Linux-Distribution Ubuntu 21.10 mit Gnome 40 und Firefox als Snap-Paket

Mit der aktuellen Zwischenversion holt Ubuntu Anlauf zur nächsten Ausgabe mit Langzeitsupport. Mit dabei: Gnome 40 & Firefox als vorinstalliertes Snap-Paket.

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Das Wallpaper der neuen Ubuntu-Version zeigt ein stilisiertes Indri – und noch dazu ein besonders schelmisches (engl. "impish") Exemplar dieser Lemurenart.

(Bild: Screenshot)

Von
  • David Wolski

Ubuntu 21.10 "Impish Indri" ist seit dem heutigen Donnerstag allgemein verfügbar. Die neue Ausgabe der beliebten Linux-Distribution liefert zur Unterstützung der nächsten Intel- und AMD-CPUs den Linux-Kernel 5.13, hievt LibreOffice auf Version 7.2.1 und präsentiert in der Hauptausgabe Gnome 40 mit den portierten, Ubuntu-typischen Erweiterungen. Der Installer Ubiquity bietet nun an, bei LUKS2-verschlüsselten Installationen einen Wiederherstellungsschlüssel gleich bei der Installation zu erstellen und zu sichern. Eine bemerkenswerte, aber kontroverse Änderung ist die Paketierung des Browsers Firefox, der in allen offiziellen Ubuntu-Varianten vorinstalliert ist: In der Hauptausgabe mit Gnome liegt Firefox jetzt als Snap-Paket vor.

Ubuntu 21.10 folgt dem soliden, halbjährlichen Veröffentlichungsrhythmus der Distribution. Es ist die letzte Ausgabe mit neun Monaten Supportzeitraum bis zur nächsten Ubuntu-Version mit Langzeitsupport im April nächsten Jahres. Wie auch in den Ausgaben zuvor liefert Ubuntu 21.10 die letzten größeren Änderungen, bevor es dann an die Konsolidierung der Features zur kommenden LTS-Version geht. Ubuntu 22.04 LTS ist für April 2022 geplant.

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Während Firefox in den offiziellen Ubuntu-Ausgaben mit alternativen Desktops weiterhin als DEB-Paket vorhanden ist, liegt der Browser in der Hauptausgabe von Version 21.10 mit Gnome jetzt als Snap-Paket vor. Kontrovers ist diese Änderung aufgrund der langsameren Startzeiten von Programmen aus Snap-Containern sowie deren Größe. Die kommt dadurch zustande, dass paketierte eigene Bibliotheken unabhängig vom System zusätzlich installiert werden müssen.

Ubuntu 21.10: Hauptversion und Flavours (8 Bilder)

Snap statt DEB-Paket

Firefox ist in Ubuntu 21.10 als Snap-Paket vorinstalliert. Dieser Wechsel verursacht derzeit noch Probleme mit der Gnome-Komponente zur Installation von Gnome-Erweiterungen.

(Bild: Screenshot)

Der Wechsel der Paketierung von Firefox auf das distributionseigene Paketformat Snap ist nicht die erste Gelegenheit, bei der Canonical eine der maßgeblichen Anwendungen auf dem Linux-Desktop auf diese Weise bereitstellt: Schon Ubuntu 19.10 machte aus dem Browser Chromium ein Snap und strich das DEB-Paket aus den Paketquellen. Der Grund ist der geringere Aufwand für die Pflege dieser Programme, die für verschiedene Ubuntu-Versionen nur mehr als ein universelles Snap-Paket gebaut werden müssen.

In Fall von Firefox gibt das Ubuntu-Entwicklerteam an, dass dieses Snap-Paket ab jetzt direkt von der Mozilla Foundation gepflegt wird und der Wechsel zu Snap nach enger Absprache zwischen den Entwicklern erfolgte. Neue Firefox-Versionen können so schneller auf Ubuntu-Systeme kommen, zumal Snap-Pakete im Hintergrund auch automatisch aktualisiert werden. Auch bei der Aktualisierung eines vorhandenen Ubuntus wird Firefox als Snap nachinstalliert und das bestehende Profil-Verzeichnis wandert nach dem ersten Start des Browsers als Kopie in den Ordner ~/snap/firefox/common/.mozilla/firefox.

