Linux: Dateisystem Btrfs soll in Fedora 33 zur Vorgabe werden

Das Fedora-Team hat angekündigt, Btrfs zum Standard-Dateisystem für Desktops in Version 33 der Linux-Distribution Fedora machen. Sie erscheint im Oktober.

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(Bild: fedoraproject.org/ / btrfs.wiki.kernel.org (Collage))

Von
  • Martin Gerhard Loschwitz

Das Fedora Engineering and Steering Committee (FESCo) beschloss Mitte vergangenen Monats in einer Abstimmung, Btrfs zum Standard-Dateisystem für Desktops in der kommenden Fedora-Version 33 zu machen. Nun haben die Entwickler ihren Entschluss im englischsprachigen Fedora Magazine nochmals bekräftigt: Btrfs wird Ext4 als Default-Dateisystem in Fedora 33 ersetzen.

Für Beobachter kam die sehr klare Entscheidung der Entwickler – nämlich mit 8 zu 1 Stimmen für Btrfs – durchaus überraschend. Denn Fedora ist eben nicht nur eine beliebte Desktop-Distribution, sondern auch die Grundlage für Red Hats Enterprise-Distribution Red Hat Enterprise Linux (RHEL). Das Red-Hat-Team wiederum, das zugleich auch Fedoras Hauptsponsor ist, zeigte in der Vergangenheit nur wenig Begeisterung für Btrfs. Nachdem das Dateisystem in RHEL 6 als "Technology Preview" ausgeliefert wurde, war damit in Version 8 schon wieder Schluss: Btrfs flog aus der Distribution. Aktuelle RHEL-Versionen liefern keinerlei Support mehr für Btrfs.

Eine Entscheidung, die in klarem Widerspruch zu den anderen großen Distributoren liegt: Ubuntu bringt Btrfs-Support mit und bei SUSE Linux Enterprise Server (SLES) sowie openSUSE ist es sogar das Standarddateisystem. Die Rollback-Funktionen von SUSE bauen auf Btrfs auf.

Bereits 2007 stellte der IBM-Mitarbeiter Ohad Rodeh das Konzept für Btrfs, das das in die Jahre gekommene Ext4-Dateisystem unter Linux ablösen sollte, auf der USENIX-Konferenz vor. Viele Btrfs-Funktionen schauten sich die Entwickler bei anderen Dateisystemen ab. Der integrierte Volume Manager inklusive der Fähigkeit, Sub-Volumes zu erstellen, kommt passionierten ZFS-Benutzern zum Beispiel bekannt vor. Dasselbe gilt für die in Btrfs integrierte Snapshot-Funktion, die ebenfalls von anderen Dateisystemen her bekannt ist.

Während Btrfs im Vergleich mit Ext4, XFS & Co. durchaus mit Performance-Vorteilen punkten kann, haperte es in der Vergangenheit indes regelmäßig an der Zuverlässigkeit: Bugs im Code, nicht ganz vollständig implementierte Funktionen und mangelnde Werkzeuge zur Dateisystem-Analyse und -Reparatur verhagelten vielen Admins und Anwendern die Freude an Btrfs. Nicht selten griffen Early Adopter von Btrfs zum Backup, weil das Dateisystem ihre Daten zu Datensalat verarbeitet hatte.

Auf die Probleme und Bugs aus der Vergangenheit dürfte letztlich denn auch der "Liebesentzug" durch Red Hat zurückzuführen sein. Alten Vorurteilen tritt Fedora mit der Entscheidung, Btrfs zum Standard-Dateisystem auf Desktops zu machen, nun allerdings offensiv entgegen. Der aktuelle Fedora Magazine-Beitrag mit dem Titel "Btrfs Coming to Fedora 33" betont die Vorzüge als mittlerweile ausgereiftes, stabiles und gut funktionierendes Dateisystem.

Für Fedora-Nutzer sollen sich bei der Migration keine Probleme ergeben: Wer noch ein System ohne Btrfs nutzt, kann das weiterhin tun. Neue Systeme verwenden ab Werk Btrfs, es sei denn, der Admin wählt bei der Installation ein anderes Dateisystem aus. Wie das Red Hat-Team künftig mit der Fedora-Entscheidung umgeht und wie sich diese auf RHEL auswirkt, bleibt abzuwarten – dass Btrfs in der Enterprise-Distribution langfristig komplett ignoriert wird, während es in dessen technischer Basis das Standard-Dateisystem ist, ist allerdings eher unwahrscheinlich.

(ovw)