Linux-Desktop KDE Plasma 5.21 mit großen Fortschritten beim Wayland-Support

Die KDE-Entwickler haben nicht nur die Desktopoberfläche poliert und das K-Menü umgebaut, sondern auch den Einsatz von Wayland und Systemd vorangetrieben.

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(Bild: Screenshot)

Von
  • David Wolski

Nachdem im Januar 2021 schon die KDE Frameworks in einer neuen Ausgabe erschienen sind, liegt nun auch eine neue Version von KDE Plasma vor. Bemerkenswerte Neuerungen gibt es in KDE Plasma 5.21 nicht nur an der Oberfläche: Dank vieler Verbesserungen an der Wayland-Session um den Compositor "Kwin" ist die moderne Display-Server-Architektur inzwischen beinahe fit für den Alltag. Den Start der Desktop-Umgebung kann nun auf Linux-Systemen Systemd ab Version 246 übernehmen. Für Linux ist in den Systemeinstellungen ein grafisches Konfigurationstool für den Paketfilter des Kernels hinzugekommen.

Optisch umfasst KDE Plasma 5.21 Änderungen, die nicht nur versierten Anwendern der Qt-basierten Desktop-Umgebung entgegenkommen sollen: Ein neues Anwendungsmenü bietet eine großzügigere Programmübersicht. Speziell für den Laptop-Betrieb unter schwierigen Lichtverhältnissen gibt es eine Einstellungsmöglichkeit, die helle Programmfenster und dunkle Desktop-Elemente kombiniert. "We made something pretty", lautet denn auch die Überschrift der Release-Notes zu KDE Plasma 5.21.

Einblicke in KDE Plasma 5.21 (7 Bilder)

Großzügiges Kickoff-Menü:

Das traditionelle, kleinteilige K-Menü ist einer mehrspaltigen Ansicht im Anwendungsmenü gewichen. Platzsparender Alternativen stehen aber weiterhin per Rechtsklick bereit.

(Bild: Screenshot)

Mit der Ergänzung des Display-Server-Protokolls von Wayland steht der Desktop vor seiner bisher größten, grundlegenden Änderung. Sofern der Grafikchip mitspielt, ist Wayland ab KDE Plasma 5.21 eine ernst zu nehmende Alternative zu X11. Dazu gehört auch die Unterstützung von angeschlossenen Bildschirmen mit unterschiedlichen Bildwiederholfrequenzen. Verbesserungen, die KDE-Entwickler Nate Graham bereits zu Jahresbeginn eine Ankündigung auf seinem Blog wert waren.

Die Schwierigkeit speziell unter KDE Plasma und Kwin sind die vergleichsweise zahlreichen Protokolle, mit denen Anwendungen und Compositor kommunizieren. Die standardisierten Wayland-Protokolle alleine reichen für Plasma nicht aus und die KDE-Entwickler müssen ihre eigenen Implementierungen liefern. Zu sehen sind die Fortschritte im aktuellen KDE Plasma 5.12 im Programmstarter Krunner, der nun alle Fenster in einer Wayland-Session auflisten kann. Zudem kann die Bildschirmtastatur jetzt unter Wayland mit GTK-Anwendungen umgehen und erste Unterstützung für GTK4-Programme gibt es auch.

Ein Nebeneffekt der grundlegenden Arbeiten an Kwin ist ein gründliches Refactoring, das den Desktop mit niedrigen Latenzen erheblich reaktionsfreudiger machen soll. Dazu gibt es in den Systemeinstellungen zu Kwin unter Wayland die Möglichkeit, samtige Effekte oder kurze Latenzen zu bevorzugen. Dinge, die bis dato noch nicht funktionieren und weiterhin als "Showstopper" für Wayland unter KDE Plasma gelten, listet das KDE-Team in einem Wiki-Eintrag mit dem Titel "Plasma/Wayland Showstoppers" auf.

Eine seit KDE Plasma 5.20 schrittweise umgesetzte Neuerung ist die Einbindung von Systemd in den Startprozess des Desktops, um die chronologische Abarbeitung von Skripten diesem Init-System zu übergeben. Das funktioniert noch nicht überall, denn dieser Schritt setzt Systemd in Version 246 und die manuelle Aktivierung von "plasma-plasmashell.service" voraus, wie ein Blogeintrag des langjährigen KDE-Entwicklers David Edmundson erläutert.

Der Vorteil ist eine kürzere Startzeit und eine höhere Anpassungsfähigkeit mit genauer Fehlersuche in Logdateien über Journald. Profitieren können davon aber nur Linux-Systeme – BSDs, für die KDE Plasma ebenfalls als Desktop gepflegt wird, bleiben hier außen vor. Die alte Methode des Desktop-Starts mit Skripten und Dbus bleibt deshalb erhalten und auch vorerst überall der Standard.

Ebenfalls nur unter Linux funktioniert die Konfigurationsoberfläche in den Systemeinstellungen für den Paketfilter des Kernels mittels UFW (Uncomplicated Firewall) oder den Dienst Firewalld. Die nicht ganz passende Namensgebung dieser Einstellungsseite als "Firewall" dürfte alte Kontroversen zwischen Anwendern und Sicherheitsexperten aufwärmen. Gelungen ist die Oberfläche des neuen Systemmonitors, der auf dem QML-Framework Kirigami basiert und viele Anpassungsoptionen liefert. Der Monitor wird das in Version 5.21 weiterhin vorhandene KsysGuard in den nächsten KDE-Ausgaben komplett ersetzen.

Eine zumindest optisch deutliche Veränderung ist das neue K-Menü im Panel, das jetzt eine zweigeteilte Ansicht der Anwendungen präsentiert und damit großzügiger wirkt. Für kleinere Bildschirme stehen Alternativen per Rechtsklick auf das K-Menü zur Verfügung.

Keine Neuerung von KDE Plasma, sondern des KDE Framework 5.78 ist ein Umbau der KIO-Schnittstelle (KDE Input/Output) für den Dateimanager Dolphin und KDE-Anwendungen, die nun Fuse nutzt, um Dateien aus dem Netzwerk zu öffnen. Bislang legten die KIO-Module über Protokoll-Präfixe wie "fish://" und "sftp://" geöffnete Dateien unter "/run/user/[UID]/" temporär ab, beobachteten die Änderungen und luden die geänderten Dateien wieder auf den Server hoch. Mit der neuen Fuse-Schnittstelle soll KIO im Netzwerk fehlertoleranter und agnostischer bezüglich der verwendeten Anwendungen arbeiten.

In einem Video geben die KDE-Entwickler einen Überblick über die Highlights von KDE Plasma 5.21.

Erfreulicherweise ist es kein langer Weg zu einem funktionsfähigen Desktop mit der neuen KDE-Plasma-Version. Denn die Distribution KDE Neon, eine Ubuntu-Variante der KDE-Entwickler, präsentiert die neue Oberfläche von Plasma 5.21 in der "Testing Edition". Das Live-System zeigt auch ohne Installation den neuen Desktop mit Wayland-Session. Es hat aber noch kein Systemd 246 an Bord.

(ovw)