Bis auf weiteres bleibt Firefox aber zusätzlich als DEB-Paket in den Ubuntu-Paketquellen verfügbar. Der Abschied vom DEB-Paket soll erst in Ubuntu 22.04 erfolgen. Bis dahin warten noch einige Probleme mit Firefox auf Lösungen. So funktioniert beispielsweise die Gnome-Shell-Integration über das Browser-Add-on in Firefox nicht, um von extensions.gnome.org Erweiterungen zu installieren.

Ubuntu 21.10 ist die erste Ausgabe mit Gnome 40. Diese Version der Desktopumgebung ist zwar schon im März 2021 erschienen, war aber für Ubuntu aufgrund von Inkompatibilitäten der Erweiterung "Ubuntu-Dock", welche die typische Symbolleiste am linken Bildschirmrand darstellt, noch nicht geeignet. Erst jetzt sind die Erweiterungen auf die neue Gnome-Version und das verwendete Desktop-Thema "Yaru" portiert. Anders als in einem regulären Gnome 40 zeigt die Übersichtsseite "Aktivitäten" kein eigenes Dock horizontal am unteren Rand an. Bei den Gnome-Anwendungen setzt Ubuntu auf einen Mix von Anwendungen aus Gnome 40 und 41.

Wie schon in Ubuntu 21.04 nutzt Ubuntu-Desktop standardmäßig den Wayland-Modus, während Xorg-Modus als Option auf dem Anmeldebildschirm bleibt. Auf Notebooks mit geeigneten Touchpads bietet Gnome 40 unter Wayland neue Multitouch-Gesten, um zwischen laufenden Programmen und virtuellen Desktops zu wechseln. Wie die Release Notes angeben, sollen nun auch Nvidia-Graikkarten mit dem proprietären Treiber mit Wayland zusammenarbeiten. Zumindest jene Grafikchips, welche die Treiberversion 470.x verwenden, die Probleme mit der Kompatibilitätsschicht "Xwayland" ausräumt.

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Ubuntu bleibt beim Soundserver Pulse Audio, der in Version 15 vorliegt. Diese Version lässt mit Verbesserungen bei der Anbindung von Bluetooth-Headsets aufhorchen: Der Codec AptX liefert bei unterstützten Geräten eine bessere Soundqualität mit einer fixen Bitrate von 325 kBit/s bei einer Abstastrate von 44,1 KHz und niedrigere Latenzen als der bisher genutzte Codec SBC. Für Sony-Kopfhörer mit Bluetooth kann Pulse Audio 15 den Codec LDAC bieten, der Bitraten bis 1 MB/s bietet. Konfigurierbar sind die verwendeten Codecs über die Pulse-Audio-Anwendung "pavucontrol", die über das gleichnamige Paket nachinstallierbar ist. Der neue Soundserver Pipewire liegt zusammen mit seinem Pulse-Audio-Ersatz "pipewire-pulse" ebenfalls zur optionalen Installation in den Paketquellen bereit, muss aber manuell eingerichtet werden.

Wie gewohnt gibt es Ubuntu in offiziellen Ausgaben auch mit anderen Desktops als Gnome: Sieben Ubuntu-Varianten liefern als Arbeitsfläche XFCE (Xubuntu), LXQT (Lubuntu), KDE Plasma (Kubuntu), Mate (Ubuntu MATE), Budgie (Ubuntu Budgie) und UKUI (Ubuntu Kylin). Kleine Unterschiede gibt es beim Installer, denn während die Ausgaben mit Gnome, Mate, Budgie und XFCE auf das Ubuntu-eigene Installationsprogramm Ubiquity setzen, verwenden Kubuntu, Lubuntu und Kylin den hauptsächlich von Manjaro bekannten Installer Calamares.

Ubuntus Server-Ausgabe nutzt bereits seit Ausgabe 20.04 den neuen Installer Subiquity im Textmodus. Mit den Neuerungen der Serverversion Ubuntu 21.10, die unter anderem PHP 8.0.8 und OpenLDAP 2.5.6 bringen, welche nicht ganz kompatibel zu Vorgängerversionen sind, beschäftigt sich eine eigene (iX-)Meldung, die wir später an dieser Stelle verlinken werden.

Die übergreifenden Release Notes mit einer akribischen Auflistung aller Änderungen liegen auf Canonicals Discourse-Webseite vor, mit einer kleinen Errata nachträglich gefundener Bugs samt deren Behebungen. Die kürzer gefassten Release-Notes der Ubuntu-Varianten finden sich auf deren jeweiligen Webseiten.

(ovw)