Linux für Alle: Emmabuntüs-Kollektiv veröffentlicht EmmaDE3 1.03

Müll vermeiden und mit Second Hand-PCs soziale Projekte unterstützen sind die Ziele des EmmaDE-Teams. Die Basis dafür liegt jetzt in einer neuen Version vor.

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Der EmmaDE-Desktop basiert auf Xfce.

(Bild: emmabuntus.org)

Von
  • Martin Gerhard Loschwitz

Die Teilhabe am digitalen Leben stellt für viele Menschen eine Selbstverständlichkeit dar. Wer jeden Cent mehrmals umdrehen muss, hat hingegen oft keine Möglichkeit, in Computer, Tablets und Smartphones zu investieren. Hilfsorganisationen wie die Emmaus-Bruderschaft in Frankreich helfen Betroffenen, indem sie gespendete Computer mit freier Software frisch aufsetzen und weitergeben.

Die Linux-Distribution EmmaDE des Emmabuntüs-Kollektivs ist aus dieser Motivation heraus entstanden und liegt jetzt in Version 1.03 vor. Zwei Faktoren stehen bei der Entwicklung stets im Mittelpunkt: EmmaDE soll auf alter und sehr alter Hardware gut funktionieren und für Hilfsorganisationen leicht zu verwenden und modifizieren sein.

Zentrale Neuerung in EmmaDE3 1.03 ist die Umsetzung eines anpassbaren "OEM-Installationsmodus" auf Basis von Calamares. Hilfsorganisationen, denen etwa ein ganzer Schwung identischer Computer gespendet wird, können künftig ein einzelnes passendes EmmaDE-Abbild erstellen und dieses dann automatisiert installieren. Auf diese Weise bedarf es laut der Entwickler weniger als 180 Sekunden, um einen einzelnen alten PC mit frischem Betriebssystem zu versorgen.

Die Umsetzung und Einführung des neuen Installationsmodus ist kein Alleingang der EmmaDE-Entwickler, sondern Teil einer größeren Reuse-Kampagne, die das Emmabuntüs-Kollektiv bereits Anfang September gemeinsam mit den Projekten Debian-Facile, Blabla Linux und Tugaleres.com ins Leben rief. So verlinkt die Release-Ankündigung zu EmmaDE3 1.03 unter anderem auch (allerdings französischsprachige) Videos der Implementierung des neuen Installationsmodus in Blabla Linux.

Technisch realisiert ist der neue Modus über den Multi-Image-Bootloader LiveUSB. Der ermöglicht es, aus mehreren auf einem USB-Stick abgelegten Images eines auszuwählen, das das System anschließend startet. Mitgelieferte Skripte erlauben eine Vielzahl von Modifikationen der Standard-Images.

(Bild: emmabuntus.org)

Das DE in EmmaDE steht für "Debian Edition" im Unterschied zu früheren Versionen, die auf Ubuntu fußten. EmmaDE3 1.03 basiert auf Debian GNU/Linux 10.6. Dessen Software ist zwar nicht mehr taufrisch, für den täglichen Bedarf aber völlig ausreichend. Zumal im Rahmen des Updates auch ein wenig Modellpflege durchgeführt wurde: Aktualisiert wurden unter anderem Firefox ESR, Thunderbird und VeraCrypt. Hinzu kommen diverse neue Treiber für Peripheriegeräte, vorrangig Drucker.

Als Desktop-Umgebung kommt standardmäßig wie bisher Xfce zum Einsatz, das mit den Ressourcen seines Hostsystems rücksichtsvoll umgeht; alternativ ist auch LXQt auswählbar. Hinzu gekommen ist außerdem das von Linux Mint übernommene Warpinator, das den Austausch von Dateien zwischen verschiedenen Systemen vereinfacht.

Weiterhin haben die Entwickler in EmmaDE3 1.03 die Unterstützung für zRAM deutlich verbessert. Auf Systemen mit wenig Arbeitsspeicher sorgt zRAM dafür, dass das System bei vollem Arbeitsspeicher erst später mit der Nutzung des Swap-Spaces beginnt. Möglich macht das eine Kernel-Funktion, die RAM-Inhalte erst komprimiert, bevor sie zum Swap-Space greift.

Weitere Details zur neuen Version liefert die Release-Ankündigung zu EmmaDE3 1.03. Auf der offiziellen EmmaDE-Downloadseite stehen eine 32- und eine 64-Bit-Fassung der neuen Version bereit.

Wer im Zuge des neuen OEM-/Reuse for all-Modus USB-Sticks erstellen will, findet Links zu Clonezilla-ISOs in verschiedenen Sprachen sowie zu einer ausführlichen Beschreibung der Vorgehensweise auf einer eigenen Informationsseite.

(ovw)