Linux APP Summit 2022: Flathub wird zum App-Store

Auf dem Linux App Summit, einer Konferenz des KDE e.V. und der Gnome Foundation, haben die Macher von Flathub Zahlen und Zukunftspläne präsentiert.

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(Bild: Linux App Summit)

Von
  • David Wolski

Das App-Containerformat Flatpak für Linux und die Download-Plattform flathub.org als Anwendungsverzeichnis ist eine der Erfolgsgeschichten der vergangenen Jahre. So die Zahlen, die Robert McQueen von der Gnome Foundation, gleichzeitig CEO von Endless OS und Jorge Castro vom Open-Source-Projekt Cloud Custodian, bestens gelaunt zu den Nutzungszahlen von Flathub zeigten. Diese Präsentation zum Stand von Flathub und dessen unmittelbare Zukunft als ausgewachsener Linux App-Store war einer der ersten Vorträge des Linux App Summit 2022.

Obwohl Flatpaks nicht zentralisiert organisiert sind und es verschiedene Quellen gibt, ist flathub.org heute die de-facto Zentrale für Anwendungen im Flatpak-Format. Laut Robert McQueen finden sich momentan 1600 Flatpaks auf flathub.org, bei konstantem Wachstum. Auch der verursachte Netzwerktraffic der Seite ist klar quantifizierbar und liegt derzeit bei 1,2 Petabyte pro Monat, denn Flatpaks sind nicht unbedingt ein platzsparendes App-Containerformat.

Monatliche Downloads im Bereich von Petabytes: Platzsparend ist Flatpak als App-Container nicht.

(Bild: Linux App Summit)

Nach Hochrechnungen verteilt sich der Traffic auf 4,5 Millionen Downloads pro Monat und 10 Millionen Updates bereits installierter Flatpaks. Robert McQueen schätzt, dass flathub.org rund 800.000 aktive Nutzer hat. Auf der Entwicklerseite sind es rund 1200 Programmierer, die sich um die Erschaffung und Pflege von Flatpaks kümmern.

Die Macher von flathub.org sehen sich immer mehr in der Rolle als Betreiber eines App-Stores und weniger als Entwickler von Flatpaks. Denn diese sollen, wenn möglich, von den Softwareentwicklern selbst kommen. Weiterhin gibt es Open-Source-Programme auf flathub.org, die von der dortigen Community gepflegt werden, aber im Idealfall werden Flatpaks direkt aus den Upstream-Quellen erzeugt.

Gleichzeitig arbeitet flathub.org daran, ein Bezahl- und Spendensystem umzusetzen. Entwickler können entscheiden, ob Nutzer die Flatpaks gratis erhalten, eine freiwillige Spende entrichten oder einen Mindestpreis bezahlen müssen. Die Erlöse sollen nach Abzug einer kleinen Gebühr direkt an Entwickler gehen. Zur Abwicklung erörtert man laut Robert McQueen derzeit die Rechtsform, gegründet werde aber eine Flathub LLC nach US-amerikanischem Recht. Die finanziellen Transaktionen soll der Dienstleister Stripe abwickeln. Ein neuer Status namens "verified App" wird zudem in Zukunft Flatpaks der ursprünglichen Entwickern von jenen der Community abgrenzen. Die meisten Schritte des Aus- und Umbaus seien bereits abgeschlossen.

Für Softwareprojekte, die üblicherweise in den Paketquellen einer Linux-Distribution vertreten sind, ist dieser Schritt attraktiv, um unkompliziert neue Versionen direkt an Anwender zu liefern, ohne dass weitere Package-Maintainer zwischengeschaltet sind. Denn das Problem hierbei sind unscharfe Verantwortlichkeiten bei Fehlerhebungen und lange Wartezeiten, bis eine Linux-Distribution die neue Ausgabe einer umfangreichen Software mit Abhängigkeiten aufnehmen kann. Dies dauert bei einer Distribution wie Ubuntu bis zu sechs Monaten.

Originalentwickler einer Software können ein bereits vorhandenes Flatpak recht einfach übernehmen, nach Bestätigung der Identität. Als gelungenes Beispiel dazu erwähnte Robert McQueen den Passwortsafe Keepass XC, der in seinem CI-Prozess gleich Flatpaks mitbaut und auf flathub.org veröffentlicht. Mit etwas Hilfe aus der Flatpak-Community konnte auch OBS Studio flathub.org in den Buildprozess integrieren.

Die Idee hinter Flatpaks geht zwar auf Red Hat und die Gnome Foundation zurück und die Laufzeitumgebung für diese App-Container wurde erstmals in Fedora 24 unter Gnome 3.22 einer breiteren Anwenderschaft vorgestellt. Flatpaks sind aber nicht an eine bestimmte Distribution gebunden und auch nicht mehr nur an die Desktop-Umgebung Gnome. Rund ein Dutzend Linux-Distributionen, seit Ausgabe 22.04 sogar Ubuntu MATE, liefern die Flatpak-Runtime heute vorinstalliert aus und eignen sich damit sofort zur Installation der isolierten Appcontainer. Flatpak selbst charakterisiert sich als die längst überfällige, universelle Desktop-API für Linux, die für alle Toolkits verfügbar ist und dabei auch Zugriffsrechte auf Ressourcen verwaltet.

Die Entwicklungskonferenz fand dieses Jahr wieder als Präsenzveranstaltung statt. Die Veranstalter, der KDE e.V. und die Gnome Foundation, wählten Rovereto in Norditalien als Veranstaltungsort, streamten aber die Vorträge auch live über YouTube und via BigBlueButton. Der Linux App Summit bringt seit 2019 Entwicklergemeinden rund um Linux zusammen, um in Vorträgen den Austausch von Ideen zu fördern und das Software-Angebot voranzubringen.

Im YouTube-Kanal des Linux App Summit ist der Talk zu flathub.org mittlerweile im aufgezeichneten Livestream verfügbar.

(bme)