Linux Foundation, IBM und Grillo arbeiten an System zur Erdbebenfrüherkennung

Die gemeinsame Inititative namens OpenEEW (Earthquake Early Warning) soll die Entwicklung quelloffener Frühwarnsysteme beschleunigen und setzt dafür auf Docker.

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(Bild: Andrey VP/Shutterstock.com)

Von
  • Silke Hahn

Gemeinsam mit IBM und dem Start-up Grillo möchte die Linux Foundation quelloffene Frühwarnsysteme zur Erdbebenerkennung weiterentwickeln. Die Initiative unter dem Namen OpenEEW (Early Earthquake Warning) nimmt als Ausgangspunkt bereits vorhandene Komponenten der EEW-Plattform von Grillo zum Messen, Erkennen und Analysieren von Erdbeben. Von der Erkennungskomponente existiert bereits eine Docker-Version, die sich mit Kubernetes und Red Hat OpenShift auf der IBM-Cloud ausrollen lässt.

Bei der Initiative geht es nicht nur um Software, sondern auch um Hardware beziehungsweise IoT-Komponenten (Internet of Things): Echtzeitwarnsysteme sollen von Nutzern auf Plattformen wie Kubernetes und Raspberry Pi bereitgestellt werden und Warnungen auf verschiedenen Gerätetypen mobil ausgeben können. IBM steuert ein neues Dashboard zum Visualisieren von Messdaten bei und setzt dafür sechs Erdbebensensoren von Grillo ein, die nun in Puerto Rico Tests durchlaufen.

Auch der Einsatz von Machine Learning spielt für das Projekt eine Rolle: An den Universitäten Harvard und Oregon werten Forscherteams derzeit über ein Terabyte an Messdaten aus, die seit 2017 in mehreren Erdbebenregionen Lateinamerikas erfasst wurden. Gemeinsam mit Google hat Harvard offenbar ein KI-Modell erstellt, das potenzielle Nachbeben, die bis zu ein Jahr nach dem eigentlichen Erdbeben auftreten, im Voraus berechnen und lokalisieren kann. Weitere Universitäten betreiben aktiv Forschung dazu, zum Teil werten sie dafür parallel auch historische Daten aus. Passend dazu hat Google gerade ein Erdbeben-Erkennungssystem vorgestellt, das die Beschleunigungssensoren von Smartphones nutzt und Android-Handys potentiell zu kleinen Seismografen macht.

OpenEEW soll in Ländern mit hoher seismischer Aktivität wie Italien, Nepal, Mexiko, Japan, Ecuador und Neuseeland dazu anregen, Warnsysteme zur Erdbebenfrüherkennung der Bevölkerung zu etablieren. Bislang hat offenbar erst eine Handvoll Länder, darunter wie Mexiko, Italien, Japan, die Türkei, Rumänien, China, Taiwan und Teile der USA, in EEWs investiert. Ein Hindernis dürften die hohen Kosten gewesen sein, die das Erstellen und Einrichten solcher Frühwarnsysteme zur Hürde insbesondere für ärmere Regionen gemacht haben. Nach Schätzungen der US-amerikanischen geologischen Behörde USGS leben etwa 3 Milliarden Menschen weltweit in Regionen mit Erdbebenrisiko.

OpenEEW hat eine Startfinanzierung von der US-amerikanischen Agency for International Development, von der Clinton Foundation und von Arrow Electronics erhalten. Details zum Launch des Projekts finden sich im Blogeintrag bei IBM. Mehr Informationen zu der neuen Initiative lassen sich der Homepage von OpenEEW entnehmen. Interessierte finden das Projekt auf GitHub. Besonders übersichtlich sind Projektinformationen auch in der Open Data Registry bei AWS aufgeführt.

(sih)