden und ihrem Brüsseler Gremium (Gerek) übermitteln. Werden dabei keine ernsthaften Bedenken laut, kann die Entgeltgenehmigung plangemäß Anfang Juli in Kraft treten.

Der gewählte zweistufige Ansatz trage "grundlegenden Anliegen der Telekommunikationsbranche" Rechnung, "die in dieser Frage sehr geschlossen auftritt", erklärte der neue BNetzA-Präsident Klaus Müller. Aus den Reihen der Telekom-Wettbewerber kommt vorsichtige Zustimmung. Das TAL-Entgelt werde endlich "unter die exorbitant hohen Preise aus der Genehmigungsrunde im Jahr 2019 abgesenkt", lobte etwa der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM). Ihm wären 10,02 Euro für die HVt-TAL aber lieber gewesen. Entscheidend sei der längere Genehmigungszeitraum.

VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner verwies zudem auf ein dickes Haar in der Suppe: Auch mit der Reform werde "der Telekom in den nächsten Jahren eine erhebliche Überrendite aus der Vermarktung ihres Kupfernetzes" zufallen. Das daraus resultierende Quersubventionierungspotenzial ergebe "sowohl für die etablierten Nachfrager als auch die vielen neuen Infrastrukturinvestoren ein erhebliches Wettbewerbshindernis". Der Regulierer müsse daher "wachsam bleiben und die richtigen Instrumente in der Hand halten".

Die BNetzA müsse "auch zügig den nächsten Schritt" machen und langfristige Planungssicherheit für die Glasfaser ausbauenden Unternehmen schaffen, forderte der Geschäftsführer des Bundesverbands Breitbandkommunikation (Breko) Stephan Albers. Dazu sollte sie gemeinsam mit der Branche in einem transparenten Verfahren ein Konzept erarbeiten, das wesentliche Fragen wie die verfügbaren Vorleistungen, Migrationsprozesse und -zeiträume und die Verteilung der Umrüstungskosten regele. Mit der Initiative trage der Regulierer prinzipiell Bedenken der TAL-Nachfrager Rechnung, dass die Entgelte aufgrund der sinkenden Abnahmemengen für kupferbasierte Vorleistungen deutlich ansteigen könnten.

(vbr)