LinkedIn: Heimliches Experiment an 20 Millionen Nutzern

Auf LinkedIn lief fünf Jahre lang ein Experiment, aufgrund dessen Betroffene teils schlechtere Chancen hatten, in dem sozialen Netzwerk einen Job zu finden.

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(Bild: Roman Pyshchyk/Shutterstock.com)

In den USA gibt es Kritik an LinkedIn, weil das weltweit größte soziale Netzwerk für Geschäftskontakte über Jahre hinweg Experimente an über 20 Millionen Nutzern und Nutzerinnen vorgenommen hat, die merkliche Auswirkungen auf deren Berufsleben gehabt haben dürften. Wie die New York Times berichtet, wurden die Betroffenen über die Versuche nicht informiert. Dabei ging es um die Frage, ob enge oder weniger enge Kontakte dabei hilfreicher sind, einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Das dabei gewählte Vorgehen bedeute, dass einige Betroffene deutliche Vorteile bei der Arbeitsplatzsuche hätten, erklärt ein Experte gegenüber der US-Zeitung. So etwas müsse man bei derartigen Experimenten im Blick haben.

Das Experiment lief den Verantwortlichen zufolge zwischen 2015 und 2019, es ging um den Algorithmus, der Menschen vorschlägt, "die Sie vielleicht kennen". In einer ersten Phase wurden dabei zwei Gruppen Menschen vorgeschlagen, mit denen es auf der Plattform wenige beziehungsweise viele Überschneidungen – sprich Kontakte – gab. Im Anschluss wurde dann ermittelt, in welcher der beiden Gruppen im Anschluss mehr Jobangebote getätigt und angenommen wurden.

Herausgekommen ist, dass Personen, mit denen man vergleichsweise wenige (10) Kontakte – auf LinkedIn – teilt, bei der Jobsuche deutlich hilfreicher sind, als enge Bekannte mit über 20 gemeinsamen Kontakten. Die Nutzer und Nutzerinnen in der Gruppe, denen vor allem vergleichsweise weniger enge Personen als neue Kontakte vorgeschlagen wurden, hätten mehr als doppelt so viele Jobs in deren Firma bekommen, als die in der anderen Gruppe durch ihre neuen (engeren) Kontakte.

Insgesamt haben die mehr als 20 Millionen Betroffenen während der Experimente über zwei Milliarden neue Verbindungen geknüpft, 70 Millionen Bewerbungen geschrieben und 600.000 neue Anstellungen angetreten. Dem Forschungsteam zufolge wurde damit bewiesen, wie wertvolle sogenannte schwache Verbindungen sind, wenn es darum geht, Informationen durch soziale Netze fließen zu lassen. Dem widerspricht in der New York Times aber die Forscherin Catherine Flick von der englischen Universität De Montfort: Die Studie zeige lediglich, "wenn du mehr Jobs haben willst, musst mehr Zeit auf LinkedIn verbringen."

(mho)