Büropaket LibreOffice 7.0: Grafikbibliothek "Skia" kommt, Markenstrategie bleibt

Zwei Jahre nach der letzten Hauptversion hebt LibreOffice die Versionsnummer auf 7.0 an und bietet damit "Vulkan"-Rendering über die Bibliothek "Skia".

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(Bild: Screenshot_LibreOffice7.0_Wolski)

Von
  • David Wolski

LibreOffice 7.0 ab sofort verfügbar, gab "The Document Foundation" bekannt, die sich als gemeinnützige Stiftung um die Entwicklung des freien Officepakets kümmert. Bemerkenswert ist ein Wechsel der Rendering-Engine: Weg von der lange verwendenten "Cairo" hin zur besser gepflegten Bibliothek "Skia" mit Vulkan-Unterstützung. Diese ist in der Windows-Version bereits abgeschlossen, in der Linux-Ausgabe bleibt sie jedoch noch optional. LibreOffice lässt allerdings die Frage nach einer Marketingstrategie für die freie Software offen. Das sorgt für Diskussionen.

LibreOffice 7.0 beherrscht nun das Open Document Format (ODF) 1.3 als eigenes Dateiformat, das kryptografische Signaturen von Dokumenten sowie Verschlüsselung mittels OpenPGP nativ erlaubt. Zudem hat die Kompatibilität mit Microsoft Office und seinen Dateiformaten DOCX, XLSX sowie PPTX weiteren Feinschliff bekommen. DOCX wird nun nicht mehr im abwärtskompatiblen Modus für Microsoft Office 2007 gespeichert, sondern im Format der aktuellen Office-Versionen. Den Einzelprogrammen spendiert das neue LibreOffice zahlreiche neue kleinere Funktionen und poliert stellenweise die Oberflächen auf. In den Release Notes sind diese Änderungen akribisch aufgelistet. Mac-Nutzer dürfen sich etwa über ein passendes Icon-Theme freuen, das den Richtlinien Apples folgt.

Wie sich schon Ende Juli abzeichnete, behält LibreOffice die bisherige Markenpolitik bei und erscheint nicht mit dem zuvor angedachten Zusatz "Personal Edition". Dieser zierte den Release Candidate und sollte die freie Ausgabe von einer Enterprise-Ausgabe mit kostenpflichtigem Support und eventuellen Extras abgrenzen. Nach größtenteils negativem Feedback der Nutzergemeinde verzichtete die Document Foundation zwei Wochen vor dem jetzigen Release aber auf eine Neuaufstellung des Office-Pakets. Laut eines Blogbeitrags habe einfach die Zeit nicht gereicht, um auf alle Bedenken einzugehen. So will die Foundation nun noch abwarten, bis sie eineneue Marketingstrategie vorstellen, die eine Vermarktung der Software für Firmenkunden einfacher machen soll, am Linzenzmodell und an der freien Verfügbarkeit soll sich aber nichts ändern.

Die Diskussion lenkte immerhin den Blick auf die Herausforderungen der Entwickler, Kosten und Aufwand hinter dem freien Büropaket mittelfristig decken zu müssen. Michael Meeks, einer der maßgeblichen Köpfe hinter dem Dienstleister Collabora, der auch einen erheblichen Teil der Entwicklungsarbeiten von LibreOffice trägt, hatte die Gesamtsituation um das Officepaket und den unbeabsichtigten Konflikt mit der Document Foundation Anfang Juli ausführlich in seiner Mailingliste dargelegt: Die Schwierigkeit liegt auch laut Meeks in der Arbeit, aus LibreOffice ein tragsfähiges Business zu machen. Immerhin stammen mehr als 70 Prozent der Submits in LibreOffice 7.0 von Entwicklerfirmen wie Collabora.

Noch nicht ganz abgeschlossen ist der von AMD gesponserte Umzug zur Grafikbibliothek "Skia" in den Ausgaben des Officepakets für alle Betriebssysteme. Bislang verwendete LibreOffice zum Rendern geometrischer Formen und der Programmoberfläche die C-Bibliothek "Cairo", die über ein OpenGL-Backend verfügt. Die neuere Bibliothek "Skia", die bereits länger in Mozillas Firefox und Googles Browser Chrome zum Einsatz kommt, verspricht dagegen über ein Vulkan-Backend eine bessere Leistung bei hardwarebeschleunigter Grafikausgabe. Bislang ist "Skia" aber nur in LibreOffice 7.0 für Windows standardmäßig aktiviert. Die Linux-Builds nutzen nach wie vor "Cairo", da die Vulkan-Unterstützung noch von zu vielen Faktoren wie etwa Grafiktreibern abhängig ist. Wer "Skia" auch unter Linux testen möchte, kann die Verwendung der neuen Bibliothek unter X11 mit den Umgebungsvariablen "SAL_ENABLESKIA=1" und "SAL_USE_VCLPLUGIN=gen" forcieren. Ob die Verwendung klappt, zeigt dann der Dialog "Über LibreOffice" im Hilfemenü unter "UI-Renderer" an.

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LibreOffice 7.0 steht für Windows, Mac OS X und Linux zum Download bereit. Für Linux liegt die Software nicht nur in den Paketformaten DEB und RPM vor, sondern auch als universelles Appimage. LibreOffice liegt zudem als Flatpak sowie in Ubuntu und als Snap-Paket vor.

(emw)