Linux Mint 20: Desktop ohne Snap-Pakete

Die neue Version der Desktop-Distribution Linux Mint fußt auf Ubuntu 20.04. Ein neues Tool vereinfacht den Datentransfer zwischen verschiedenen Computern.

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Linux Mint 20 kommt mit dem Cinnamon-Desktop 4.4 und dem gesamten technischen Unterbau von Ubuntu 20.04.

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Die Linux-Mint-Entwickler haben Version 20 ihrer Linux-Distribution für den Desktop unter dem Codenamen "Ulyana" freigegeben. Die Version 20 des Systems liefert Updates für praktisch alle Komponenten des Systems und erscheint in drei Varianten: Die Anwender haben die Wahl zwischen den Linux-Desktops Cinnamon, MATE sowie Xfce.

Linux Mint ist ein Ubuntu-Derivat. Viele Veränderungen in der Version 20 erbt die Distribution deshalb von dem kürzlich erschienenen Ubuntu 20.04, das die Entwickler zur technischen Grundlage ihres Systems gemacht haben. Dabei unterscheidet sich Linux Mint an mehreren Stellen aber deutlich von Ubuntu: So folgen die Desktops eher klassischen Bedienkonzepten vergleichbar mit Windows 7 (Cinnamon) oder Gnome 2 (MATE).

Warpinator ist ein grafisches Programm für den einfachen Austausch von Dateien zwischen Computern im lokalen Netz.

Eines der Highlights von Linux Mint 20 ist „Warpinator“, ein neues Programm für den einfachen Austausch von Dateien zwischen Computern im selben Netzwerk. Ist das Programm auf beiden Rechnern gestartet, überträgt es ohne weitere Konfiguration einzelne Dateien und ganze Ordner. Dazu wählt man den Zielrechner aus einer Liste aus und wählt anschließend die zusendenden Dateien aus oder lässt diese per Drag-and-Drop ins Programm-Fenster fallen. Auf der Gegenseite bestätigt man die Übertragung und findet die Daten in einem dafür vorgesehenen Ordner im Home-Verzeichnis. Der Ablauf ist ähnlich wie bei Bluetooth, nur schneller. Die Daten werden verschlüsselt übertragen. Die Mint-Eigenentwicklung "Warpinator" soll eine ähnliche Funktionalität bieten wie einst das mittlerweile verwaiste Tool „Giver“.

Für Anwender eines Systems mit NVidia-Optimus-Grafikkarte gibt es ein erheblich verbessertes Tray-Applet. Über dieses lässt sich die Grafikkarte, die das System nutzen lässt, schnell auswählen. Zwar sind Optimus-Grafikchips auf geringen Stromverbrauch optimiert, doch zieht die integrierte Grafikeinheit der Systeme bauartbedingt noch weniger Energie aus der Batterie. Passend dazu unterstützt Mint nun auch das "On-Demand"-Profil der NVidia-Chips: Dieses erlaubt es, gar nur einzelne Applikationen vom NVidia-Chip rendern zu lassen, während sich die integrierte GPU um das Gros der Arbeit kümmert.

Die Icons für die Programme im Systray haben die Entwickler in Linux Mint 20 vereinheitlicht.

Apropos Tray Icon: Für Mint-spezifische Anwendungen haben die Entwickler das Aussehen der Tray-Icons auf Einheitlichkeit getrimmt. Ganz generell haben die Entwickler beim Cinnamon-Desktop an vielen Schrauben gedreht, was Optik und Funktionalität angeht. Der ist ein von den Mint-Entwicklern gepflegter Fork der GNOME-Shell und liegt Ulyana in der Version 4.6 bei. Dieser unterstützt jetzt die Skalierung der Benutzeroberfläche mit krummen Faktoren, was für die optimale Anzeige auf Displays mit hoher Auflösung wichtig ist. Wer unterschiedliche Monitore mit unterschiedlichen Auflösungen benutzt – etwa ein 4K-Display und ein Full-HD-Display – kann für diese nun unterschiedliche Skalierungsfaktoren für die Desktop-Umgebung festlegen.

Der zu Cinnamon gehörenden Dateimanager Nemo arbeitet nun deutlich flinker als zuvor und entlastet auf Systemen mit Festplatte diese erheblich. Außerdem sorgen neue Desktop-Hintergrundbilder und Icons sowie ein überarbeitetes Boot-Menü für ein deutlich ansehnlicheres System.

Einer Neuerung in Ubuntu verweigern sich die Linux-Mint-Entwickler: Anwendungen im Snap-Format. Von denen macht Ubuntu 20.04 viel stärker als seine Vorgänger Gebrauch. Geht es nach Canonical, ersetzen sie sukzessive das deb-Format. So ist dort Chromium, die Open-Source-Variante des Chrome-Browsers, nur noch als Snap verfügbar, selbst wenn es über die APT-Paketverwaltung installiert wird. Linux-Mint-Chef Lefebvre bezeichnete den Vorgang kürzlich als „Canonical-Hintertür“, da der Ubuntu-Hersteller den einzigen Snapstore betreibt und die Server-Software keine freie Software ist. Den Automatismus, Snaps nachzuladen, haben die Linux-Mint-Entwickler folglich deaktiviert.

Wollen Nutzer Programme wie Chromium verwenden, müssen sie entweder den Snap-Dienst selbst installieren oder sich die Software aus anderen Paketquellen besorgen. Eigene Ersatzpakete im deb-Format will Mint jedenfalls nicht anbieten. Wer Snaps unter Linux Mint 20 verwenden will, muss in /etc/apt/preferences.d/nosnap.pref die Blockade deaktivieren.

Linux Mint 20 läuft erstmals nicht mehr auf 32-Bit-Systemen, weil auch Canonical die Unterstützung für jene Systeme eingestellt hat. Im Alltag dürften die Auswirkungen davon sich allerdings in Grenzen halten, da quasi alle für Desktop-Anwender verkauften Computer der vergangen Jahre 64-Bit beherrschen.

Linux Mint 20 ist ein solides Update der beliebten Desktop-Distribution. Da es wie sein Unterbau eine Version mit Langzeitunterstützung ist, verspricht Mint Jahre Support in Form von Updates und Sicherheitspatches. Die gesamten Neuerungen und Hinweise zur Installation entnimmt man den Veröffentlichungsnotizen. Die Installations-Images sind als Download über die Linux-Mint-Website verfügbar.

Siehe dazu auch:

(ktn)