LibreOffice 7.1: Frische Version mit erneuerter Markenstrategie

Mit Version 7.1 bekommt die freie Office-Suite den Namenszusatz Community, der aber nichts am Entwicklungsmodell ändert, wie die Document Foundation versichert.

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(Bild: Screenshot_LibreOffice)

Von
  • David Wolski

Ein neuer Namenszusatz, aber keine neue Ausrichtung: Mit dem Zusatz "Community" setzt die Document Foundation in ihrer Marketingstrategie eine schon angekündigte, deutlichere Abgrenzung zu LibreOffice-Ausgaben für Firmenkunden mit kommerziellen Support um. Eine Änderung von Funktionsumfang, Entwicklungsmodell oder Verfügbarkeit ist damit nicht verbunden – aber die Lösung eines schwelenden, internen Konflikts mit den beitragenden Entwicklern aus dem kommerziellen Umfeld.

Auch jenseits von revidierter Markenpolitik geizt Libre Office 7.1 Community, das planmäßig ein halbes Jahr als erster Point-Release nach der Version 7.0 erscheint, nicht mit Detailverbesserungen. Nach dem ersten Start zeigt sich jetzt ein Dialog zur Auswahl des Symbolleistenstils mit einer Vorschau und Beschreibung des Stils. Diese verschiedenen Symbolleisten gibt es bereits seit LibreOffice 6.x, allerdings gingen die jeweiligen Vorteile der Stile an vielen Anwendern vorbei, wie Supportanfragen an die Document Foundation immer wieder gezeigt haben. Um kürzere Wege geht es auch bei den Erweiterungs-Dialogen, die an verschiedenen Stellen der GUI wie in der Galerie, dem Vorlagen-Manager, den Wörterbüchern und den Icon-Themes angeknüpft sind, um Erweiterungen dieser Art aus Online-Quellen nachzurüsten. Eine Suchfunktion erspart den Weg über den Browser und den Besuch der Seite für Erweiterungen. In allen Komponenten der Office-Suite aktualisiert sich die Druckvorschau von Dokumenten jetzt im Hintergrund und blockiert das Hauptfenster nicht mehr.

Die bemerkenswerte Neuerung im Writer ist eine Vorlagenkontrolle (Style Inspector), die in der Seitenleiste alle Attribute von Absätzen und Zeichen detailliert anzeigt. Diese Ergänzung entstand im Rahmen des "Google Summer of Code" 2020. Einen Tick schneller laufen jetzt Aktionen zum Suchen und Ersetzen ab, es gibt sprachunabhängige Vorlagen und eine Erkennung von Unicode-Dokumenten beim Import, auch wenn der Datei das Byte-Order-Mark (BOM) fehlt.

Ein vielversprechendes Feature, das im Stil von Code-Editoren ganze Absätze einklappen kann, gilt derweil noch als Vorschau und verlangt die Aktivierung der experimentellen Funktionen unter "Optionen LibreOffice Erweitert". Ist diese Option eingeschaltet, so kann auch unter "Extras Optionen LibreOffice Writer Ansicht" die neue "Schaltfläche für die Sichtbarkeit von Gliederungsinhalten" aktiviert werden. Neben jeder Überschrift zeigt sich dann ein Pfeil, der den darunterliegenden Absatz im Stil von Code-Folding ein- und ausklappen kann.

In der Tabellenkalkulation gibt es eine Option zum Verhalten der Enter-Taste, um mit dieser schneller kopierte Inhalte in Zellen einzufügen. Der Lösungsdialog hat eine Reset-Funktion bekommen und bei Arbeiten mit zusammengeführten Bereichen, also mehrere ausgewählte, nicht zusammenhängende Zellen, wurden mehrere Fehler behoben. Ein weiteres Projekt aus dem Google Summer of Code liefert den Animationen in der Präsentationsprogramm Impress eine kleine Physik-Engine, um Objekte nach den Regeln der Schwerkraft fallen zu lassen. Sämtliche Änderungen an allen Komponenten, auch kleinere, die hier nicht zur Sprache kamen, listen wie immer die Release Notes systematisch auf.

Schon seit letztem Sommer suchte The Documentation Foundation, die sich als gemeinnützige Stiftung um die Entwicklung des freien Officepakets kümmert, nach einer neuen Markenstrategie, die Enterprise-Ausgaben mit kostenpflichtigem Support und eventuellen Extras abgrenzt und deren Mehrwert deutlich macht. Schon der Release Candidate der Vorgängerversion bekam testweise den Namenszusatz "Personal Edition", der aber laut Mike Saunders von The Document Foundation zu diesem Zeitpunkt noch nicht fix war. Die Nutzergemeinde reagierte skeptisch bis ablehnend auf die Namensänderung, die bis zur vorliegenden Ausgabe zurück zum Reißbrett kam.

Die jetzt deutlichere Unterscheidung zwischen der offiziellen LibreOffice-Ausgabe der Document Foundation zu den kommerziellen Angeboten für Firmen, die an der Entwicklung beteiligt sind und wie Collabora und CIB sogar im Stiftungsbeirat vertreten sind, soll Businesskunden nun zu diesen LibreOffice-Diensten und Paketen lotsen. Wie Collabora schon letztes Jahr in einem Brandbrief anmerkte, gingen auch wegen der unklaren Marketingstrategie zu wenig Aufträge ein, um die Entwicklung von LibreOffice nur ansatzweise profitabel zu machen. Immerhin stammen wieder über 70 Prozent der Code-Submits in LibreOffice 7.1 von Firmen, deren Geschäftsmodell auf LibreOffice- Support und Dienstleistungen gebaut ist. The Document Foundation erhofft sich laut Mike Saunders mit diesem Entgegenkommen eine Belebung der LibreOffice-Entwicklung. Am Lizenzmodell und Funktionsumfang der regulären LibreOffice-Version wird sich damit aber nichts ändern.

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Ab sofort steht LibreOffice 7.1 für Windows, Mac OS X und Linux zum Download bereit. Für Linux-Distributionen liegt das Office-Paket nicht nur als DEB- und RPM-Paket vor, sondern auch als Appimage mit allen Bibliotheken. In Ubuntu liegt LibreOffice 7.1 als Snap-Paket vor und von der Gnome Foundation gibt es ein Flatpak.

(emw)