Linux-Distribution EndeavourOS 22.1: Modellpflege und neuer Window-Manager

Die Entwickler von EndeavourOS haben Version 22.1 veröffentlicht. Highlights sind ein neuer Window-Manager und ein Installationsprogramm für Nvidia-VGA-Treiber.

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Aufmacher EndeavourOS 22.1 Apollo

(Bild: Screenshot)

Von
  • Martin Gerhard Loschwitz
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Unter dem Namen EndeavourOS baut eine Gruppe von Entwicklern seit 2019 einen Nachfolger der einst sehr populären, auf Arch Linux basierten Distribution Antergos. Das erklärte Ziel von Antergos war es, ein Arch Linux mit grafischer Installationsroutine anzureichern und mit wenigen grafischen Helfern auszustatten, um die Desktop-Erfahrung der Benutzer angenehmer zu gestalten. Diesem Ziel hat sich auch EndeavourOS verpflichtet, wie die Version 22.1 unter Beweis stellt.

Die Änderungen der neuen Version teilen sich dabei in zwei Kategorien auf, nämlich in jene, die die Installationsroutine betreffen und jene auf dem fertig installierten Desktop. Beiden Kategorien gemein ist die Aktualisierung des Grundsystems: Endeavour OS 22.1 fußt auf dem aus Arch übernommenen Linux-Kernel 5.17, bringt die Mesa-Treiber in Version 22.01 und die Grafik-API Vulkan in der aktuellen Version 1.3 mit. Dem Paket liegt der beliebte Desktop Xfce in der aktuellen Version des 4.16er-Zweigs ebenfalls bei. Gängige Desktop-Tools wie Firefox erfahren in EndeavourOS 22.1 (Codename "Apollo") ebenfalls die üblichen Updates.

Die Installationsroutine nutzt anstelle von GitHub oder GitLab nun den GeoIP-Server von KDE, um während der Installation zu prüfen, ob die Internetverbindung steht. Wer sich für eine der Community-Editionen von EndeavourOS entscheidet, bekommt künftig zudem (wieder) den Display-Manager, den diese bevorzugt und einbindet, und nicht mehr die Standard-Variante von EndeavourOS, also LightDM und Slickgreeter.

Einige EndeavourOS-spezifische Module für den grafischen Installer Calamares haben die Entwickler grundlegend überarbeitet oder gleich ganz neu verfasst, um Fehler zu beseitigen und dadurch die Zuverlässigkeit der Installation zu verbessern. Wer sich für eine Online-Installation entscheidet, sieht künftig einen Fortschrittsbalken, der über den aktuellen Status weitaus besser informiert als noch in der vorherigen Version.

Relevante Änderungen ergeben sich zudem bei Thema Bluetooth: Dieses ist im Installer seit der Version 22.1 standardmäßig aktiviert, was die Verwendung von Geräten wie Tastaturen oder Mäusen auf Bluetooth-Basis erheblich erleichtert. Im fertig installierten System ist Bluetooth zwar weiterhin ab Werk deaktiviert, lässt sich mittels eines neuen Buttons im Desktop aber schneller einschalten als bisher.

Darüber hinaus ergeben sich einige weitere Änderungen im fertig installierten System. Der zu Systemd gehörende Firewall-Dienst "firewalld" ist nun standardmäßig aktiviert, sodass sich Firewallregeln etwa für "nftables" leichter einrichten lassen. Ein neues GUI-Werkzeug namens "EOS-quickstart" zeigt nach der Installation in einer Galerie die beliebtesten Anwendungen aus dem Arch-Universum an, sodass diese sich per Mausklick flugs installieren lassen.

Als Highlight dieser Version ist "nvidia-inst" komplett neu an Bord. Der proprietäre Grafikkartentreiber von Nvidia gilt Linux-Anwendern seit über einem Jahrzehnt als typisches "Trouble kid", denn er braucht ein Kernel-Modul, das zum gerade laufenden Kernel passt. Das ist nicht nur kompliziert, sondern das Kompilieren des Moduls schlägt mit unschöner Regelmäßigkeit auch fehl.

Ohne den proprietären Treiber lassen sich die GPUs betroffener Karten allerdings kaum ausreizen; anspruchsvolle Spiele sind etwa kaum spielbar. Das neue Programm in EndeavourOS 22.1 ersetzt den bisherigen Mechanismus, der den Kernel-Treiber mittels des Frameworks DKMS automatisch erstellte, und lädt gleich auch die passenden Bibliotheken für die Benutzung in der grafischen Oberfläche nach. Noch betrachten die Entwickler das Programm allerdings als Beta-Software, sodass es im Alltag möglicherweise zu Problemen kommt.

Mit einer Überraschung wartet EndeavourOS 22.1 zudem in Sachen Window Manager auf. Neben den gängigen Lösungen der F/LOSS-Community liegt der neuen Version der Distribution nämlich auch Worm bei. Diesen hat ein Mitglied des EndeavourOS-Entwicklerteams selbst geschrieben. Er fußt auf der Programmiersprache Nim und soll die Bedürfnisse von Fans des "Tiling Desktops" (nebeneinander in Kachelform angeordnete Fenster) ebenso befriedigen wie jene Anwender, die überlappende Fenster ("Floating") bevorzugen.

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Worm benötigt sehr wenige Ressourcen, sodass es auch auf schmalbrüstiger Hardware wie einem Raspberry Pi Zero ohne Probleme läuft. Entsprechende Geräte mit ARM-CPU unterstützt EndeavourOS bereits seit dem letzten Release im vergangenen Jahr.

Wer bereits EndeavourOS nutzt, bekommt die Updates der Version 22.1 im Rahmen des Rolling Release-Konzepts automatisch. Steht eine EndeavourOS-Neuinstallation an, finden sich die nötigen ISO-Dateien dafür auf der Download-Seite des Endeavour-Projektes.

(dmk)