Liberty Global kommt zurück nach Deutschland, verlegt Glasfaser-Anschlüsse

2019 hat Liberty Global seine Kabeltochter Unitymedia an Vodafone verkauft. Nun kehrt der Konzern zurück und legt Glasfaser zu Haushalten (FTTH).

Lesezeit: 3 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 84 Beiträge
Glasfasern kommen aus Rohr heraus

(Bild: SHARKstock/Shutterstock.com)

Von
  • Daniel AJ Sokolov

Liberty Global kehrt nach Deutschland zurück. Gerade einmal zwei Jahre nachdem der Telecom-Konzern seine deutsche Kabeltochter Unitymedia an Vodafone verkauft hat, möchte er in neu zu legende Glasfaseranschlüsse investieren. Vehikel dafür ist ein neues Joint Venture mit dem Finanzinvestor InfraVia Capital Partners.

InfraVia und Liberty Global Ventures, der Investmentarm des Liberty-Konzerns, werden je 50 Prozent der Anteile halten. Ziel ist die Verlegung von Fibre-to-the-Home (FTTH), also Glasfaseranschlüssen direkt bis zu den Endkunden. InfraVia bringt das Geld aus einem eigenen Infrastrukturfonds sowie Erfahrung mit Investition in digitale Infrastruktur mit. Liberty Global ist ein erfahrener Betreiber von Internetanschlüssen und kennt den deutschen Markt samt der notwendigen Amtswege gut, schließlich gehörte Unitymedia ein Jahrzehnt lang zu Liberty Global. 2019 durfte Vodafone Unitymedia übernehmen, das damals 7,2 Millionen Kunden zählte.

Das neue Joint Venture heißt Liberty Networks Germany und soll es behutsam angehen. In der ersten Phase werden die neuen Glasfasern nur in einer "kleinen Zahl an Kommunen" verlegt. Welche Gemeinden das sind, verraten die Beteiligten noch nicht. Nur wenn diese Unterfangen bestimmte Erfolgskriterien erfüllen, möchte Liberty Networks Germany seine Investitionen in der Bundesrepublik erweitern.

Details wollte Liberty Global im Gespräch mit heise online noch nicht nennen. Seinen Fokus werde das Joint Venture jedenfalls auf Ortschaften legen, in denen es derzeit noch keine Glasfaser- oder Kabelanschlüsse gibt. Der Beginn von Bauarbeiten hänge insbesondere von den notwendigen behördlichen Genehmigungen ab.

Schauen Sie auch

Robert Dunn, ein Investmentmanager bei Liberty Global, hofft auf "attraktive Renditen aus neuen Glasfasernetzen in einem Land, in dem Millionen Haushalte noch keinen Zugang zu schnellem und verlässlichen Breitbandanschlüssen haben." Gleichzeitig unterstreicht er den vorsichtigen Zugang zum deutschen Markt – ein Milliardenfeuer wie zu Zeiten der Dotcom-Blase ist also ausdrücklich nicht geplant. Dunn soll bei dem Deutschland-Projekt eine wichtige Rolle spielen. Welche das genau sein wird, ist noch offen.

Der Branchenverband FTTH Council Europe erwartet vehementes Wachstum der Glasfaserzugangsnetze in Deutschland. Ein aktueller Bericht der Organisation schätzt, dass dieses Jahr Glasfasernetze an neun Millionen deutschen Haushalten vorbeiführen. In fünf Jahren soll sich das auf 33 Millionen annähernd vervierfachen. Damit wäre Deutschland 2026 nach Russland der zweitgrößte Glasfasermarkt Europas hinsichtlich potenziell anschließbarer Haushalte.

Die Zahl der tatsächlich mit FTTH angeschlossenen Haushalte werde sich in den nächsten Jahren von derzeit 3,5 Millionen auf dann 25,5 Millionen versiebenfachen. Deutschland hätte dann nach Russland und Frankreich die meisten Glasfaserhaushalte aller Länder Europas, gemessen in absoluten Zahlen.

Nur für Großbritannien und Nordirland weist die Studie des FTTH Council Europe in beiden Statistiken steileres Wachstum aus. Dort ist Liberty Global ein Joint Venture mit O2 eingegangen. Es heißt Virgin Media O2 und betreibt bereits ein Kabelnetz. Dieses soll in den nächsten sieben Jahren komplett auf Glasfaser aufgerüstet werden.

(ds)